Hybride Bedrohungen betreffen die gesamte EU

Hybride Bedrohungen betreffen die gesamte EU

  • Die litauische Europaabgeordnete Rasa Juknevičienė warnt, dass hybride Bedrohungen die gesamte EU betreffen und nicht nur Staaten nahe Russland.

  • Sie nennt als Beispiele für hybride Operationen Sabotage, Brandstiftung, Desinformation, Cyberangriffe, Signalstörungen, Drohnen, Sprengstoffe und Einflussnahme über Personen in Europa.

  • Besonders kritisch sieht sie den Informationsraum: soziale Medien, YouTube, Blogger und Fake-Accounts könnten genutzt werden, um gesellschaftliche Spannungen etwa bei Migration oder Ukraine-Unterstützung zu verstärken.

  • Mit Blick auf Zypern verwies sie auf das „Russian House“ und forderte, Strukturen russischen Einflusses innerhalb der EU genauer zu prüfen.

  • Juknevičienė fordert ein gemeinsames europäisches Lagebild, bessere Koordination zwischen Mitgliedstaaten und eine gemeinsame EU-Strategie gegenüber Russland, einschließlich weiterer Unterstützung für die Ukraine.

    Litauische Europaabgeordnete Rasa Juknevičienė fordert gemeinsame europäische Antwort auf Sabotage, Desinformation, Cyberangriffe und Angriffe auf kritische Infrastruktur

    Hybride Bedrohungen betreffen nach Einschätzung der litauischen Europaabgeordneten Rasa Juknevičienė nicht nur jene EU-Staaten, die geografisch nahe an Russland liegen. Vielmehr handele es sich um eine Herausforderung für die gesamte Europäische Union. Im Gespräch mit der Cyprus News Agency betonte Juknevičienė, dass Europa eine gemeinsame Antwort brauche, um seine territoriale Integrität, seine kritische Infrastruktur, seine demokratischen Prozesse und seine gesellschaftliche Widerstandskraft zu schützen.

    Juknevičienė gehört der Europäischen Volkspartei an und war früher Verteidigungsministerin Litauens. Im Europäischen Parlament war sie Berichterstatterin für den Bericht über hybride Kriegsführung und den Schutz der territorialen Integrität der EU sowie ihrer kritischen Sicherheits- und Verteidigungsinfrastruktur. Dieser Bericht wurde während der Plenarsitzung im September angenommen.

    Ihre zentrale Botschaft lautet: Hybride Bedrohungen sind kein regionales Randthema. Sie betreffen nicht nur die baltischen Staaten, Polen oder andere Länder an der östlichen Flanke Europas. Nach ihrer Einschätzung verfügt Russland über Fähigkeiten, die jede europäische Hauptstadt erreichen können. Deshalb sei die Frage nicht allein eine Angelegenheit regionaler Verteidigung, sondern eine Frage gemeinsamer europäischer Sicherheit.

    Auf die Frage, wie ernst die Bedrohung sei und ob Europa ausreichend vorbereitet sei, erklärte Juknevičienė, es könne keine hundertprozentige Vorbereitung geben. Die Umstände, Methoden und eingesetzten Mittel änderten sich ständig. Als Beispiel verwies sie auf die Entwicklung des Krieges in der Ukraine. Während zu Beginn viel Aufmerksamkeit auf klassische Kampfpanzer gerichtet gewesen sei, hätten sich die Schwerpunkte später stärker auf Drohnen, Luftverteidigung und Langstreckenwaffen verlagert.

    Diese Entwicklung zeige, wie dynamisch moderne Bedrohungslagen seien. Staaten müssten sich nicht nur auf bekannte Gefahren vorbereiten, sondern auch auf neue Methoden, neue Technologien und Grauzonenstrategien reagieren können.

    Keine europäische Hauptstadt ist automatisch sicher

    Juknevičienė sagte, die Botschaft von Militärvertretern aus NATO-Staaten laute, dass heute keine Hauptstadt in der EU sicher sei. Die Bedrohung sei in den Ländern an der östlichen Flanke sichtbarer, doch nach ihrer Einschätzung könnten russische Fähigkeiten jede europäische Hauptstadt erreichen.

