Neue Daten des zypriotischen Statistikdienstes zeigen deutliche Dynamik im Immobiliensektor
Der zypriotische Immobilien- und Bausektor ist mit deutlicher Dynamik in das Jahr 2026 gestartet. Nach Angaben des zypriotischen Statistikdienstes wurden im Januar 2026 insgesamt 789 Baugenehmigungen erteilt. Im Vergleich zum Januar 2025, als 446 Genehmigungen registriert wurden, entspricht dies einem Anstieg von 76,9 Prozent. Noch deutlicher wird die Entwicklung beim erwarteten Wohnungsbau: Die erteilten Genehmigungen sollen zur Errichtung von 1.755 Wohneinheiten führen. Im entsprechenden Vorjahresmonat waren es 838 Einheiten. Damit hat sich die Zahl der geplanten Wohneinheiten mehr als verdoppelt.
Auch bei Wert und Fläche zeigt sich ein kräftiger Zuwachs. Der Gesamtwert der genehmigten Bauprojekte erreichte im Januar 2026 rund 445,2 Millionen Euro. Die gesamte genehmigte Geschossfläche belief sich auf 346.700 Quadratmeter. Gegenüber Januar 2025 stieg der Gesamtwert der Genehmigungen um 92,9 Prozent, während die genehmigte Fläche um 82,5 Prozent zunahm.
Diese Zahlen sind mehr als eine technische Statistik aus der Bauverwaltung. Sie zeigen, dass der zypriotische Immobilienmarkt weiterhin erhebliche Aktivität entfaltet. Sie verweisen auf anhaltende Nachfrage, starke Projektentwicklung und ein wachsendes Interesse an Wohnraum. Gleichzeitig werfen sie wichtige Fragen auf: Wird das zusätzliche Angebot helfen, die angespannte Wohnraumsituation zu entschärfen? Entstehen die richtigen Wohnungen in den richtigen Lagen? Und wie nachhaltig ist die Bauentwicklung in einem Markt, der von internationaler Nachfrage, steigenden Preisen und regionalen Unterschieden geprägt ist?
Ein außergewöhnlich starker Jahresauftakt
Ein Anstieg der Baugenehmigungen um 76,9 Prozent innerhalb eines Jahres ist erheblich. Besonders auffällig ist, dass nicht nur die Zahl der Genehmigungen zugenommen hat, sondern auch der Wert, die Fläche und die geplante Zahl der Wohneinheiten. Das deutet darauf hin, dass der Januar 2026 nicht nur von vielen kleineren Projekten geprägt war, sondern auch von größeren und wertintensiveren Vorhaben.
Die mehr als Verdoppelung der geplanten Wohneinheiten ist dabei besonders relevant. Während 838 Einheiten im Januar 2025 bereits eine solide Aktivität signalisierten, markieren 1.755 geplante Wohneinheiten im Januar 2026 einen deutlichen Sprung. Für einen kleinen Markt wie Zypern ist diese Entwicklung bemerkenswert.
Sie zeigt, dass Projektentwickler, Investoren und Bauherren weiterhin Vertrauen in den Markt haben. Trotz internationaler Unsicherheiten, geopolitischer Spannungen, hoher Baukosten und wachsender Debatten über Bezahlbarkeit bleibt der Bau- und Immobiliensektor auf der Insel aktiv. Das ist ein starkes Signal für die Gesamtwirtschaft, denn die Bauwirtschaft ist auf Zypern traditionell ein wichtiger Treiber von Beschäftigung, Investitionen und regionaler Entwicklung.
Gleichzeitig sollte man solche Zahlen mit einer gewissen analytischen Ruhe betrachten. Baugenehmigungen sind ein Frühindikator, aber sie sind noch keine fertiggestellten Wohnungen. Zwischen Genehmigung und tatsächlicher Fertigstellung können Verzögerungen, Kostensteigerungen, Finanzierungsfragen oder Marktveränderungen liegen. Dennoch zeigen Genehmigungen, was geplant ist – und welche Erwartungen die Marktteilnehmer an die Zukunft haben.
