RIF-Generaldirektor Theodoros Loukaidis sieht Zypern in einer neuen Phase: Mehr privates Kapital, internationale Talente und Forschungsergebnisse mit globalem Marktpotenzial
Zypern tritt nach Einschätzung der Research and Innovation Foundation, kurz RIF, in eine neue Phase der Entwicklung seines Forschungs- und Innovationsökosystems ein. Im Mittelpunkt stehen künftig die Anziehung von mehr privatem Kapital, internationalem Talent und die konkrete Umwandlung von Forschung in Produkte, Exporte und breitere wirtschaftliche Aktivität. Das erklärte RIF-Generaldirektor Theodoros Loukaidis gegenüber der Cyprus News Agency.
Im Gespräch mit der CNA im Vorfeld der 20. European Researchers’ Night und anlässlich des 30-jährigen Bestehens der RIF sagte Loukaidis, Zypern habe in den vergangenen drei Jahrzehnten bedeutende Fortschritte gemacht. Nun gehe es darum, die internationale Präsenz des Landes weiter auszubauen und Forschungsergebnisse noch stärker in wirtschaftlichen Nutzen umzuwandeln.
„Heute, 30 Jahre später, haben wir ein Ökosystem, das mit der Unterstützung der RIF über die Jahre seine Leistung verbessert hat, international hoch eingestuft wird und seine globale Wettbewerbsfähigkeit weiter stärken kann“, sagte Loukaidis.
Zypern belegt nach seinen Angaben Platz 25 unter 139 Volkswirtschaften im Global Innovation Index. Das zyprische Start-up-Ökosystem wird von StartupBlink weltweit auf Rang 34 geführt. Diese Platzierungen zeigen nach Einschätzung der RIF, dass Zypern nicht mehr nur am Anfang einer Innovationsentwicklung steht, sondern bereits eine sichtbare Position im internationalen Vergleich erreicht hat.
Die nächste Herausforderung besteht laut Loukaidis darin, auf diesen Fortschritten aufzubauen und mehr Erfolg nach Zypern zu bringen. Die Nachfrage nach RIF-Unterstützung ist stark gestiegen. Für einen jüngsten Förderaufruf wurden 284 Anträge eingereicht. Zum Vergleich: Vor fünf oder sechs Jahren seien für dasselbe Programm etwa 60 Anträge eingegangen. Diese Entwicklung zeigt ein deutlich wachsendes Interesse an Forschung, Innovation, Start-ups und technologieorientiertem Unternehmertum auf der Insel.
Drei Jahrzehnte Aufbauarbeit im Innovationssystem
Das 30-jährige Bestehen der RIF ist für Zypern ein wichtiger Moment der Bestandsaufnahme. In drei Jahrzehnten hat sich die Rolle von Forschung und Innovation im Land deutlich verändert. Was früher möglicherweise als kleiner Spezialbereich wahrgenommen wurde, ist zunehmend Teil der wirtschaftlichen Zukunftsstrategie.
Loukaidis beschreibt ein Ökosystem, das sich mit Unterstützung der RIF verbessert hat und heute international sichtbar ist. Damit meint er nicht nur einzelne Forschungseinrichtungen oder Unternehmen, sondern ein breiteres System aus Universitäten, Forschungszentren, Start-ups, Förderinstrumenten, Investoren, internationalen Partnern und Talenten.
Die zentrale Frage ist nun, wie dieses System in die nächste Phase geführt werden kann. Zypern soll nicht nur Ideen entwickeln, sondern diese Ideen in marktfähige Produkte, Dienstleistungen, Exporte, Arbeitsplätze und nachhaltige Wertschöpfung verwandeln.
Vom Förderökosystem zum Investitionsökosystem
Ein Kernpunkt in Loukaidis’ Aussagen ist die Verschiebung des Fokus. Öffentliche Förderung bleibt wichtig, aber sie soll stärker als Hebel dienen, um privates Kapital zu mobilisieren.
Zypern müsse die öffentliche Finanzierung für Forschung und Innovation erhöhen, sagte Loukaidis. Gleichzeitig müsse diese Finanzierung so eingesetzt werden, dass sie größere Mengen privaten Kapitals anzieht. Es geht also nicht nur darum, staatliche Gelder zu verteilen, sondern sie als Multiplikator zu nutzen.
Dieser Ansatz ist für kleine Volkswirtschaften besonders relevant. Öffentliche Mittel allein reichen oft nicht aus, um schnell wachsende innovative Unternehmen zu finanzieren. Wenn sie jedoch privates Kapital aktivieren, können sie eine deutlich größere Wirkung entfalten.