    Diese Aussage ist bewusst weit gefasst. Sie soll deutlich machen, dass hybride Bedrohungen nicht nach klassischen Frontlinien funktionieren. Sie können dort auftreten, wo Gesellschaften verwundbar sind, wo Infrastrukturen wichtig sind, wo Desinformation Wirkung entfalten kann oder wo politische Spannungen ausgenutzt werden können.

    Hybride Bedrohungen können militärische, technische, politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und digitale Elemente verbinden. Sie können offen oder verdeckt stattfinden, staatlich oder über Mittelsmänner, durch Cyberangriffe, Desinformation, Sabotage, Druck auf Grenzen, Drohnenaktivitäten, Störungen von Kommunikationssignalen oder Angriffe auf kritische Infrastruktur.

    Genau diese Vielschichtigkeit macht sie schwer berechenbar.

    Von regionaler Verteidigung zu gemeinsamer europäischer Sicherheit

    Juknevičienė stellte klar, dass es nicht nur um regionale Verteidigung gehe. Es gehe um gemeinsame europäische Verteidigung. Sie verband das Thema direkt mit dem Schutz kritischer Infrastruktur und mit der Souveränität der Europäischen Union.

    Kritische Infrastruktur umfasst jene Systeme, die für das Funktionieren moderner Staaten unverzichtbar sind. Dazu gehören Energieversorgung, Kommunikationsnetze, Häfen, Flughäfen, Eisenbahnen, Datenleitungen, digitale Systeme, militärische Einrichtungen, Pipelines, LNG-Terminals, Regierungsnetze und andere zentrale Dienste.

    Wenn solche Infrastrukturen beschädigt, gestört oder manipuliert werden, können die Folgen weit über den unmittelbaren Ort des Angriffs hinausreichen. Ein Angriff auf eine Bahnstrecke, ein Kommunikationssystem oder eine Energieanlage kann Lieferketten, öffentliche Sicherheit, militärische Mobilität, Wirtschaft und Vertrauen in staatliche Handlungsfähigkeit beeinträchtigen.

    Deshalb sieht Juknevičienė die Bedrohung nicht isoliert. Sie fordert einen europäischen Blick auf einzelne Vorfälle, um Muster, Zusammenhänge und mögliche koordinierte Kampagnen erkennen zu können.

    Bewusstsein wächst, Bedrohung aber ebenfalls

    Die litauische Abgeordnete schätzt, dass die hybride Bedrohung zunimmt. Gleichzeitig wachse jedoch auch das Bewusstsein dafür. Diese doppelte Entwicklung ist entscheidend.

    Einerseits erkennen immer mehr europäische Staaten, dass einzelne Vorfälle nicht nur lokale Zwischenfälle sein müssen. Signalstörungen, Drohnensichtungen, Sabotageakte, Cyberangriffe oder Desinformationskampagnen können Teil größerer Strategien sein. Andererseits entwickeln sich die Methoden weiter, sodass Sicherheitsbehörden, Regierungen und Gesellschaften ständig nachrüsten müssen.

    Für Juknevičienė reicht es nicht aus, einzelne technische Abwehrmaßnahmen zu verbessern. Sie fordert ein anderes Verständnis der Bedrohung. Europa müsse diese Form der Konfrontation als umfassendes sicherheits- und demokratiepolitisches Problem begreifen.

    „Russian House“ und Strukturen russischen Einflusses

    Mit Blick auf Zypern argumentierte Juknevičienė, dass die europäische Reaktion auf hybride Bedrohungen auch eine genauere Prüfung von Strukturen russischen Einflusses innerhalb der EU umfassen müsse. Sie erwähnte ausdrücklich das „Russian House“ in Zypern und sagte, ähnliche Zentren seien weiterhin in mehreren europäischen Ländern und Städten aktiv.

    Juknevičienė verwies auf öffentliche Einschätzungen estnischer Nachrichtendienste, wonach solche Zentren von russischen Nachrichtendiensten genutzt werden könnten. Unter Bezug auf ihre Präsenz in Mitgliedstaaten wie Zypern und Belgien stellte sie die Frage, ob europäische Länder hybride Bedrohungen ernst genug nähmen.

    Diese Aussage ist als politische Einschätzung der Abgeordneten zu verstehen. Sie erhebt damit die Forderung, nicht nur auf klassische Sicherheitsvorfälle zu reagieren, sondern auch Netzwerke, Plattformen und Strukturen zu prüfen, über die Einfluss ausgeübt werden könnte.