Wohnungsbau im Fokus: 1.755 geplante Einheiten
Die erteilten Genehmigungen im Januar 2026 sollen zur Errichtung von 1.755 Wohneinheiten führen. Die Struktur dieser geplanten Einheiten ist besonders aufschlussreich. Vorgesehen sind 329 Einfamilienhäuser, 121 Gebäude mit jeweils zwei Wohneinheiten, 1.248 Wohn-Apartmentgebäude sowie 57 gemischt genutzte Wohn- und Geschäftsapartmentgebäude.
Diese Verteilung zeigt eine klare Dominanz des verdichteten Wohnungsbaus. Während Einfamilienhäuser weiterhin eine wichtige Rolle spielen, liegt der Schwerpunkt offensichtlich auf Apartmentprojekten. Das entspricht der Entwicklung vieler zypriotischer Städte und Wachstumsregionen. In Nikosia, Limassol, Larnaka und Paphos steigt der Bedarf an Wohnungen, insbesondere in urbanen oder stadtnahen Lagen. Apartments sind flächeneffizienter, besser für Verdichtung geeignet und oft attraktiver für Investoren, Mieter, junge Berufstätige und internationale Käufer.
Die hohe Zahl von 1.248 Wohn-Apartmentgebäuden beziehungsweise entsprechenden Einheiten zeigt, dass der Markt zunehmend auf kompaktere Wohnformen setzt. Das ist angesichts steigender Grundstückspreise und wachsender Nachfrage nachvollziehbar. In zentralen Lagen ist der Bau von Einfamilienhäusern oft wirtschaftlich weniger sinnvoll. Apartments erlauben eine bessere Nutzung der verfügbaren Fläche und können, richtig geplant, mehr Menschen Zugang zu Wohnraum verschaffen.
Allerdings kommt es dabei stark auf die Art der Projekte an. Werden hauptsächlich hochwertige Eigentumswohnungen für internationale Käufer gebaut, hilft dies der breiten lokalen Wohnraumversorgung nur begrenzt. Entstehen dagegen auch mittelpreisige Miet- und Eigentumswohnungen, kann das zusätzliche Angebot zur Entspannung des Marktes beitragen. Die reine Zahl der Wohneinheiten ist daher wichtig, aber nicht ausreichend. Entscheidend sind Lage, Preisniveau, Größe, Ausstattung und Zielgruppe.
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Mehr InformationenBaugenehmigungen als Frühindikator für Marktvertrauen
Baugenehmigungen gelten als wichtiger Frühindikator für die Entwicklung der Bauwirtschaft. Wer eine Genehmigung beantragt und erhält, plant in der Regel ein konkretes Projekt. Der deutliche Anstieg im Januar 2026 spricht daher für ein weiterhin robustes Vertrauen in die Nachfrage nach Immobilien auf Zypern.
Dieses Vertrauen speist sich aus mehreren Faktoren. Zypern verzeichnete in den vergangenen Jahren eine positive wirtschaftliche Entwicklung, steigende internationale Aufmerksamkeit, wachsende Unternehmensansiedlungen, eine starke Dienstleistungswirtschaft und eine weiterhin bedeutende touristische Nachfrage. Hinzu kommt die Attraktivität des Landes als Wohn- und Investitionsstandort für EU-Bürger, Unternehmer, Rentner, digitale Fachkräfte und internationale Familien.
Der Immobilienmarkt profitiert von dieser Mischung. Wohnraum wird nicht nur von Einheimischen nachgefragt, sondern auch von ausländischen Käufern, Mietern, Unternehmen und Investoren. Besonders Küstenregionen und urbane Zentren erleben dadurch zusätzliche Nachfrage. Genau diese Nachfrage kann Projektentwickler ermutigen, neue Vorhaben auf den Weg zu bringen.
Gleichzeitig ist der starke Anstieg der Genehmigungen auch eine Reaktion auf bestehende Engpässe. Wenn Wohnraum knapp und teuer wird, erhöht sich der Anreiz, neues Angebot zu schaffen. Der Markt reagiert also auf Nachfrage. Die entscheidende Frage ist, ob er schnell genug, zielgerichtet genug und sozial ausgewogen genug reagiert.
Gesamtwert von 445,2 Millionen Euro: Bauwirtschaft als Kapitalmagnet
Der Gesamtwert der im Januar 2026 erteilten Genehmigungen erreichte 445,2 Millionen Euro. Gegenüber Januar 2025 entspricht dies einem Anstieg um 92,9 Prozent. Dieser Zuwachs liegt sogar noch über dem Wachstum der Zahl der Genehmigungen. Das deutet darauf hin, dass die genehmigten Projekte im Durchschnitt wertintensiver geworden sind.
