ICT-Bildung in Europas

Zypern bei ICT-Bildung in Europas Spitzengruppe – doch der Gender-Gap bleibt eine große Herausforderung

  • Zypern gehört 2025 mit 96,4 % Hochschulabschlussquote unter ICT-gebildeten Beschäftigten zur EU-Spitzengruppe – nur Dänemark und Frankreich liegen knapp davor.
  • Der ICT-Sektor auf Zypern ist stark akademisch geprägt und bietet damit einen wichtigen Standortvorteil für Digitalisierung, Innovation, KI, Fintech und Cybersicherheit.
  • Gleichzeitig besteht ein deutlicher Gender-Gap: 85,1 % Männer und nur 14,9 % Frauen arbeiten 2025 als ICT-gebildete Beschäftigte.
  • Der Frauenanteil ist gegenüber 2024 stark gesunken; damals lag er noch bei 29,1 %. Das macht die Unterrepräsentation von Frauen im Technologiesektor besonders sichtbar.
  • Fazit: Zypern hat sehr gut ausgebildete ICT-Fachkräfte, muss aber mehr Frauen für Technologieberufe gewinnen, um sein digitales Wachstum langfristig breiter und stärker aufzustellen.

Eurostat-Daten zeigen: 96,4 Prozent der ICT-gebildeten Beschäftigten auf Zypern haben einen Hochschulabschluss, aber Frauen sind im Sektor stark unterrepräsentiert

Zypern gehört in der Europäischen Union zu den Ländern mit dem höchsten Bildungsniveau unter Beschäftigten mit Hintergrund in Informations- und Kommunikationstechnologien. Nach am Freitag veröffentlichten Daten von Eurostat verfügten im Jahr 2025 insgesamt 96,4 Prozent der ICT-gebildeten Beschäftigten auf Zypern über einen Hochschulabschluss. Damit zählt das Land zu den Spitzenreitern innerhalb der Europäischen Union und liegt nur knapp hinter Dänemark und Frankreich.

Diese Zahl ist für Zypern wirtschafts- und bildungspolitisch bedeutsam. Sie zeigt, dass die Insel über ein hochqualifiziertes Fachkräftepotenzial im Bereich digitaler Technologien verfügt. Gerade in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, digitale Verwaltung, Fintech, Gaming, Softwareentwicklung, Datenanalyse und automatisierte Geschäftsprozesse immer wichtiger werden, ist ein hohes Bildungsniveau im ICT-Bereich ein strategischer Vorteil.

Gleichzeitig offenbaren die Daten eine deutliche Schwäche: Der Anteil von Frauen unter den ICT-gebildeten Beschäftigten ist auf Zypern sehr niedrig. Männer stellen 2025 insgesamt 85,1 Prozent dieser Beschäftigtengruppe, Frauen lediglich 14,9 Prozent. Im Jahr 2024 lagen die entsprechenden Werte noch bei 70,9 Prozent Männern und 29,1 Prozent Frauen. Damit zeigt sich nicht nur ein erheblicher Geschlechterunterschied, sondern auch eine deutliche Verschiebung gegenüber dem Vorjahr.

Zypern steht also vor einer doppelten Realität: Einerseits verfügt das Land über eine außergewöhnlich gut ausgebildete ICT-Arbeitnehmerschaft. Andererseits bleibt der Technologiesektor stark männlich geprägt. Wer die digitale Zukunft Zyperns gestalten will, muss deshalb nicht nur über Universitäten, Start-ups und Investitionen sprechen, sondern auch über Zugang, Chancengleichheit und die Frage, warum Frauen im ICT-Bereich deutlich unterrepräsentiert sind.

Zypern fast an der europäischen Spitze beim Hochschulniveau

Die Eurostat-Zahlen zeigen, dass 96,4 Prozent der ICT-gebildeten Beschäftigten auf Zypern einen tertiären Bildungsabschluss besitzen. Damit liegt Zypern in der EU-Spitzengruppe. Höhere Werte verzeichnen nur Dänemark mit 97,7 Prozent und Frankreich mit 96,6 Prozent. Hinter Zypern folgen unter anderem Irland mit 92,3 Prozent, Bulgarien mit 91,1 Prozent und Kroatien mit 90,9 Prozent.