    Für Zypern ist diese Debatte sensibel, weil das Land historisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich verschiedene internationale Verbindungen besitzt. Juknevičienės Hinweis zielt darauf ab, dass hybride Bedrohungen nicht immer sichtbar als Angriff auftreten, sondern auch über kulturelle, mediale oder gesellschaftliche Kanäle wirken können.

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Breites Spektrum hybrider Methoden

Juknevičienė beschrieb ein breites Spektrum möglicher hybrider Aktivitäten. Dazu zählte sie Sabotage, Brandstiftung, Desinformation, Cyberangriffe, Signalstörungen, Drohneneindringlinge, den Einsatz von Sprengstoffen und die Ausnutzung von Einzelpersonen auf europäischem Gebiet.

Diese Aufzählung zeigt, dass hybride Bedrohungen nicht auf einen einzelnen Bereich beschränkt sind. Sie können physische und digitale Mittel kombinieren. Ein Cyberangriff auf eine Behörde kann ebenso Teil einer hybriden Operation sein wie ein Brandanschlag, eine koordinierte Desinformationskampagne oder das Stören von Navigations- und Kommunikationssignalen.

Besonders schwierig ist, dass solche Aktivitäten oft unterhalb der Schwelle eines klassischen bewaffneten Angriffs bleiben. Genau diese Grauzone macht die Reaktion kompliziert. Staaten müssen handeln, ohne dass immer sofort klar ist, wer verantwortlich ist, wie die rechtliche Bewertung ausfällt oder welche Reaktion angemessen ist.

Soziale Medien, Blogger und Fake-Accounts

Ein besonderer Schwerpunkt in Juknevičienės Aussagen lag auf dem Informationsraum. Sie verwies auf soziale Medien, YouTube, Blogger und große Mengen gefälschter Konten. Solche Werkzeuge könnten genutzt werden, um gesellschaftliche Spannungen zu verstärken und öffentliche Debatten zu beeinflussen.

Als Beispiel nannte sie Themen wie Migration. In vielen europäischen Ländern ist Migration ein politisch sensibles Thema. Wenn externe Akteure versuchen, Emotionen zu verstärken, Misstrauen zu schüren oder falsche Informationen zu verbreiten, kann dies demokratische Debatten verzerren.

Die Herausforderung liegt darin, offene Gesellschaften zu schützen, ohne Meinungsfreiheit zu untergraben. Demokratien müssen Desinformation erkennen und bekämpfen, dürfen aber legitime politische Meinungsäußerung nicht pauschal unter Verdacht stellen. Genau hier zeigt sich die Komplexität hybrider Bedrohungen: Sie zielen oft auf die offene Struktur demokratischer Gesellschaften.

Politische Narrative und Einfluss auf öffentliche Debatten

Juknevičienė verwies auch auf politische Kräfte in Europa, die nach ihrer Einschätzung Narrative wiedergeben, die mit Positionen des Kremls übereinstimmen. Als Beispiel nannte sie Aussagen der deutschen AfD zu Russland und zur Unterstützung der Ukraine.

Auch diese Aussage ist eine politische Bewertung der Abgeordneten. Sie macht deutlich, dass hybride Bedrohungen aus ihrer Sicht nicht nur von außen wirken, sondern auch über politische Diskurse innerhalb europäischer Gesellschaften verstärkt werden können.

Dabei geht es nicht darum, jede abweichende Meinung als hybride Bedrohung zu bezeichnen. Entscheidend ist vielmehr die Frage, ob und wie externe Akteure gesellschaftliche Konflikte ausnutzen, verstärken oder gezielt beeinflussen.

EU muss Bedrohung anders wahrnehmen

Juknevičienė sagte, die EU müsse die Art und Weise ändern, wie sie diese spezielle Bedrohung wahrnimmt. Europa müsse sowohl konventionelle als auch andere Antwortinstrumente entwickeln.

Diese Aussage verweist auf ein Grundproblem: Hybride Bedrohungen passen oft nicht in traditionelle Sicherheitskategorien. Sie sind nicht vollständig Krieg, aber auch nicht bloßer Frieden. Sie sind nicht immer militärisch, aber oft sicherheitsrelevant. Sie sind nicht immer offen sichtbar, aber können strategische Wirkung entfalten.