Mehrere Faktoren können diese Entwicklung erklären. Erstens könnten größere Projekte genehmigt worden sein. Zweitens können gestiegene Baukosten den Gesamtwert erhöhen. Drittens kann eine Verschiebung hin zu höherwertigen Projekten eine Rolle spielen. Viertens können Grundstücks- und Entwicklungskosten in begehrten Lagen stark ins Gewicht fallen.
Für die Bauwirtschaft bedeutet ein Genehmigungswert von 445,2 Millionen Euro erhebliche potenzielle Aktivität. Bauunternehmen, Architekten, Ingenieure, Handwerker, Lieferanten, Projektmanager, Finanzierungspartner und Dienstleister können von dieser Projektpipeline profitieren. Die Bauwirtschaft hat starke Multiplikatoreffekte: Wenn gebaut wird, entstehen Aufträge entlang zahlreicher Wertschöpfungsketten.
Gleichzeitig ist der starke Wertanstieg auch ein Hinweis auf die Kostenrealität. Höhere Bauwerte bedeuten nicht automatisch höhere reale Bautätigkeit, wenn ein Teil des Anstiegs auf Preissteigerungen entfällt. Materialien, Energie, Finanzierung und Arbeitskräfte sind in vielen europäischen Märkten teurer geworden. Auch Zypern bleibt davon nicht unberührt. Der Immobiliensektor wächst also nicht in einem kostenfreien mediterranen Paradies – auch wenn die Sonne dabei etwas freundlicher scheint als in einem deutschen Bauamt im November.
Genehmigte Fläche steigt um 82,5 Prozent
Die genehmigte Geschossfläche stieg im Januar 2026 auf 346.700 Quadratmeter. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Plus von 82,5 Prozent. Auch diese Zahl bestätigt die starke Dynamik. Es werden nicht nur mehr Genehmigungen erteilt, sondern auch deutlich mehr Fläche geplant.
Die Fläche ist für die Analyse besonders wichtig, weil sie Rückschlüsse auf Projektgröße und Bautätigkeit zulässt. Wenn die Zahl der Genehmigungen steigt, kann dies theoretisch auch durch viele kleine Projekte verursacht werden. Der starke Flächenanstieg zeigt jedoch, dass das Bauvolumen insgesamt deutlich zunimmt.
Für die Stadt- und Regionalentwicklung ist das relevant. Neue Fläche bedeutet neue Belastungen und Chancen: mehr Wohnraum, aber auch Bedarf an Infrastruktur, Verkehrsanbindung, Wasser, Strom, Abwasser, Schulen, Gesundheitsdiensten und öffentlichen Räumen. Gerade Zypern muss bei starker Bautätigkeit darauf achten, dass Entwicklung nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ erfolgt.
Mehr Geschossfläche kann dazu beitragen, die Nachfrage zu bedienen. Wenn sie jedoch ohne ausreichende Planung entsteht, können Verkehrsprobleme, überlastete Infrastruktur oder städtebauliche Spannungen folgen. Gute Immobilienentwicklung endet nicht an der Grundstücksgrenze. Sie muss in die Umgebung passen.
Warum der Anstieg für den Wohnungsmarkt wichtig ist
Zypern steht, wie viele europäische Länder, vor einer wachsenden Wohnungsfrage. In mehreren Städten und Küstenregionen sind Preise und Mieten spürbar gestiegen. Internationale Nachfrage, Tourismus, Kurzzeitvermietungen, Zuzug und wirtschaftliches Wachstum erhöhen den Druck. Gleichzeitig benötigen junge Familien, Arbeitnehmer, Studierende und Einheimische bezahlbaren Wohnraum.
Ein starker Anstieg der geplanten Wohneinheiten kann daher grundsätzlich positiv sein. Mehr Angebot ist eine notwendige Voraussetzung, um Druck vom Markt zu nehmen. Wenn zu wenig gebaut wird, steigen Preise fast zwangsläufig, sofern die Nachfrage hoch bleibt. Neue Wohnungen können helfen, Engpässe zu reduzieren und den Markt breiter aufzustellen.