Im EU-Durchschnitt verfügen 74,8 Prozent der ICT-gebildeten Beschäftigten über einen Hochschulabschluss. Die übrigen 25,2 Prozent haben eine obere Sekundarbildung oder postsekundäre nicht-tertiäre Ausbildung abgeschlossen. Zypern liegt damit deutlich über dem europäischen Durchschnitt.

Diese Position zeigt, dass der zypriotische ICT-Arbeitsmarkt stark akademisch geprägt ist. Wer in diesem Bereich arbeitet und eine entsprechende Ausbildung hat, bringt auf Zypern sehr häufig ein Universitätsstudium mit. Das kann mehrere Vorteile haben: hohe Fachkompetenz, bessere Anpassungsfähigkeit an komplexe technologische Entwicklungen, stärkere Forschungsnähe und bessere Voraussetzungen für Tätigkeiten in Softwareentwicklung, KI, Datenwissenschaft, Cybersicherheit und digitaler Transformation.

Gerade für einen kleinen Mitgliedstaat ist dies ein wertvoller Vorteil. Zypern kann nicht über Größe konkurrieren wie Deutschland, Frankreich oder Italien. Es muss über Spezialisierung, Qualität, Flexibilität und internationale Anschlussfähigkeit punkten. Ein hoher Anteil hochqualifizierter ICT-Beschäftigter unterstützt genau dieses Modell.

Der ICT-Sektor als strategisches Wachstumsfeld

Informations- und Kommunikationstechnologien sind längst kein isolierter Wirtschaftszweig mehr. Sie durchdringen nahezu alle Branchen: Banken, Versicherungen, Schifffahrt, Tourismus, Immobilien, Bildung, Gesundheit, öffentliche Verwaltung, Energie, Handel und Unternehmensdienstleistungen. Für Zypern ist der ICT-Sektor deshalb ein Schlüsselbereich für die künftige Wettbewerbsfähigkeit.

Die Insel hat in den vergangenen Jahren zunehmend internationale Technologieunternehmen, Softwarefirmen, Fintechs, Gaming-Unternehmen und digitale Dienstleister angezogen. Besonders Städte wie Limassol, Nikosia und Larnaka haben sich als Standorte für digitale Unternehmen entwickelt. Diese Entwicklung passt zur breiteren Strategie, Zypern nicht nur als Tourismus- und Dienstleistungsstandort, sondern auch als Innovations- und Technologiedrehscheibe im östlichen Mittelmeer zu positionieren.

Ein hoher Anteil akademisch qualifizierter ICT-Beschäftigter ist dafür ein starkes Argument. Unternehmen, die einen Standort wählen, achten nicht nur auf Steuern, Infrastruktur oder Lebensqualität. Sie fragen vor allem: Gibt es qualifizierte Fachkräfte? Gibt es Talente, die komplexe Projekte umsetzen können? Gibt es Universitäten, Forschungsnetzwerke und ein Umfeld, in dem digitale Geschäftsmodelle wachsen können?

Zypern kann hier mit seinen Eurostat-Werten selbstbewusst auftreten. 96,4 Prozent Hochschulanteil unter ICT-gebildeten Beschäftigten sind ein klarer Qualitätsindikator. Das ist kein kleines Detail in einer Statistik, sondern ein Standortsignal. Wer auf der Insel ein Technologieunternehmen aufbauen oder ausbauen will, findet ein vergleichsweise hochqualifiziertes Arbeitskräfteumfeld.

Hochqualifiziert – aber möglicherweise auch eng zugeschnitten

So positiv das hohe Bildungsniveau ist, es wirft auch Fragen auf. Wenn fast alle ICT-gebildeten Beschäftigten einen Hochschulabschluss besitzen, kann dies auf hohe Qualifikationsstandards hinweisen. Es kann aber auch bedeuten, dass alternative Bildungswege, berufliche Ausbildung, Quereinsteigerprogramme oder praxisorientierte technische Qualifikationen weniger stark genutzt werden.

In einigen Ländern gibt es im ICT-Bereich viele Fachkräfte, die nicht über klassische Universitätsabschlüsse verfügen, aber durch berufliche Ausbildung, Coding-Bootcamps, Zertifizierungen, praktische Erfahrung oder technische Spezialisierung sehr gut einsetzbar sind. Der digitale Sektor ist besonders offen für solche Wege, weil konkrete Fähigkeiten oft wichtiger sind als formale Titel.