BOOST und DISRUPT als Beispiele für Hebelwirkung
Loukaidis nannte die RIF-Programme BOOST und DISRUPT als Beispiele für diesen Ansatz.
Beim Programm DISRUPT mobilisierte jeder Euro öffentlicher Förderung 1,2 Euro an privaten Investitionen. Beim Programm BOOST wurde sogar das Doppelte an privatem Kapital für jeden Euro öffentlicher Förderung generiert.
Diese Zahlen sind für die Innovationspolitik wichtig. Sie zeigen, dass staatliche Förderung nicht nur als Zuschuss verstanden werden muss. Sie kann Vertrauen schaffen, Risiken reduzieren, private Investoren anziehen und Unternehmen dabei helfen, die nächste Entwicklungsstufe zu erreichen.
Das Ziel ist laut Loukaidis, öffentliche Unterstützung als Multiplikator einzusetzen. Dadurch sollen Investitionen, produktive Tätigkeit und nachhaltige Arbeitsplätze entstehen.
Private Investoren werden sichtbarer
Nach Angaben des RIF-Generaldirektors werden Investmentfonds, die sich für zyprische Unternehmen interessieren, zunehmend sichtbarer im Ökosystem. Dazu kommen neue Unterstützungsstrukturen wie Plug and Play.
Private Finanzierung kommt immer häufiger durch Business Angels und Venture Capital. Einige Fonds sind in Zypern ansässig, andere kommen aus dem Ausland. Für ein wachsendes Innovationsökosystem ist diese Entwicklung entscheidend.
Start-ups und forschungsbasierte Unternehmen benötigen häufig Kapital, um Produkte zu entwickeln, internationale Märkte zu erschließen, Fachkräfte einzustellen und Wachstum zu finanzieren. Ohne private Finanzierung bleiben viele gute Ideen in einem frühen Stadium stecken.
Die RIF versucht deshalb nicht nur, nationale Programme anzubieten, sondern zyprische Start-ups international sichtbarer zu machen und sie mit ausländischen Investoren zu verbinden.
Strategische Investitionen statt reiner Finanzierung
Loukaidis verwies auf die Investition des Pharmaunternehmens Medochemie in das Start-up Theramir als Beispiel für eine strategische Investition. Eine solche Investition kann nicht nur Geld bringen, sondern auch Partnerschaften für Produktentwicklung und Marktzugang ermöglichen.
Dieser Punkt ist besonders wichtig. Kapital allein reicht oft nicht aus. Innovative Unternehmen brauchen häufig industrielle Partner, Vertriebskanäle, regulatorische Erfahrung, Forschungskompetenz oder Zugang zu internationalen Märkten.
Wenn ein etabliertes Unternehmen in ein Start-up investiert, kann daraus eine tiefere Kooperation entstehen. Gerade in Bereichen wie Gesundheit, Biotechnologie, Pharmazie, KI oder spezialisierten Technologien kann ein strategischer Partner den Unterschied zwischen Forschungserfolg und Markterfolg ausmachen.
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Mehr InformationenMultinationale Unternehmen als Brücke zu globalen Märkten
Ein weiterer wichtiger Treiber des Ökosystems ist laut Loukaidis die wachsende Präsenz multinationaler und internationaler ICT-Unternehmen in Zypern. Diese Unternehmen bringen Zugang zu internationalen Märkten, Erfahrung in der Entwicklung global wettbewerbsfähiger Produkte und die Fähigkeit mit, größere Mengen privaten Kapitals für Forschung und Entwicklung zu mobilisieren.
Ihre Präsenz kann auch für zyprische Universitäten, Forschungseinrichtungen und Exzellenzzentren Chancen schaffen. Gemeinsame Projekte können Wissenstransfer ermöglichen, neue Standards setzen und internationale Netzwerke öffnen.
Lokale Unternehmen können durch die Zusammenarbeit mit internationalen Firmen Know-how gewinnen, ihre Standards verbessern und neue Prozesse und Produkte entwickeln. Genau darin liegt ein wichtiger Mechanismus für wirtschaftliche Modernisierung: Internationale Präsenz wird nicht nur als Standortfaktor betrachtet, sondern als Katalysator für das gesamte Ökosystem.
Zyprische Unternehmen sollen internationaler werden
Das Ziel ist nach Loukaidis, dass zyprische Unternehmen wettbewerbsfähiger werden und sich vom heimischen Markt auf internationale Märkte ausweiten.