Deshalb reichen klassische Verteidigungsinstrumente allein nicht aus. Europa braucht Cyberfähigkeiten, Informationsresilienz, Schutz kritischer Infrastruktur, nachrichtendienstliche Zusammenarbeit, rechtliche Instrumente, diplomatische Reaktionen, Sanktionen, Krisenkommunikation und gesellschaftliche Widerstandskraft.

Cyberspace als Bereich europäischer Stärke

Juknevičienė hob hervor, dass der Cyberspace ein Bereich sei, in dem Europa starke Fähigkeiten besitze. Ihrer Ansicht nach sollte die EU entschlossener auf russische Handlungen reagieren und nicht aus Angst vor weiterer Eskalation auf Handeln verzichten.

Diese Position betont Abschreckung und Handlungsfähigkeit. Wenn hybride Angriffe ohne klare Reaktion blieben, könnten sie aus Sicht der Abgeordneten zunehmen. Gleichzeitig ist die Frage der Reaktion politisch sensibel. Jede Antwort muss rechtlich, politisch und sicherheitspolitisch sorgfältig bewertet werden.

Die Debatte dreht sich daher um die Balance zwischen Entschlossenheit und Eskalationskontrolle. Juknevičienė legt den Schwerpunkt klar auf eine stärkere und entschlossenere europäische Reaktion.

Gemeinsames Lagebild der Mitgliedstaaten

Ein zentrales Anliegen der Abgeordneten ist ein gemeinsames Lagebild der Regierungen der Mitgliedstaaten. Sie beschrieb die aktuelle Situation als „Grey-Zone War“, also als Krieg in der Grauzone.

Damit meint sie eine Form der Konfrontation, die unterhalb jener Schwelle bleibt, die zur Aktivierung von Artikel 5 des NATO-Vertrags führen könnte. Artikel 5 ist der Bündnisfall der NATO. Hybride Operationen versuchen häufig, unterhalb dieser Schwelle zu bleiben und dennoch Schaden anzurichten, Unsicherheit zu erzeugen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.

Ein gemeinsames Lagebild wäre aus Juknevičienės Sicht wichtig, damit Vorfälle in verschiedenen Ländern nicht isoliert betrachtet werden. Nur wenn Informationen zusammengeführt werden, können Muster erkannt und Antworten koordiniert werden.

Angst als Ziel hybrider Aktivitäten

Juknevičienė betonte, dass hybride Aktivitäten auch darauf abzielen könnten, Angst in europäischen Gesellschaften zu erzeugen und Einstellungen gegenüber der Ukraine zu verändern.

Diese Aussage verweist auf die psychologische Dimension hybrider Bedrohungen. Es geht nicht nur darum, physische Schäden zu verursachen. Es geht auch darum, Unsicherheit zu schaffen, Vertrauen in Institutionen zu schwächen und die Bereitschaft zur Unterstützung der Ukraine zu beeinflussen.

In Demokratien spielt öffentliche Meinung eine wichtige Rolle. Wenn Bürgerinnen und Bürger verunsichert oder desinformiert werden, kann dies politische Entscheidungsprozesse beeinflussen. Deshalb betrachtet Juknevičienė hybride Bedrohungen auch als demokratisches Problem.

Wahlen als mögliches Ziel externer Einflussnahme

Die litauische Abgeordnete verwies auch auf die Möglichkeit der Einmischung in Wahlprozesse. Wahlen in Mitgliedstaaten seien ein Bereich, in dem versucht werde, externen Einfluss auszuüben.

Diese Warnung ist in Europa seit Jahren ein wichtiges Thema. Wahlprozesse können durch Desinformation, Cyberangriffe, Datenlecks, manipulierte Inhalte, finanzielle Einflussnahme oder koordinierte Kampagnen angegriffen werden.

Der Schutz von Wahlen ist daher nicht nur eine technische Aufgabe. Er betrifft Medienkompetenz, Parteienfinanzierung, Plattformregulierung, Cybersicherheit, Transparenz politischer Werbung und Vertrauen in demokratische Institutionen.

Litauens Erfahrungen mit Belarus und Russland

Juknevičienė verwies auch auf Erfahrungen Litauens. Sie berichtete von Vorfällen mit meteorologischen Ballons aus Belarus, die vor allem zum Schmuggel von Zigaretten genutzt worden seien. Nach Maßnahmen der litauischen Behörden seien solche Vorfälle zurückgegangen.