Zypern könnte daher prüfen, ob der starke Fokus auf Hochschulbildung langfristig ergänzt werden sollte. Ein moderner ICT-Arbeitsmarkt braucht Softwareingenieure, Datenwissenschaftler und KI-Forscher, aber auch Systemadministratoren, Netzwerktechniker, Cybersecurity-Praktiker, Cloud-Spezialisten, technische Supportkräfte, UX-Designer, Datenanalysten und digitale Projektmanager. Nicht alle diese Rollen müssen zwingend über lange akademische Wege besetzt werden.

Ein breiterer Zugang könnte helfen, Fachkräftemangel zu reduzieren und mehr Menschen in digitale Berufe zu bringen. Gerade für Frauen, Berufsumsteiger, Menschen aus ländlichen Regionen oder ältere Arbeitnehmer könnten flexible Weiterbildungswege wichtig sein. Die beste digitale Zukunft entsteht nicht nur im Hörsaal, sondern auch in Laboren, Unternehmen, Online-Kursen, beruflichen Schulen und praktischen Projekten. Manchmal lernt man mehr aus einem sauber gelösten Serverproblem als aus drei PowerPoint-Folien über digitale Transformation.

Der große Gender-Gap im ICT-Bereich

Der deutlichste kritische Punkt der Eurostat-Daten ist die Geschlechterverteilung. Im Jahr 2025 sind 85,1 Prozent der ICT-gebildeten Beschäftigten auf Zypern Männer. Frauen machen nur 14,9 Prozent aus. Das ist ein sehr niedriger Anteil und weist auf ein starkes Ungleichgewicht hin.

Besonders auffällig ist die Veränderung gegenüber 2024. Damals lag der Anteil der Männer bei 70,9 Prozent und jener der Frauen bei 29,1 Prozent. Innerhalb eines Jahres hat sich der Frauenanteil in den genannten Daten also deutlich verringert. Eine solche Veränderung kann verschiedene Ursachen haben: statistische Effekte, Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur, Abwanderung oder Branchenwechsel, unterschiedliche Definitionen, neue Beschäftigungsgruppen oder tatsächliche Verschiebungen im Arbeitsmarkt.

Unabhängig von der genauen Ursache bleibt die Kernaussage klar: Frauen sind im ICT-Bereich auf Zypern stark unterrepräsentiert. Das ist nicht nur ein Gleichstellungsthema, sondern auch ein wirtschaftliches Problem. Ein Land, das digitale Fachkräfte braucht, kann es sich kaum leisten, einen großen Teil seines Talentpotenzials nicht ausreichend zu nutzen.

Vergleich mit anderen EU-Staaten

Auf EU-Ebene zeigen die Eurostat-Daten, dass Männer im ICT-Bereich generell dominieren. In mehreren Mitgliedstaaten ist der Männeranteil besonders hoch. Die höchsten Werte verzeichnen Tschechien mit 92,9 Prozent, Slowenien mit 89,1 Prozent, Lettland mit 89,0 Prozent, Litauen mit 88,9 Prozent und die Slowakei mit 88,4 Prozent.

Zypern liegt mit 85,1 Prozent Männeranteil ebenfalls in einem Bereich, der auf ein erhebliches Ungleichgewicht hinweist. Zwar gehört Zypern nicht zu den fünf Ländern mit den höchsten Männeranteilen, aber der Abstand ist nicht groß genug, um Entwarnung zu geben.

Bei Frauen in ICT-gebildeten Beschäftigungsgruppen schneiden andere Länder deutlich besser ab. Die höchsten Frauenanteile werden in Dänemark mit 30,0 Prozent, Schweden mit 29,8 Prozent, Rumänien mit 28,6 Prozent, Bulgarien mit 25,6 Prozent und Kroatien mit 25,2 Prozent verzeichnet. Selbst diese Werte zeigen, dass Frauen auch dort keine Mehrheit darstellen. Aber sie liegen deutlich über dem zypriotischen Wert von 14,9 Prozent.

Für Zypern bedeutet das: Der Abstand zu den besser abschneidenden Mitgliedstaaten ist erheblich. Wenn Dänemark und Schweden nahezu doppelt so hohe Frauenanteile erreichen, stellt sich die Frage, welche Bildungs-, Arbeitsmarkt- und Unternehmenskulturen dort andere Ergebnisse ermöglichen.