Allerdings hängt die tatsächliche Wirkung vom Segment ab. Wenn vor allem Luxuswohnungen, Ferienapartments oder renditeorientierte Projekte entstehen, bleibt die Entlastung für die breite Bevölkerung begrenzt. Wenn hingegen auch kleinere, funktionale, preislich erreichbare Wohnungen entstehen, kann der Effekt deutlich stärker sein.
Deshalb ist die Entwicklung der Baugenehmigungen ein positives Signal, aber keine automatische Lösung der Wohnungsfrage. Der Staat, die Kommunen und die Branche müssen darauf achten, dass neuer Wohnraum auch sozial relevant ist. Mehr Angebot ist gut. Das richtige Angebot ist besser.
Apartmentbau und Urbanisierung
Die starke Zahl geplanter Apartmentprojekte spiegelt eine fortschreitende Urbanisierung und Verdichtung wider. In Zypern wachsen vor allem die urbanen Zentren und attraktiven Küstenregionen. Apartments sind dort die naheliegende Antwort auf begrenzte Flächen und hohe Nachfrage.
Verdichtung kann Vorteile haben. Sie ermöglicht effizientere Nutzung von Land, kürzere Wege, bessere Auslastung von Infrastruktur und lebendigere Stadtviertel. Wenn sie gut geplant ist, kann sie nachhaltiger sein als ausgedehnte Zersiedelung. Besonders in einem Inselstaat mit begrenzter Fläche ist kompakter Wohnungsbau sinnvoll.
Gleichzeitig muss Verdichtung qualitätsvoll erfolgen. Hohe Dichte ohne Grünflächen, Parkraumkonzepte, öffentliche Verkehrsanbindung, soziale Infrastruktur und architektonische Qualität kann die Lebensqualität beeinträchtigen. Es reicht nicht, Wohnungen übereinanderzustapeln und dann auf mediterrane Gelassenheit zu hoffen. Auch auf Zypern braucht gutes Wohnen Licht, Luft, Schatten, Infrastruktur und vernünftige Planung.
Die wachsende Bedeutung von Apartmentprojekten sollte daher von städtebaulichen Konzepten begleitet werden. Städte wie Limassol, Nikosia, Larnaka und Paphos müssen definieren, wo Verdichtung sinnvoll ist, welche Bauhöhen und Nutzungen passen und wie neue Quartiere lebenswert gestaltet werden können.
Einfamilienhäuser bleiben relevant
Trotz der Dominanz von Apartments zeigen die 329 geplanten Einfamilienhäuser, dass individuelle Wohnformen weiterhin gefragt sind. Viele Familien bevorzugen ein eigenes Haus mit Garten, besonders in Vororten, Dörfern oder ruhigeren Lagen. Auch ausländische Käufer suchen häufig Villen oder freistehende Häuser, insbesondere in Paphos, Limassol, Larnaka oder in Küstennähe.
Einfamilienhäuser haben jedoch einen höheren Flächenverbrauch. In Zeiten steigender Grundstückspreise, Klimaanpassung und Infrastrukturbedarf muss sorgfältig abgewogen werden, wo solche Projekte sinnvoll sind. In ländlichen Regionen können sie zur Belebung beitragen. In stark verdichteten oder infrastrukturell belasteten Zonen können sie weniger effizient sein.
Die Nachfrage nach Einfamilienhäusern zeigt zugleich, dass der zypriotische Wohnungsmarkt vielfältig bleibt. Es gibt nicht den einen Wohnbedarf. Junge Singles, Familien, Rentner, internationale Unternehmer, Studenten, Saisonarbeitskräfte und lokale Arbeitnehmer haben unterschiedliche Anforderungen. Eine gesunde Wohnungsentwicklung muss diese Vielfalt abbilden.
Gemischt genutzte Wohn- und Geschäftsgebäude
Die geplanten 57 Wohn- und Geschäftsapartmentgebäude sind ebenfalls interessant. Sie verweisen auf eine Nutzungsmischung, die in modernen Stadtentwicklungsstrategien zunehmend wichtig wird. Wohnen und Arbeiten, Dienstleistungen, kleine Geschäfte oder Büros können in gemischten Projekten kombiniert werden.