Dieser Schritt ist für viele kleine Volkswirtschaften entscheidend. Der Binnenmarkt Zyperns ist begrenzt. Wenn innovative Unternehmen wachsen wollen, müssen sie Produkte und Dienstleistungen entwickeln, die auch außerhalb des Landes gefragt sind.
Forschung und Innovation werden deshalb nicht nur als akademische Leistung verstanden, sondern als Grundlage für Exportfähigkeit. Ein Unternehmen, das aus Forschung ein skalierbares Produkt entwickelt, kann Kunden in Europa, dem Nahen Osten, Afrika oder anderen Regionen erreichen.
Zypern kann dabei seine geografische Lage, EU-Mitgliedschaft und internationale Netzwerke nutzen.
Künstliche Intelligenz als besondere Herausforderung
Ein eigener Schwerpunkt in Loukaidis’ Aussagen ist Künstliche Intelligenz. Für eine kleine Volkswirtschaft wie Zypern ist KI zugleich Chance und Herausforderung. Das Land konkurriert mit Staaten und Unternehmen, die über wesentlich größere Ressourcen verfügen.
Loukaidis betonte jedoch, dass Zypern dennoch bestimmte Teile der internationalen KI-Wertschöpfungskette gezielt ansprechen kann. Dafür soll das Land seine Daten, Infrastruktur und Expertise in Bereichen nutzen, in denen es bereits internationale Präsenz hat. Genannt werden Schifffahrt, Finanzdienstleistungen und professionelle Dienstleistungen.
Das ist ein realistischer Ansatz. Zypern muss nicht versuchen, die gesamte globale KI-Industrie eigenständig aufzubauen. Es kann sich auf Bereiche konzentrieren, in denen es bereits Fachwissen, Daten, Kundenbeziehungen und Marktverständnis besitzt.
Nicht nur Nutzer fremder Technologien bleiben
Der RIF-Generaldirektor formulierte die große Herausforderung klar: Zypern dürfe nicht einfach nur Technologien übernehmen und nutzen, die anderswo produziert werden.
Diese Warnung ist strategisch wichtig. Viele Länder riskieren, im KI-Zeitalter zu reinen Konsumenten zu werden. Sie nutzen Software, Plattformen und Modelle anderer, bauen aber keine eigenen Fähigkeiten, kein eigenes geistiges Eigentum und keine eigenen Wertschöpfungsketten auf.
Für Zypern geht es deshalb darum, lokale Daten und Expertise in Wissen, geistiges Eigentum und Komponenten international wettbewerbsfähiger Produkte umzuwandeln. Das Ziel muss nicht zwangsläufig sein, vollständige KI-Produkte allein zu entwickeln. Aber Zypern soll relevante Bausteine, Anwendungen und Spezialisierungen beitragen.
Pharos-CY und Supercomputer mit NVIDIA
Loukaidis verwies auf Pharos-CY, Teil von AI Factory Pharos, sowie auf eine Investition in einen Supercomputer in Zusammenarbeit mit NVIDIA. Entscheidend werde sein, dass Forschende und innovative Unternehmen Zugang zu solcher Infrastruktur erhalten.
Dieser Zugang ist deshalb so wichtig, weil KI-Entwicklung Rechenleistung, Daten und technische Umgebung benötigt. Ohne Infrastruktur können Unternehmen und Forschungseinrichtungen nur begrenzt eigene Modelle entwickeln oder anpassen.
Wenn Zypern jedoch Zugang zu fortgeschrittener Infrastruktur schafft, können lokale Akteure Modelle entwickeln, die auf lokalen Bedürfnissen basieren und zugleich international ausgerichtet sind. Das kann ein wichtiger Schritt sein, um vom reinen Nutzer zum aktiven Mitgestalter von KI-Anwendungen zu werden.
Talent als kritischer Faktor
Neben Kapital und Infrastruktur bleibt Talent ein entscheidender Faktor. Zypern müsse seine Talentbasis stärken, sowohl durch die Anziehung von Menschen aus dem Ausland als auch durch die Umleitung vorhandener Talente in Forschung, Innovation und Technologie, sagte Loukaidis.
Junge Menschen sollten ermutigt werden, Wissenschaft und Technologie zu verfolgen und gleichzeitig Kreativität, kritisches Denken und unternehmerische Fähigkeiten zu entwickeln.
Diese Kombination ist entscheidend. Technisches Wissen allein reicht nicht immer aus. Innovation entsteht oft dort, wo wissenschaftliche Kompetenz, kreative Problemlösung, Marktverständnis und Unternehmergeist zusammenkommen.