Warum Frauen im ICT-Sektor fehlen

Die Unterrepräsentation von Frauen im ICT-Bereich ist kein zypriotisches Einzelphänomen. Sie betrifft viele europäische Länder und beginnt oft lange vor dem Eintritt in den Arbeitsmarkt. Schon in Schule und Studium zeigen sich Unterschiede bei der Wahl technischer und digitaler Fächer. Stereotype über „typisch männliche“ und „typisch weibliche“ Berufe wirken weiterhin. Mädchen und junge Frauen erhalten häufig weniger Ermutigung, technische Laufbahnen einzuschlagen. Sichtbare weibliche Vorbilder in Technologieberufen fehlen oft.

Auch die Arbeitskultur im Technologiesektor kann eine Rolle spielen. Lange Arbeitszeiten, männlich dominierte Netzwerke, fehlende Vereinbarkeit, unbewusste Vorurteile bei Einstellung und Beförderung oder ein Mangel an Mentoring können Frauen abschrecken oder ihre Karrieren bremsen.

Zudem ist der ICT-Bereich sehr breit. Manche Frauen arbeiten möglicherweise in digitalen Rollen, werden aber statistisch nicht als ICT-gebildete Beschäftigte erfasst, wenn ihr Bildungsweg anders verlief. Andere sind in verwandten Bereichen wie Projektmanagement, digitalem Marketing, Produktentwicklung oder Datenanalyse tätig, ohne klassisch ICT-gebildet zu sein.

Trotzdem bleibt die Frage zentral: Wie kann Zypern mehr Frauen für ICT-Ausbildung und digitale Berufe gewinnen? Ohne gezielte Maßnahmen wird sich das Ungleichgewicht wahrscheinlich nur langsam verändern.

Bildung als Hebel für mehr Chancengleichheit

Der hohe Anteil tertiärer Bildung im zypriotischen ICT-Sektor zeigt, dass Hochschulen eine zentrale Rolle spielen. Genau dort könnten auch Lösungen ansetzen. Universitäten und Fachhochschulen können Mädchen und junge Frauen früher ansprechen, Studiengänge attraktiver gestalten, Mentoringprogramme anbieten, weibliche Vorbilder sichtbar machen und Kooperationen mit Schulen und Unternehmen ausbauen.

Wichtig ist, dass Technologie nicht nur als abstrakte Informatik dargestellt wird, sondern als Werkzeug zur Lösung realer Probleme: Gesundheit, Klimaschutz, Meeresforschung, Bildung, Energieeffizienz, soziale Innovation, Cybersicherheit oder Kulturvermittlung. Viele junge Menschen, insbesondere Frauen, interessieren sich stark für Berufe mit gesellschaftlichem Sinn. Wenn ICT als reines Programmieren im dunklen Raum präsentiert wird, verfehlt man viele Talente. Wenn man zeigt, dass digitale Technologien Leben verbessern können, wird der Zugang breiter.

Auch Schulen spielen eine Schlüsselrolle. Programmieren, Datenkompetenz, digitale Kreativität und technisches Denken sollten früh vermittelt werden – nicht als Nischenthemen für besonders technikaffine Jungen, sondern als Grundkompetenzen für alle. Mädchen brauchen Ermutigung, Erfolgserlebnisse und Vorbilder. Eltern und Lehrer müssen ebenfalls sensibilisiert werden, damit alte Rollenbilder nicht unbewusst weitergegeben werden.

Unternehmen müssen mehr tun

Auch Unternehmen tragen Verantwortung. Wenn Frauen im ICT-Sektor fehlen, liegt das nicht nur an Bildungsentscheidungen. Arbeitgeber können aktiv dazu beitragen, digitale Berufe für Frauen attraktiver zu machen.

Dazu gehören transparente Einstellungsprozesse, flexible Arbeitsmodelle, familienfreundliche Strukturen, Mentoring, klare Aufstiegspfade, Schutz vor Diskriminierung, Weiterbildungsmöglichkeiten und eine Unternehmenskultur, die Vielfalt nicht als Broschürenthema behandelt, sondern im Alltag lebt.

Gerade internationale Technologieunternehmen auf Zypern könnten hier eine Vorreiterrolle übernehmen. Sie verfügen oft über Erfahrung aus anderen Märkten und können Programme zur Förderung von Frauen in Tech-Berufen einführen. Auch lokale Unternehmen und Start-ups sollten das Thema ernst nehmen. Wer nur in einem kleinen Talentpool fischt, darf sich später nicht wundern, wenn der Fachkräftemangel anklopft wie ein Beamter mit Formularmappe.