Dieses Beispiel zeigt, dass hybride oder grenznahe Herausforderungen nicht immer spektakulär beginnen. Auch scheinbar begrenzte Vorfälle können Sicherheitsbehörden beschäftigen, Grenzen testen oder Schwachstellen sichtbar machen.

Litauen hat aufgrund seiner geografischen Lage direkte Erfahrungen mit Druck aus Belarus und Russland. Diese Erfahrungen prägen Juknevičienės politische Einschätzung und ihre Forderung nach europäischer Koordination.

Migration als Instrumentalisierung

Seit 2021 steht Litauen nach Angaben Juknevičienės auch unter Migrationsdruck an der Grenze zu Belarus. Sie beschrieb dies als organisierte Instrumentalisierung von Migranten durch Belarus und Russland.

Litauen reagierte unter anderem mit dem Bau einer physischen Barriere entlang der Grenze. Die Migrationsströme seien zurückgegangen, sagte sie, doch diese Fähigkeit könne wieder aktiviert werden.

Dieses Thema ist besonders sensibel, weil es humanitäre, sicherheitspolitische und politische Dimensionen verbindet. Die Instrumentalisierung von Migranten bedeutet nach dieser Darstellung, dass Menschen gezielt als Druckmittel eingesetzt werden. Zugleich bleiben sie Personen mit eigenen Rechten und Schutzbedürfnissen. Eine europäische Antwort muss daher Sicherheit und menschenrechtliche Verpflichtungen miteinander verbinden.

Drohnen und mögliche „False Flag“-Operationen

Als noch ernster beschrieb Juknevičienė das Thema Drohnen. Sie verwies auf Informationen litauischer Behörden und Nachrichtendienste über die Möglichkeit sogenannter „False Flag“-Operationen.

Dabei könnte militärisches Gerät so eingesetzt werden, dass es ukrainisch erscheint. Dies würde es erschweren, unmittelbar zu erkennen, woher ein Angriff stammt. Solche Szenarien erhöhen die Gefahr von Fehlinterpretationen, Verzögerungen und politischer Unsicherheit.

Drohnen sind in modernen Konflikten zu einem zentralen Instrument geworden. Sie können aufklären, stören, angreifen oder psychologischen Druck erzeugen. Ihre vergleichsweise niedrigen Kosten und vielfältigen Einsatzmöglichkeiten machen sie auch für hybride Operationen relevant.

Schutz kritischer Infrastruktur in Litauen

Juknevičienė sprach auch über den Schutz kritischer Infrastruktur in Litauen. Sie verwies darauf, dass die Sicherheit des LNG-Terminals des Landes verstärkt wurde.

LNG-Terminals sind für Energieversorgung und Energiesicherheit wichtig. Wenn solche Anlagen gestört oder bedroht werden, kann dies wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen haben. Deshalb stehen sie im Mittelpunkt moderner Sicherheitsplanung.

Die Abgeordnete erwähnte außerdem Sorgen ihres Landes in Bezug auf Nuklearanlagen im benachbarten Belarus. Sie sprach auch über die Möglichkeit, dass Zivilschutz und Sicherheit sogar durch Vorfälle getestet werden könnten, die Evakuierungen erforderlich machen.

Europäische Koordination statt isolierter Betrachtung

Einer der wichtigsten Punkte in Juknevičienės Aussagen ist die Forderung nach besserer europäischer Koordination. Vorfälle in verschiedenen Ländern dürften nicht allein als isolierte Ereignisse untersucht werden.

Sie nannte Beispiele wie Signalstörungen, Vorfälle mit militärischen Mitteln, Versuche zur Beschädigung von Eisenbahninfrastruktur, Sprengstoffe und Drohnen in verschiedenen Staaten.

Wenn solche Ereignisse getrennt betrachtet werden, könnten größere Muster übersehen werden. Ein europäischer Mechanismus zur Zusammenführung von Informationen könnte helfen, ein Gesamtbild zu erstellen und koordinierte Reaktionen zu ermöglichen.

Mechanismen für ein europäisches Gesamtbild

Nach Ansicht Juknevičienės braucht die EU Mechanismen, die es ermöglichen, ein Gesamtbild zu entwickeln und die Koordination zwischen Mitgliedstaaten zu verbessern.