Programme für Studierende und junge Talente
RIF-Initiativen wie Research & Innovation Summer Internships und Accelerate Cyprus Talent, kurz ACT, sollen Studierende mit Unternehmen verbinden und möglicherweise zu dauerhaften Beschäftigungsverhältnissen führen.
Solche Programme sind wichtig, weil sie den Übergang zwischen Ausbildung und Arbeitsmarkt erleichtern. Studierende erhalten Einblick in innovative Unternehmen, während Firmen früh Zugang zu jungen Talenten bekommen.
Für ein kleines Land ist diese Verbindung besonders wertvoll. Wenn Talente früh im Innovationsökosystem verankert werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie in Zypern bleiben oder später zurückkehren.
Fachkräftelücke ist breiter als Wissenschaft und Technik
Loukaidis betonte, dass die Fachkräftelücke breiter ist als nur Wissenschaft und Ingenieurwesen. Als Beispiel nannte er die zyprische Videospielindustrie, die nach seinen Angaben laut einem jüngsten Bericht rund 3,2 Milliarden Euro Umsatz erzielt.
Diese Branche benötigt nicht nur Programmiererinnen und Programmierer. Sie braucht auch Menschen mit Hintergründen in Kunst, Marketing und anderen Disziplinen.
Das ist ein wichtiger Hinweis auf die Breite moderner Innovationsökosysteme. Technologieunternehmen brauchen Designer, Storyteller, Rechtsexperten, Produktmanager, Vertriebsteams, Analysten, Kommunikationsexperten und viele weitere Kompetenzen. Innovation ist interdisziplinär.
Digitale Technologien und grüne Transformation
Laut Loukaidis bestehen weiterhin Engpässe in digitalen Technologien und in der grünen Transformation. Gleichzeitig könne KI helfen, die Produktivität in der gesamten Wirtschaft zu verbessern.
Diese Aussage zeigt, dass Forschung und Innovation nicht nur auf einzelne Start-ups beschränkt sind. Sie betreffen auch die Modernisierung bestehender Branchen. Digitale Fähigkeiten und grüne Technologien sind Querschnittsthemen, die fast alle Wirtschaftsbereiche verändern.
Wenn KI zusätzlich Produktivitätsgewinne ermöglicht, kann sie Unternehmen helfen, effizienter zu arbeiten, neue Dienstleistungen zu entwickeln und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.
Talente gehen dorthin, wo Chancen bestehen
Steuerliche und finanzielle Anreize zur Rückgewinnung von Zyprioten aus dem Ausland, etwa durch „Minds in Cyprus“, seien nützlich, aber allein nicht ausreichend, sagte Loukaidis.
Zypern brauche auch ein Umfeld, das es einfacher macht, Unternehmen zu gründen und wachsen zu lassen, private Finanzierung zu erhalten und internationale Netzwerke aufzubauen.
Sein Satz fasst dies prägnant zusammen: Talent geht dorthin, wo es Möglichkeiten für Entwicklung, Aufstieg und die Bedingungen für Erfolg gibt.
Das bedeutet: Wer Talente gewinnen will, muss mehr bieten als Steuervorteile. Es braucht Karrierechancen, ambitionierte Unternehmen, Forschungsqualität, Finanzierung, internationale Sichtbarkeit, Lebensqualität und ein verlässliches Umfeld.
Zypern als vernetzter regionaler Hub
Loukaidis sagte, Zypern solle anstreben, ein vernetzter regionaler Hub zu werden. Diese Vision passt zu mehreren Elementen des Innovationsökosystems: EU-Mitgliedschaft, geografische Lage, internationale Unternehmen, Start-ups, Forschungszentren, Kapital und Talent.
Ein vernetzter Hub ist kein isolierter Standort. Er verbindet lokale Fähigkeiten mit internationalen Märkten, Investoren, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Für Zypern kann genau diese Verbindung der Schlüssel sein.
Das Land ist zu klein, um alle Wertschöpfungsketten allein abzudecken. Aber es kann als Plattform, Brücke und spezialisierter Standort eine wichtige Rolle spielen.
Von der Forschung in internationale Märkte
Loukaidis nannte mehrere Beispiele für Unternehmen, die zeigen, dass forschungsbasierte Geschäftsmodelle aus Zypern heraus in internationale Märkte wachsen können.