Diversität ist nicht nur moralisch wünschenswert. Sie verbessert Teams, erweitert Perspektiven und kann Innovation fördern. Produkte, die von vielfältigeren Teams entwickelt werden, berücksichtigen eher unterschiedliche Nutzerbedürfnisse. In einer digitalen Wirtschaft ist das ein Wettbewerbsvorteil.

Bedeutung für künstliche Intelligenz und digitale Transformation

Der Gender-Gap im ICT-Sektor ist besonders relevant, weil die nächsten technologischen Entwicklungen tief in Gesellschaft und Wirtschaft eingreifen werden. Künstliche Intelligenz, algorithmische Systeme, automatisierte Entscheidungen und datengetriebene Dienstleistungen werden immer wichtiger. Wenn die Entwicklung dieser Systeme überwiegend von Männern geprägt wird, besteht das Risiko eingeschränkter Perspektiven.

KI-Systeme beeinflussen Bewerbungen, Kreditentscheidungen, medizinische Diagnosen, Bildung, öffentliche Verwaltung und Konsumentenverhalten. Deshalb ist es wichtig, dass die Menschen, die solche Systeme entwickeln, testen und kontrollieren, unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen einbringen.

Zypern möchte sich als moderner digitaler Standort positionieren. Dafür braucht es nicht nur hochqualifizierte Fachkräfte, sondern auch einen inklusiven digitalen Arbeitsmarkt. Ein Land, das bei ICT-Bildung in der Spitzengruppe liegt, sollte auch bei Teilhabe ambitioniert sein.

Der Standortvorteil: Qualität der Ausbildung

Trotz aller Kritik am Gender-Gap darf der positive Befund nicht unterschätzt werden. Der Wert von 96,4 Prozent tertiärer Bildung ist beeindruckend. Er zeigt, dass Zypern im ICT-Bereich über eine sehr gut ausgebildete Beschäftigtengruppe verfügt.

Für Investoren und Unternehmen ist das ein starkes Argument. Fachkräftemangel ist in Europa eines der größten Hindernisse für digitale Transformation. Wenn Zypern zeigen kann, dass sein ICT-Personal überdurchschnittlich qualifiziert ist, stärkt das den Standort. Besonders für Unternehmen in den Bereichen Software, Cybersecurity, Fintech, RegTech, KI, Datenanalyse und digitale Dienstleistungen kann dies relevant sein.

Zypern kann diese Stärke auch in seiner internationalen Standortvermarktung nutzen. Die Insel bietet nicht nur Sonne, Meer und angenehme Lebensqualität, sondern auch qualifizierte digitale Talente. Das ist eine Kombination, die für internationale Unternehmen durchaus reizvoll ist. Schließlich arbeitet es sich an einem gut ausgebildeten Code-Team bei mediterranem Licht etwas angenehmer als im grauen Großraumbüro mit Blick auf den Parkplatz.

Herausforderung: Fachkräfte halten und anziehen

Ein hohes Bildungsniveau allein reicht jedoch nicht. Zypern muss qualifizierte ICT-Fachkräfte auch im Land halten und zusätzliche Talente anziehen. Der Wettbewerb um digitale Fachkräfte ist international. Gut ausgebildete Menschen können in vielen Ländern arbeiten oder remote für ausländische Unternehmen tätig sein.

Zypern muss daher attraktive Arbeitsbedingungen bieten: gute Gehälter, spannende Projekte, moderne Unternehmen, Wohnqualität, internationale Schulen, effiziente Verwaltung, gute digitale Infrastruktur und klare Karrierechancen. Auch bezahlbarer Wohnraum spielt eine Rolle. Wenn Technologiezentren wachsen, aber Wohnkosten stark steigen, kann der Standort an Attraktivität verlieren.

Für lokale Absolventen ist entscheidend, ob sie in Zypern anspruchsvolle und gut bezahlte digitale Jobs finden. Wenn nicht, wandern Talente ab. Für internationale Fachkräfte zählt, ob Zypern ein professionelles und lebenswertes Umfeld bietet.

