Ratspräsident Abukar Dahir Osman setzt auf Stabilität, Dialog und Deeskalation in Zypern
Die Verlängerung des Mandats der United Nations Peacekeeping Force in Cyprus (UNFICYP) dürfte nach Einschätzung des amtierenden Präsidenten des United Nations Security Council ohne größere Komplikationen erfolgen. Diese Einschätzung äußerte der Ständige Vertreter Somalias bei den Vereinten Nationen und Ratspräsident für den Monat Januar 2026, Abukar Dahir Osman, in Stellungnahmen gegenüber der Cyprus News Agency.
Seine Aussagen kommen zu einem politisch sensiblen Zeitpunkt: Zypern ist seit mehr als fünf Jahrzehnten geteilt, die UN-Friedensmission bleibt ein zentraler Stabilitätsfaktor – nicht nur militärisch, sondern auch diplomatisch.
1. „Ich sehe kein Problem“ – Zuversicht im Sicherheitsrat
Auf die Frage nach dem anstehenden Verlängerungsprozess erklärte Osman unmissverständlich:
„Ich glaube nicht, dass es dabei ein Problem geben wird.“
Der Sicherheitsrat unterstütze weiterhin geschlossen die Good Offices des UN-Generalsekretärs und bleibe einem Ansatz verpflichtet, der auf Dialog, Zurückhaltung und eine friedliche, verhandelte Lösung im Rahmen der Vereinten Nationen setzt.
Diese Aussage ist von Bedeutung, da Mandatsverlängerungen – selbst routinemäßige – im Sicherheitsrat stets von geopolitischen Abwägungen geprägt sind. Die klare Tonlage deutet jedoch auf breiten Konsens innerhalb des Gremiums hin.
2. UNFICYP als stabilisierender Faktor
Osman hob ausdrücklich die Rolle von UNFICYP hervor, die er als „stabilisierend“ bezeichnete. Seit 1964 trägt die Mission dazu bei, Spannungen zwischen den Konfliktparteien einzudämmen und Eskalationen zu verhindern.
Ein zentraler Punkt sei dabei die Wahrung des Status quo in der Pufferzone, insbesondere in sensiblen Bereichen wie innerstädtischen Abschnitten von Nikosia. Jede Veränderung vor Ort könne politische Signalwirkung entfalten – entsprechend hoch ist die Bedeutung von Zurückhaltung.
3. Deeskalation und vertrauensbildende Maßnahmen
Neben der militärischen Präsenz unterstrich der Ratspräsident die Notwendigkeit deeskalierender Initiativen. Dazu zählen insbesondere vertrauensbildende Maßnahmen (Confidence-Building Measures), die darauf abzielen, Spannungen abzubauen und ein Mindestmaß an Kooperation zu ermöglichen.
Solche Maßnahmen gelten seit Jahren als eines der wenigen Instrumente, mit denen auf praktischer Ebene Fortschritte erzielt werden können – auch dann, wenn formelle Verhandlungen stagnieren.
4. Rolle der Berichte des UN-Generalsekretärs
Mit Blick auf das weitere Verfahren im Sicherheitsrat betonte Osman, dass die Mitglieder die nächsten Schritte sorgfältig prüfen werden. Maßgeblich seien dabei die Berichte des UN-Generalsekretärs, die als Grundlage dienen, um zu entscheiden:
wie der Prozess fortgeführt wird
welche Anpassungen erforderlich sind
und wie der Sicherheitsrat konstruktiv zur Stabilisierung beitragen kann
Diese Berichte gelten als zentrales Instrument, um Lagebeurteilungen, operative Herausforderungen und politische Perspektiven zusammenzuführen.
5. Ziel des Sicherheitsrats: Bedingungen für Fortschritte schaffen
Der Sicherheitsrat verfolge weiterhin das Ziel, die Voraussetzungen für substantielle Fortschritte in der Zypernfrage zu stärken. Dies solle durch:
Förderung eines friedlichen Dialogs
Schaffung eines Umfelds, das für alle Parteien akzeptabel ist
und Vermeidung von Eskalationen
erreicht werden. Dabei bleibt die Rolle des Sicherheitsrats bewusst unterstützend – nicht ersetzend – für einen politischen Prozess, der letztlich von den Parteien selbst getragen werden muss.
6. Politischer Kontext: Ein ungelöster Konflikt seit 1974
Zypern ist seit 1974 geteilt, nachdem die Türkei den nördlichen Teil der Insel militärisch besetzt hat. Zahlreiche von den Vereinten Nationen moderierte Verhandlungsrunden blieben bislang ohne Ergebnis.
Die letzte umfassende Gesprächsrunde fand im Juli 2017 im Schweizer Ferienort Crans-Montana statt und endete ergebnislos. Seitdem befindet sich der politische Prozess in einer Phase begrenzter Bewegung – umso wichtiger wird die Rolle stabilisierender Mechanismen wie UNFICYP.
7. Somalia als Ratspräsident: Verfahrensverantwortung im Januar 2026
Die Aussagen Osmans erfolgten im Rahmen der Präsentation des Arbeitsprogramms des Sicherheitsrats für Januar 2026, einem Monat, in dem Somalia turnusgemäß den Vorsitz innehat.
Als Ratspräsident koordiniert Somalia die Tagesordnung, moderiert Debatten und trägt prozedurale Verantwortung – ohne dabei die inhaltliche Linie allein zu bestimmen. Die klare Wortwahl des Präsidenten ist daher auch als Signal der Verlässlichkeit an alle Beteiligten zu verstehen.
Schlussbetrachtung
Die Aussagen des Präsidenten des UN-Sicherheitsrats lassen wenig Raum für Zweifel: Die Verlängerung des UNFICYP-Mandats gilt als weitgehend unstrittig. In einem Konflikt, in dem politische Durchbrüche rar sind, ist Stabilität selbst bereits ein Erfolg.
Oder nüchtern formuliert: Solange der Frieden nicht verhandelt werden kann, muss er zumindest bewahrt werden. Genau dafür steht UNFICYP – und genau dafür signalisiert der Sicherheitsrat auch 2026 seine Unterstützung.
Quelle: Cyprus News Agency (CNA)