Diese Beispiele sind wichtig, weil sie die Strategie greifbar machen. Es geht nicht nur um abstrakte Innovationsrankings, sondern um konkrete Unternehmen, die Produkte entwickeln, Investitionen anziehen, exportieren, wachsen und Arbeitsplätze schaffen.
Sie zeigen, dass Forschung in Zypern wirtschaftliche Wirkung entfalten kann, wenn Förderung, privates Kapital, Technologie, Marktbedarf und unternehmerische Umsetzung zusammenkommen.
NIPD Genetics als Erfolgsbeispiel
NIPD Genetics begann als Spin-off des Cyprus Institute of Neurology and Genetics. Das Unternehmen entwickelte diagnostische und pränatale Tests mit Unterstützung der RIF und privatem Kapital aus Zypern und dem Ausland.
Nach Angaben von Loukaidis erreichte NIPD Genetics eine Bewertung von 65 Millionen Euro, wurde von einem schwedischen multinationalen Unternehmen übernommen und ist weiterhin in Zypern tätig. Das Unternehmen beschäftigt rund 150 Menschen und investiert weiterhin in Forschung und Entwicklung.
Dieses Beispiel zeigt mehrere wichtige Punkte: Forschung kann zu marktfähigen Produkten führen. Internationale Übernahmen müssen nicht bedeuten, dass Wertschöpfung aus Zypern verschwindet. Und erfolgreiche forschungsbasierte Unternehmen können hochwertige Arbeitsplätze schaffen.
Blue Analytics verbindet KI mit Aquakultur
Blue Analytics kombiniert Künstliche Intelligenz mit Aquakultur. Das Unternehmen erhielt RIF-Unterstützung und sammelte rund 6 Millionen Euro von einem Fonds ein, der auf die blaue Wirtschaft spezialisiert ist.
Nach Angaben von Loukaidis hat Blue Analytics bereits ein Produkt am Markt und sucht weitere Kunden.
Dieses Beispiel zeigt, wie KI in spezialisierten Branchen eingesetzt werden kann. Aquakultur ist ein Bereich, in dem Datenanalyse, Prognosen und digitale Systeme helfen können, Effizienz, Nachhaltigkeit und Produktion zu verbessern.
Silicon Dali wächst international
Silicon Dali wurde vor vier Jahren mit 200.000 Euro RIF-Unterstützung gegründet. Das Unternehmen hat inzwischen mehr als 1 Million Euro Umsatz erreicht, beschäftigt 18 Personen, hat ein Büro in Spanien eröffnet und Kunden bis nach Südafrika.
Dieses Beispiel zeigt, wie eine vergleichsweise kleine Anfangsförderung Wachstum auslösen kann. Aus einer frühen Unterstützung kann ein international tätiges Unternehmen entstehen, wenn Produkt, Team und Markt zusammenpassen.
Für das zyprische Ökosystem sind solche Beispiele wichtig, weil sie zeigen, dass internationale Skalierung von Zypern aus möglich ist.
Cleedee adressiert Personalprobleme im Gastgewerbe
Das KI-Unternehmen Cleedee befasst sich mit Herausforderungen bei der Rekrutierung im Gastgewerbe. Es erhielt 500.000 Euro von der RIF und etwa 300.000 Euro privates Kapital. Das Unternehmen expandiert nach Griechenland und Österreich.
Dieses Beispiel verbindet mehrere der von Loukaidis genannten Themen: KI, Dienstleistungswirtschaft, internationale Expansion und private Finanzierung. Das Gastgewerbe ist für Zypern besonders relevant, da der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsbereich ist.
Eine Lösung, die Rekrutierungsprobleme im Hospitality-Sektor adressiert, kann daher lokalen Nutzen haben und zugleich in anderen Märkten angewendet werden.
Klidi sammelt 2,1 Millionen Euro ein
Loukaidis nannte auch Klidi, ein Unternehmen im Finanzsektor, das kürzlich 2,1 Millionen Euro an privaten Investitionen eingesammelt hat.
Dieses Beispiel zeigt, dass der Finanzbereich weiterhin ein wichtiger Anwendungsraum für Innovation in Zypern ist. Finanzdienstleistungen gehören zu den Sektoren, in denen Zypern internationale Erfahrung besitzt und in denen digitale Lösungen Skalierungspotenzial haben können.
Forschungsgelder bringen europäische Rückflüsse
Auch die Förderung wissenschaftlicher Forschung hat laut Loukaidis internationale Rückflüsse erzeugt. Zwei zyprische Forscherinnen, die an krebsbezogener Forschung arbeiten, wurden unter 421 Empfängern eines hochkompetitiven Programms des European Research Council ausgewählt.