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Die Rolle der Politik

Die Politik kann mehrere Hebel nutzen, um die positive Entwicklung zu stärken und den Gender-Gap zu reduzieren. Dazu gehören Bildungsprogramme, steuerliche oder finanzielle Anreize für Weiterbildung, Förderprogramme für Frauen in Technologieberufen, Kooperationen zwischen Schulen, Universitäten und Unternehmen, Unterstützung von Start-ups, digitale Verwaltung und gezielte Fachkräftestrategien.

Auch Datenanalyse ist wichtig. Die starke Veränderung des Frauenanteils zwischen 2024 und 2025 sollte genauer betrachtet werden. Politische Maßnahmen brauchen ein klares Verständnis der Ursachen. Liegt der Rückgang an statistischen Änderungen, an Branchenbewegungen oder an realer Abwanderung? Welche Altersgruppen sind betroffen? In welchen ICT-Berufen fehlen Frauen besonders stark? Welche Bildungswege führen in Beschäftigung?

Ohne diese Details bleibt die Debatte zu allgemein. Gute Politik beginnt mit präzisen Fragen.

Zypern im europäischen Kontext

Im europäischen Vergleich zeigt sich ein gemischtes Bild. Die EU hat insgesamt einen hohen Anteil tertiärer Bildung unter ICT-gebildeten Beschäftigten, aber große Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten. Während Länder wie Dänemark, Frankreich und Zypern sehr hohe Hochschulanteile aufweisen, sind in Italien und Portugal deutlich mehr ICT-gebildete Beschäftigte ohne Universitätsabschluss tätig. In Italien haben 69,2 Prozent keinen Hochschulabschluss, in Portugal 58,8 Prozent.

Diese Unterschiede zeigen, dass es verschiedene Wege in den ICT-Arbeitsmarkt gibt. Einige Länder setzen stärker auf Hochschulbildung, andere auf berufliche oder praxisorientierte Qualifikation. Beide Modelle können funktionieren, wenn sie gut organisiert sind.

Zypern sollte seinen starken akademischen Ansatz beibehalten, aber ergänzen. Eine digitale Wirtschaft braucht Spitzenqualifikation und breite Praxisqualifikation. Universitäten, technische Schulen, Weiterbildungsträger und Unternehmen sollten gemeinsam ein flexibles Ökosystem schaffen.

Fazit: Zypern hat Talent – nun braucht es mehr Vielfalt

Die Eurostat-Daten zeichnen ein deutliches Bild. Zypern gehört bei der Hochschulbildung von ICT-gebildeten Beschäftigten zu den besten Ländern der Europäischen Union. Mit 96,4 Prozent tertiärem Bildungsabschluss liegt die Insel in der europäischen Spitzengruppe, nur knapp hinter Dänemark und Frankreich. Das ist ein starker Standortvorteil und ein positives Signal für Digitalisierung, Innovation und Investitionen.

Gleichzeitig ist der Gender-Gap im ICT-Sektor erheblich. Männer stellen 85,1 Prozent der ICT-gebildeten Beschäftigten, Frauen nur 14,9 Prozent. Dieser niedrige Frauenanteil ist eine Schwäche, die Zypern nicht ignorieren sollte. Ein moderner Technologiestandort kann es sich nicht leisten, große Teile seines Talentpotenzials ungenutzt zu lassen.

Die Aufgabe ist daher klar: Zypern muss sein hohes Bildungsniveau im ICT-Bereich als Stärke nutzen und zugleich den Zugang für Frauen deutlich verbessern. Schulen, Universitäten, Unternehmen und Politik müssen gemeinsam daran arbeiten, digitale Berufe attraktiver, zugänglicher und chancengerechter zu machen.

Wenn dies gelingt, kann Zypern seine Position als wachsender Technologie- und Innovationsstandort weiter ausbauen. Die Insel hat die akademische Qualität, die internationale Ausrichtung und die Lebensqualität, um digitale Talente anzuziehen. Nun braucht es mehr Breite und mehr Vielfalt.

Denn die digitale Zukunft sollte nicht von einem engen Kreis gestaltet werden. Sie braucht die besten Köpfe – unabhängig vom Geschlecht. Und wenn Zypern seinen ICT-Sektor so öffnet, dass mehr Frauen daran teilhaben, gewinnt nicht nur die Gleichstellung. Es gewinnt die gesamte Wirtschaft.

Quelle: CYPRUS NEWS AGENCY (CNA)

 
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