Solche Entwicklungen können lebendige Stadtviertel fördern. Wenn Erdgeschosse für Geschäfte, Cafés, Dienstleistungen oder Büros genutzt werden und darüber Wohnungen entstehen, entstehen urbane Strukturen mit kurzen Wegen. Das kann die Lebensqualität erhöhen und Verkehr reduzieren.
Gerade in zypriotischen Städten, in denen das Auto lange eine dominante Rolle gespielt hat, kann Nutzungsmischung ein wichtiger Schritt zu lebendigeren, besser verbundenen Quartieren sein. Allerdings muss auch hier sorgfältig geplant werden. Gemischt genutzte Gebäude brauchen Park- und Verkehrskonzepte, Lärmschutz, gute Gestaltung und klare Nutzungsregeln.
Chancen für Investoren
Für Investoren senden die Zahlen ein klares Signal: Der zypriotische Immobilienmarkt bleibt aktiv. Die hohe Zahl der Genehmigungen und der starke Wertanstieg deuten auf eine große Projektpipeline hin. Das kann Chancen in verschiedenen Bereichen schaffen: Entwicklung, Finanzierung, Bau, Vermietung, Verkauf, Immobilienverwaltung und Dienstleistungen.
Besonders interessant ist die Frage, welche Segmente in den kommenden Jahren nachgefragt werden. Neben hochwertigen Projekten könnten mittelpreisige Wohnungen, energieeffiziente Gebäude, Langzeitmietwohnungen, studentisches Wohnen, seniorengerechte Wohnformen und gemischt genutzte Projekte an Bedeutung gewinnen. Auch nachhaltiges Bauen dürfte stärker in den Fokus rücken.
Investoren sollten jedoch nicht nur auf Wachstum schauen, sondern auch auf Standortqualität, Zielgruppe und regulatorische Entwicklungen. Der Markt wird differenzierter. Nicht jede Lage entwickelt sich gleich. Nicht jedes Projekt findet automatisch Käufer oder Mieter. Wer langfristig erfolgreich sein will, muss Nachfrage, Preisniveau, Infrastruktur, rechtliche Rahmenbedingungen und Bauträgerqualität sorgfältig prüfen.
Zypern bleibt attraktiv, aber der Markt ist professioneller geworden. Das ist gut. Denn ein reifer Markt braucht nicht nur Optimismus, sondern auch Analyse.
Risiken und offene Fragen
So positiv die Zahlen erscheinen, sie werfen auch Fragen auf. Erstens: Wie viele der genehmigten Projekte werden tatsächlich zeitnah umgesetzt? Zweitens: Können Bauunternehmen und Fachkräfte die erhöhte Projektzahl bewältigen? Drittens: Wie wirken sich Materialkosten und Finanzierungskosten auf die Fertigstellung aus? Viertens: Entstehen ausreichend bezahlbare Wohnungen? Fünftens: Ist die Infrastruktur in den betroffenen Regionen vorbereitet?
Ein starker Anstieg der Genehmigungen kann auch zu Kapazitätsproblemen führen. Wenn viele Projekte gleichzeitig starten, steigen Nachfrage nach Arbeitskräften, Materialien und Dienstleistungen. Das kann Kosten weiter erhöhen. Bauzeiten können sich verlängern. Qualitätssicherung wird wichtiger.
Auch die Finanzierung bleibt relevant. Höhere Zinsen oder strengere Kreditbedingungen können Projekte beeinflussen. Zwar zeigen die Genehmigungen eine starke Absicht zur Entwicklung, doch die tatsächliche Umsetzung hängt von Marktbedingungen ab.
Schließlich bleibt die soziale Frage zentral. Wenn viel gebaut wird, aber breite Bevölkerungsschichten dennoch keinen bezahlbaren Wohnraum finden, entsteht politischer Druck. Die öffentliche Debatte über Wohnen wird in Zypern voraussichtlich weiter an Bedeutung gewinnen.
Bedeutung für die Gesamtwirtschaft
Die Bau- und Immobilienwirtschaft ist ein wichtiger Bestandteil der zypriotischen Wirtschaft. Sie schafft Beschäftigung, zieht Kapital an, unterstützt zahlreiche Dienstleistungsbereiche und beeinflusst den Konsum. Ein starker Jahresauftakt bei den Baugenehmigungen kann daher auch auf eine positive gesamtwirtschaftliche Dynamik hinweisen.