Beide hatten zuvor jeweils 100.000 Euro nationale Unterstützung erhalten und konnten anschließend jeweils 1,5 Millionen Euro sichern. Insgesamt flossen dadurch 3 Millionen Euro nach Zypern.
Dieses Beispiel zeigt, wie nationale Vorförderung als Sprungbrett für internationale Exzellenzförderung dienen kann. Relativ kleine nationale Beträge können helfen, Forschende auf große europäische Wettbewerbe vorzubereiten und deutlich größere Mittel ins Land zu holen.
Neue Programme der RIF
Die RIF gestaltet derzeit ihre nächste Programmperiode und plant, ihre Förderinstrumente zu erweitern.
Zu den neuen Initiativen gehören PhD MINT, das darauf abzielt, Doktorandentalente zu gewinnen, Accelerate Cyprus Talent sowie Games Go Global, ein Programm, das der zyprischen Videospielindustrie bei der internationalen Expansion helfen soll.
Außerdem plant die RIF, Forschungsexzellenz durch VISION ERC zu stärken und die Programme BOOST und DISRUPT fortzuführen.
Diese Programme spiegeln die strategischen Prioritäten wider: Talent, Internationalisierung, private Investitionen, Forschungsexzellenz und Wachstum von technologieorientierten Unternehmen.
PhD MINT zur Gewinnung von Doktorandentalenten
PhD MINT soll Doktorandentalente anziehen. Das ist für ein Forschungsökosystem entscheidend, weil Doktorandinnen und Doktoranden eine wichtige Rolle in wissenschaftlicher Produktion, Innovation und Wissenstransfer spielen.
Sie arbeiten an neuen Ideen, bilden Brücken zwischen Universitäten und Unternehmen und können später selbst Start-ups gründen, in Forschungseinrichtungen bleiben oder in innovationsorientierten Unternehmen arbeiten.
Für Zypern kann ein solches Programm helfen, die Talentbasis zu verbreitern und internationale Forschungskompetenz anzuziehen.
Games Go Global für die Videospielindustrie
Games Go Global richtet sich an die zyprische Videospielindustrie und soll ihr helfen, international zu wachsen. Dieser Schwerpunkt ist bemerkenswert, weil er zeigt, dass Innovation nicht nur klassische Wissenschafts- oder Ingenieurthemen betrifft.
Die Games-Branche verbindet Technologie, Kunst, Design, Storytelling, Marketing und internationale digitale Märkte. Loukaidis hatte bereits darauf hingewiesen, dass diese Industrie in Zypern erhebliche Umsätze erzielt und Talente aus vielen Disziplinen benötigt.
Ein Programm zur Internationalisierung kann helfen, zyprische Games-Unternehmen sichtbarer zu machen, neue Märkte zu erschließen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
VISION ERC für Forschungsexzellenz
Mit VISION ERC will die RIF Forschungsexzellenz stärken. Der Bezug zum European Research Council ist bedeutsam, weil ERC-Förderungen zu den renommiertesten und wettbewerbsintensivsten europäischen Forschungsförderungen zählen.
Wenn nationale Programme Forschende dabei unterstützen, erfolgreiche ERC-Anträge zu stellen, kann dies erhebliche Mittel nach Zypern bringen und zugleich die internationale Reputation der Forschung stärken.
Das Beispiel der beiden Krebsforscherinnen zeigt, dass dieser Weg funktionieren kann.
European Researchers’ Night als Symbol des Wandels
Die 20. European Researchers’ Night fällt mit dem 30-jährigen Bestehen der RIF zusammen. Die Veranstaltung wird mehr als 75 Ausstellungsstände umfassen und mit Besuchen von Schülerinnen und Schülern beginnen.
Loukaidis sagte, die Veranstaltung spiegele einen breiteren Wandel in Zypern wider. Forschung und Innovation würden zunehmend Teil der wirtschaftlichen und beruflichen Landschaft des Landes.
Sein abschließender Satz bringt diesen Wandel auf den Punkt: „Es ist nicht mehr etwas, das vielleicht passiert. Es ist etwas, das in Zypern passiert.“
Diese Aussage zeigt den Anspruch, Forschung und Innovation aus der Nische in den Mittelpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung zu rücken.
Keine Innovationszukunft ohne gesellschaftliche Sichtbarkeit
Die European Researchers’ Night ist nicht nur eine Fachveranstaltung. Sie macht Forschung sichtbar, besonders für junge Menschen. Schulbesuche zu Beginn der Veranstaltung zeigen, dass Nachwuchsförderung früh ansetzen soll.