Ein solches System könnte Informationen aus nationalen Behörden, Nachrichtendiensten, Polizei, Militär, Cybersicherheitsstellen, EU-Institutionen und internationalen Partnern zusammenführen. Ziel wäre nicht nur schnelle Reaktion, sondern auch bessere Früherkennung.

Gerade bei hybriden Bedrohungen ist Geschwindigkeit wichtig. Wenn ein Land einen Vorfall meldet, könnten andere Länder prüfen, ob ähnliche Aktivitäten bei ihnen stattfinden. So ließen sich Muster früher erkennen.

Georgien und sein europäischer Kurs

Als Mitglied des EU-Georgien Parlamentarischen Assoziationsausschusses wurde Juknevičienė auch zu Entwicklungen in Georgien befragt. Sie sagte, die derzeitige politische Führung entferne sich vom europäischen Weg, während die georgische Gesellschaft proeuropäisch sei.

Sie verwies auf Demonstrationen, die Inhaftierung von Oppositionspolitikern und Journalisten sowie die entsprechenden Debatten im Europäischen Parlament.

Juknevičienė verband diese Entwicklungen mit russischem Einfluss in der Region. Die EU müsse ihrer Ansicht nach weiterhin proeuropäische Kräfte und die Zivilgesellschaft unterstützen. Sie verwies außerdem darauf, dass die Visafreiheit an die Erfüllung bestimmter Kriterien durch Georgien gebunden sei.

Auch hier wird deutlich, dass sie hybride Bedrohungen und russischen Einfluss nicht nur innerhalb der EU betrachtet, sondern in einem breiteren regionalen Kontext.

Gemeinsame Strategie gegenüber Russland

Zum Abschluss argumentierte Juknevičienė, Europa brauche eine gemeinsame Strategie gegenüber Russland. Aus ihrer Sicht ist der Krieg in der Ukraine direkt mit Europas künftiger Sicherheit verbunden. Die europäische Unterstützung für die Ukraine müsse fortgesetzt werden.

Diese Aussage fasst ihre sicherheitspolitische Perspektive zusammen. Die Verteidigung der Ukraine wird nicht als isolierter Konflikt verstanden, sondern als Teil der europäischen Sicherheitsordnung. Hybride Bedrohungen, kritische Infrastruktur, Desinformation, Wahlbeeinflussung, Migration als Druckmittel und regionale Entwicklungen werden in diesem Rahmen als zusammenhängende Herausforderungen betrachtet.

Bedeutung für Zypern

Für Zypern ist die Debatte aus mehreren Gründen relevant. Erstens betont Juknevičienė ausdrücklich, dass hybride Bedrohungen nicht nur Länder nahe Russland betreffen. Auch ein Inselstaat im östlichen Mittelmeer kann Teil eines europäischen Bedrohungsraums sein.

Zweitens erwähnt sie das „Russian House“ in Zypern im Zusammenhang mit Strukturen russischen Einflusses. Drittens ist Zypern als EU-Mitgliedstaat in die gemeinsame europäische Debatte über kritische Infrastruktur, Desinformation, Cybersicherheit, Schutz demokratischer Prozesse und strategische Souveränität eingebunden.

Zypern liegt zudem in einer geopolitisch sensiblen Region. Energie, Häfen, Kommunikationsinfrastruktur, Finanzdienstleistungen, digitale Systeme und gesellschaftliche Debatten können in einer hybriden Bedrohungslage eine Rolle spielen. Die Aussagen der litauischen Abgeordneten richten sich daher auch an Staaten, die sich geografisch vielleicht nicht als Frontstaaten verstehen, aber dennoch Teil des europäischen Sicherheitsraums sind.

Keine absolute Sicherheit, aber bessere Vorbereitung

Juknevičienės Hinweis, es könne keine hundertprozentige Vorbereitung geben, ist realistisch. Moderne hybride Bedrohungen verändern sich ständig. Neue Technologien, neue Methoden und neue politische Umstände sorgen dafür, dass Staaten nie vollständig vorbereitet sein können.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Vorbereitung sinnlos ist. Im Gegenteil: Je dynamischer die Bedrohung, desto wichtiger sind Anpassungsfähigkeit, Koordination, Resilienz und schnelle Lagebewertung.