Bauaktivität wirkt auf viele Branchen: Zement, Stahl, Holz, Glas, Elektroinstallation, Sanitärtechnik, Architektur, Ingenieurwesen, Rechtsberatung, Immobilienvermittlung, Finanzierung, Versicherung und Innenausstattung. Wenn gebaut wird, profitieren viele.
Gleichzeitig muss eine Volkswirtschaft darauf achten, nicht zu stark von Immobilienentwicklung abhängig zu werden. Nachhaltiges Wachstum sollte breit aufgestellt sein. Zypern hat in den vergangenen Jahren auch in Bereichen wie Technologie, Dienstleistungen, Bildung, Tourismusqualität und Schifffahrt Fortschritte gemacht. Die Bauwirtschaft ist wichtig, sollte aber Teil einer diversifizierten Entwicklungsstrategie bleiben.
Nachhaltigkeit als entscheidender Qualitätsfaktor
Bei einer so starken Zunahme geplanter Bauaktivität gewinnt Nachhaltigkeit zusätzlich an Bedeutung. Gebäude, die heute genehmigt werden, prägen die Insel über Jahrzehnte. Sie beeinflussen Energieverbrauch, Wasserbedarf, Stadtbild und Lebensqualität.
Zypern steht vor klimatischen Herausforderungen: Hitze, Wasserknappheit, Energiepreise und Küstenschutz sind reale Themen. Neue Gebäude sollten daher nicht nur nach kurzfristigen Marktinteressen geplant werden, sondern auch nach langfristiger Nutzbarkeit. Energieeffizienz, Photovoltaik, Beschattung, natürliche Belüftung, Wassermanagement und hochwertige Materialien werden immer wichtiger.
Nachhaltiges Bauen ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch wirtschaftlich. Gebäude mit niedrigen Betriebskosten sind für Käufer und Mieter attraktiver. In einem warmen Klima können schlechte Bauqualität und ineffiziente Kühlung schnell teuer werden. Wer heute klug baut, schafft langfristigen Wert.
Fazit: Starker Start, große Chancen, klare Verantwortung
Der Anstieg der Baugenehmigungen um 76,9 Prozent im Januar 2026 ist ein starkes Signal für den zypriotischen Bau- und Immobiliensektor. Mit 789 Genehmigungen, einem erwarteten Bauvolumen von 1.755 Wohneinheiten, einem Gesamtwert von 445,2 Millionen Euro und einer genehmigten Fläche von 346.700 Quadratmetern zeigt sich eine deutliche Dynamik.
Besonders die mehr als verdoppelte Zahl geplanter Wohneinheiten ist für den Wohnungsmarkt relevant. Sie kann helfen, das Angebot zu erhöhen und auf die starke Nachfrage zu reagieren. Gleichzeitig hängt die tatsächliche Wirkung davon ab, welche Art von Wohnraum entsteht, wo gebaut wird und zu welchen Preisen die Einheiten später angeboten werden.
Für Investoren, Bauunternehmen und Dienstleister eröffnen sich Chancen. Für Politik und Gemeinden entsteht Verantwortung. Die Bauentwicklung muss mit Infrastruktur, Nachhaltigkeit und sozialer Ausgewogenheit verbunden werden. Mehr Wohnraum ist notwendig, aber Qualität, Bezahlbarkeit und Planung entscheiden darüber, ob daraus langfristiger Nutzen entsteht.
Zypern steht damit vor einer wichtigen Phase. Der Markt zeigt Kraft, Vertrauen und Investitionsbereitschaft. Nun kommt es darauf an, diese Dynamik so zu lenken, dass sie nicht nur Projektentwicklern und Investoren dient, sondern auch den Menschen, die auf der Insel leben, arbeiten und eine Zukunft aufbauen wollen.
Denn am Ende ist eine Baugenehmigung noch kein Zuhause. Sie ist ein Versprechen aus Papier. Entscheidend ist, was daraus entsteht: lebenswerte Wohnungen, stabile Nachbarschaften und eine Entwicklung, die zu Zypern passt – sonnig, dynamisch, aber bitte mit etwas mehr Planung als ein deutscher Behördenflur und etwas mehr Leichtigkeit als eine Bauakte im Winter.
Quelle: CYPRUS NEWS AGENCY (CNA)