Wenn Kinder und Jugendliche Forschung, Technologie und Innovation als lebendige Möglichkeiten erleben, kann dies ihre Berufsentscheidungen beeinflussen. Genau hier beginnt langfristiger Talentaufbau.
Für Zypern ist das entscheidend. Ein Innovationsökosystem braucht nicht nur Geld und Infrastruktur, sondern auch gesellschaftliche Begeisterung, Vorbilder und Bildungswege.
Die Bedeutung für die zyprische Wirtschaft
Die Aussagen von Loukaidis zeigen, dass Forschung und Innovation zunehmend als wirtschaftlicher Faktor verstanden werden. Sie sollen zu Produkten, Exporten, Investitionen, Arbeitsplätzen und internationaler Wettbewerbsfähigkeit führen.
Das ist eine wichtige Entwicklung für Zypern. Das Land ist stark in Dienstleistungen, Tourismus, Schifffahrt, Finanz- und professionellen Dienstleistungen. Forschung und Innovation können helfen, diese bestehenden Stärken zu modernisieren und neue Wachstumsfelder zu erschließen.
Wenn Unternehmen wie NIPD Genetics, Blue Analytics, Silicon Dali, Cleedee oder Klidi zeigen, dass Wachstum aus Zypern heraus möglich ist, stärkt das Vertrauen in das Ökosystem.
Herausforderungen bleiben bestehen
Trotz der Fortschritte bleiben Herausforderungen. Zypern muss mehr private Investitionen anziehen, Talente gewinnen, Fachkräftelücken schließen, Forschung stärker in Märkte übertragen und internationale Netzwerke ausbauen.
Besonders im Bereich KI besteht die Gefahr, nur Nutzer fremder Technologien zu werden. Deshalb müssen Daten, Infrastruktur und sektorale Expertise gezielt genutzt werden, um eigenes Wissen und geistiges Eigentum zu schaffen.
Auch die Skalierung bleibt eine Herausforderung. Gute Ideen und frühe Produkte müssen internationale Kunden erreichen, Finanzierungsrunden abschließen und operative Strukturen aufbauen können.
Ein Ökosystem in der nächsten Entwicklungsstufe
Insgesamt zeichnet Loukaidis das Bild eines Ökosystems, das nicht mehr am Anfang steht, sondern in die nächste Entwicklungsstufe eintritt. Die Grundlagen sind vorhanden: internationale Rankings, wachsende Antragzahlen, Förderprogramme, private Investoren, Beispiele erfolgreicher Unternehmen, multinationale Firmen und neue Talentinitiativen.
Nun geht es darum, diese Elemente stärker miteinander zu verbinden. Forschung soll zu Produkten werden. Öffentliche Förderung soll privates Kapital mobilisieren. Internationale Unternehmen sollen Know-how und Marktzugang bringen. Talente sollen Chancen sehen. Start-ups sollen global wachsen.
Genau diese Verbindung entscheidet darüber, ob Forschung und Innovation zu einem dauerhaften Wachstumsmotor für Zypern werden.
Überblick über die wichtigsten Zahlen und Beispiele
Die wichtigsten Fakten aus den Aussagen von Theodoros Loukaidis lassen sich zusammenfassen:
Zypern belegt Platz 25 unter 139 Volkswirtschaften im Global Innovation Index.
Das zyprische Start-up-Ökosystem wird von StartupBlink weltweit auf Rang 34 eingestuft.
Für einen jüngsten RIF-Förderaufruf wurden 284 Anträge eingereicht, verglichen mit etwa 60 für dasselbe Programm vor fünf oder sechs Jahren.
Beim Programm DISRUPT mobilisierte jeder Euro öffentlicher Förderung 1,2 Euro private Investitionen.
Beim Programm BOOST wurde für jeden Euro öffentlicher Förderung doppelt so viel privates Kapital generiert.
Die Videospielindustrie Zyperns erzielt laut Loukaidis unter Berufung auf einen jüngsten Bericht rund 3,2 Milliarden Euro Umsatz.
NIPD Genetics erreichte eine Bewertung von 65 Millionen Euro, wurde von einem schwedischen multinationalen Unternehmen übernommen und beschäftigt weiterhin rund 150 Menschen in Zypern.
Blue Analytics sammelte rund 6 Millionen Euro von einem Fonds für die blaue Wirtschaft ein.