Europa muss nach dieser Logik weniger nach einem perfekten Schutzschild suchen, sondern nach Strukturen, die lernen, reagieren, koordinieren und abschrecken können.

Überblick über die wichtigsten Punkte

Rasa Juknevičienė sagte gegenüber CNA, hybride Bedrohungen beträfen die gesamte EU und nicht nur Länder nahe Russland.

Sie war Berichterstatterin für den Bericht des Europäischen Parlaments über hybride Kriegsführung und den Schutz der territorialen Integrität der EU sowie kritischer Sicherheits- und Verteidigungsinfrastruktur.

Nach ihrer Einschätzung gibt es keine hundertprozentige Vorbereitung, weil sich Methoden, Mittel und Umstände ständig verändern.

Sie nannte ein breites Spektrum möglicher hybrider Aktivitäten: Sabotage, Brandstiftung, Desinformation, Cyberangriffe, Signalstörungen, Drohnen, Sprengstoffe und die Ausnutzung von Personen auf europäischem Gebiet.

Mit Blick auf Zypern verwies sie auf das „Russian House“ und argumentierte, Europa müsse Strukturen russischen Einflusses genauer prüfen.

Sie betonte die Rolle sozialer Medien, YouTube, Bloggern und Fake-Accounts bei der Verstärkung gesellschaftlicher Spannungen.

Litauen habe Erfahrungen mit Migrationsdruck an der Grenze zu Belarus, meteorologischen Ballons und verstärktem Schutz kritischer Infrastruktur gemacht.

Juknevičienė fordert bessere europäische Koordination, damit Vorfälle in verschiedenen Ländern nicht isoliert betrachtet werden.

Sie sieht die aktuelle Lage als „Grey-Zone War“, in dem Russland aus ihrer Sicht unterhalb der Schwelle einer möglichen NATO-Artikel-5-Aktivierung agiert.

Zum Abschluss forderte sie eine gemeinsame europäische Strategie gegenüber Russland und fortgesetzte Unterstützung für die Ukraine.

Fazit: Hybride Bedrohungen verlangen eine europäische Antwort

Die Aussagen von Rasa Juknevičienė machen deutlich, dass hybride Bedrohungen in Europa nicht mehr als Randphänomen oder als Problem einzelner Grenzstaaten betrachtet werden können. Nach Einschätzung der litauischen Europaabgeordneten betrifft die Herausforderung die gesamte Europäische Union.

Die Bedrohung ist vielschichtig. Sie kann Sabotage, Desinformation, Cyberangriffe, Signalstörungen, Drohnenaktivitäten, Sprengstoff, Brandstiftung, Einflussoperationen, Migration als Druckmittel und Angriffe auf kritische Infrastruktur umfassen. Gerade weil diese Aktivitäten häufig unterhalb der Schwelle eines klassischen bewaffneten Angriffs bleiben, sind sie schwer zu bewerten und schwer zu beantworten.

Juknevičienė fordert daher ein gemeinsames europäisches Lagebild, bessere Koordination zwischen Mitgliedstaaten und eine veränderte Wahrnehmung der Bedrohung. Vorfälle in einzelnen Ländern dürften nicht isoliert betrachtet werden, wenn sie Teil eines größeren Musters sein könnten.

Auch für Zypern hat diese Debatte Bedeutung. Die Abgeordnete erwähnte das „Russian House“ in Zypern und stellte die Frage, ob europäische Staaten Strukturen russischen Einflusses ausreichend ernst nehmen. Gleichzeitig macht ihre Argumentation deutlich, dass hybride Bedrohungen nicht nur dort relevant sind, wo Staaten direkt an Russland oder Belarus grenzen.

Europa steht nach dieser Analyse vor einer doppelten Aufgabe: Es muss kritische Infrastruktur, demokratische Prozesse, Informationsräume und Gesellschaften schützen. Zugleich muss es eine gemeinsame Strategie gegenüber Russland entwickeln und die Unterstützung für die Ukraine als Teil der eigenen Sicherheitsinteressen begreifen.

Die zentrale Botschaft lautet: Hybride Bedrohungen sind europäische Bedrohungen. Sie erfordern nicht nur nationale Gegenmaßnahmen, sondern eine koordinierte, entschlossene und langfristige Antwort der gesamten Europäischen Union.

Quelle CYPRUS NEWS AGENCY (CNA)

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