Silicon Dali überschritt 1 Million Euro Umsatz, beschäftigt 18 Personen, eröffnete ein Büro in Spanien und hat Kunden bis nach Südafrika.
Cleedee erhielt 500.000 Euro von der RIF und etwa 300.000 Euro privates Kapital und expandiert nach Griechenland und Österreich.
Klidi sammelte kürzlich 2,1 Millionen Euro an privaten Investitionen ein.
Zwei zyprische Forscherinnen erhielten nach jeweils 100.000 Euro nationaler Unterstützung jeweils 1,5 Millionen Euro aus einem europäischen Forschungsprogramm und brachten zusammen 3 Millionen Euro nach Zypern.
Fazit: Forschung und Innovation werden in Zypern zum Wirtschaftsfaktor
Zypern befindet sich nach Einschätzung der Research and Innovation Foundation in einer neuen Phase seines Forschungs- und Innovationsökosystems. Nach drei Jahrzehnten Aufbauarbeit geht es nun darum, internationale Sichtbarkeit, privates Kapital, Talente und Markterfolge deutlich auszubauen.
RIF-Generaldirektor Theodoros Loukaidis sieht ein Ökosystem, das seine Leistung verbessert hat, international gut positioniert ist und seine globale Wettbewerbsfähigkeit weiter stärken kann. Die Platzierungen im Global Innovation Index und im StartupBlink-Ranking, die stark gestiegene Nachfrage nach RIF-Förderung und die wachsende Präsenz privater Investoren zeigen, dass sich in Zypern ein dynamischeres Innovationsumfeld entwickelt.
Der nächste Schritt besteht darin, öffentliche Förderung noch stärker als Hebel für private Investitionen zu nutzen. Programme wie BOOST und DISRUPT zeigen, dass dies bereits gelingt. Jeder Euro öffentlicher Unterstützung kann zusätzliches privates Kapital mobilisieren und so Investitionen, produktive Tätigkeit und nachhaltige Arbeitsplätze schaffen.
Gleichzeitig muss Zypern seine internationale Anbindung ausbauen. Multinationale ICT-Unternehmen, internationale Investoren und strategische Partner können lokalen Unternehmen helfen, Standards zu verbessern, Know-how aufzubauen und globale Märkte zu erreichen.
Im Bereich Künstliche Intelligenz steht das Land vor einer besonderen Herausforderung. Zypern kann nicht mit den größten globalen Akteuren um alle Teile der KI-Wertschöpfungskette konkurrieren. Es kann jedoch gezielt Daten, Infrastruktur und Expertise in Bereichen wie Schifffahrt, Finanzdienstleistungen und professionellen Dienstleistungen nutzen, um Wissen, geistiges Eigentum und international wettbewerbsfähige Produktkomponenten zu schaffen.
Talent bleibt dabei der entscheidende Faktor. Zypern muss Menschen aus dem Ausland anziehen, junge Menschen für Wissenschaft und Technologie begeistern und bestehende Talente stärker in Innovation, Forschung und Unternehmertum lenken. Steuerliche und finanzielle Anreize sind hilfreich, aber nicht ausreichend. Entscheidend sind Chancen, Entwicklungsmöglichkeiten, Zugang zu Kapital und internationale Netzwerke.
Die Beispiele NIPD Genetics, Blue Analytics, Silicon Dali, Cleedee und Klidi zeigen, dass forschungsbasierte und innovationsgetriebene Unternehmen aus Zypern heraus wachsen, internationale Märkte erreichen und private Investitionen anziehen können. Auch wissenschaftliche Erfolge, etwa durch ERC-Förderungen für zyprische Forscherinnen, zeigen, dass nationale Unterstützung internationale Rückflüsse auslösen kann.
Mit neuen Programmen wie PhD MINT, Accelerate Cyprus Talent, Games Go Global und VISION ERC will die RIF die nächste Programmperiode nutzen, um Talent, Forschungsexzellenz und Internationalisierung weiter zu stärken.
Die 20. European Researchers’ Night und das 30-jährige Bestehen der RIF stehen damit für einen breiteren Wandel. Forschung und Innovation sind in Zypern nicht mehr nur ein Zukunftsversprechen oder ein Randthema. Sie werden zunehmend Teil der wirtschaftlichen und beruflichen Realität des Landes.
Oder, wie Loukaidis es formulierte: Es ist nicht mehr etwas, das vielleicht passiert. Es ist etwas, das in Zypern passiert.
Quelle CYPRUS NEWS AGENCY (CNA)
