Nach Jahren von Stillstand, Vertragsbrüchen und wechselnden Großversprechen soll Larnaca bei Hafen und Marina endlich aus der Endlosschleife herauskommen. Verkehrsminister Alexis Vafeades stellte am Freitag in Larnaca eine neue Grundlinie vor: Die Projekte für die getrennte Entwicklung von Hafen und Marina sollen von der Cyprus Ports Authority umgesetzt werden – mit vorhandenen Mitteln der Behörde und in Kooperation mit dem Staat, damit die Vorhaben „so schnell wie möglich“ realisiert werden, den Marktbedarf decken und ohne zusätzliches Risiko auskommen.
Der Rahmen ist klar: Nach dem Ende des Vertrags mit der Kition-Gesellschaft – ein Einschnitt, der die Stadt in eine Phase der Unsicherheit geführt hat – habe man Larnaca zugesagt, „den nächsten Tag“ dieser kritischen Infrastrukturen seriös zu prüfen. Nun liegen Empfehlungen von Experten auf dem Tisch, inklusive konkreter Handlungsvorschläge.
Warum jetzt „Trennung“ – und warum der Staat ins Steuer muss
Vafeades’ zentrale Botschaft lautete: Schnell umsetzen, nachhaltig gestalten, Risiken wirksam reduzieren. Er erinnerte daran, dass niemand sich „ein weiteres Scheitern“ leisten könne – und verwies darauf, dass es in den vergangenen rund 20 Jahren mehrfach nicht gelungen sei, eine tragfähige Lösung zu liefern. Daher müsse der Staat mit staatlichen Mitteln beteiligt sein, um die Umsetzung zu kontrollieren und sicherzustellen, „dass nichts schiefgeht“.
Diese Argumentation ist nicht nur politisch, sondern auch praktisch: Große Waterfront-Projekte sind komplex, kapitalintensiv und anfällig für Verzögerungen – insbesondere wenn Finanzierung, Zuständigkeiten und Projektlogik nicht sauber getrennt sind. Genau deshalb empfiehlt die Studie des griechischen Superfund/Growthfund laut den Berichten, Hafen und Marina nicht als ein einziges „Mega-Paket“ zu behandeln, sondern als zwei Einheiten, die jeweils für sich finanziell tragfähig sein müssen.
Der Hintergrund: Kition-Vertrag beendet – und die Stadt will Planungssicherheit
Dass die Regierung dieses Thema jetzt besonders strikt angeht, hat einen eindeutigen Hintergrund: Der Vertrag mit Kition Ocean Holdings wurde vom Staat am 27. Mai 2024 beendet – u. a. wegen Streitpunkten rund um Garantien für Betrieb und Wartung. Seitdem ist das Projekt faktisch gelähmt, während unterschiedliche Akteure immer wieder neue „Comeback“-Szenarien oder Alternativpläne ins Spiel bringen.
Die Regierung will offenkundig verhindern, dass Larnaca erneut jahrelang in rechtlichen, finanziellen oder organisatorischen Zwischenzuständen festhängt. Vafeades sagte sinngemäß: Nicht auf ausländische Finanzierung hoffen, sondern „auf eigene Stärken“ setzen und mit „eigenen Leuten“ umsetzen – wobei die Entscheidungs- und Umsetzungshoheit bei der Ports Authority liegen soll, als staatlichem Arm.
Die Studie: Wer hat sie gemacht – und worauf fokussiert sie?
Vafeades erklärte, dass sich die Forschungsteams – Public Works Department, Superfund/Growthfund und niederländische Berater – primär mit der Funktionsweise von Marina und Hafen befasst hätten. Landflächen („land areas“) seien dabei nicht als eigenständiges Masterplan-Thema ausformuliert, aber es werde klar festgestellt: Der Hafen braucht Landflächen, um operieren zu können.
Diese Landfrage ist politisch sensibel. Larnaca will – nachvollziehbar – dass die Waterfront nicht nur „Hafenbetrieb“ bleibt, sondern auch städtische Entwicklung ermöglicht. Vafeades deutete an, dass man prüfen müsse, wo man Flächen neu ordnen, „etwas wegnehmen“ und den Hafen zugleich nützlicher für die Stadt machen kann. Das ist die klassische Balance: funktionierende Logistik vs. urbane Lebensqualität.
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Mehr Informationen„Option 2“ für Hafen und Marina: pragmatische Verbesserungen statt riskanter Großsprung
Die Präsentation der Superfund-Studie erfolgte laut Bericht durch Stelios Zervos (Public Works Department). Er nannte drei Optionen für Hafen und Marina – und die Experten empfehlen jeweils Option 2.
Hafen: Nordkai, Tiefgang, Baggerarbeiten – vorbereitet bis 2055
Für den Hafen sieht Option 2 vor allem Verbesserungsarbeiten vor, insbesondere am nördlichen Kai. Dort laufen bzw. sind vorgesehen:
Arbeiten zur Vertiefung (Tiefgangverbesserung)
Baggerungen im Hafenbereich, damit größere Schiffe bedient werden können
Upgrade der Ausrüstung und weitere Maßnahmen
Das Paket soll – so die Einschätzung – die Anforderungen des Hafens bis 2055 abdecken.
Das ist bewusst eine „Engineering-Option“ statt einer Vision-Option: Erst die Funktion stabilisieren, Kapazität und Sicherheit erhöhen, operative Abläufe modernisieren – und erst dann darüber reden, wie sehr man das Ganze in eine breitere Supply-Chain-Strategie einbettet. Genau diesen Punkt spielte auch die öffentliche Diskussion an: Ohne Einbindung in eine größere Logistikkette könnte der Hafen perspektivisch sogar Schwierigkeiten bekommen, den heimischen Markt ausreichend zu bedienen.
Marina: Nordbecken, Floating Docks, Kapazität 300 Boote – Horizont rund 7 Jahre
Für die Marina beinhaltet Option 2 die Entwicklung des Hafenbeckens im nördlichen Teil der Marina, Verbesserungen in verschiedenen Bereichen und den Einsatz von Floating Docks. Ziel: die Kapazität auf 300 Boote erhöhen und den Bedarf für die nächsten rund 7 Jahre abdecken.
Dass hier „7 Jahre“ genannt werden, ist bemerkenswert: Es wirkt wie ein bewusst kurz gehaltener Planungshorizont, der schnelle Verbesserungen ermöglicht, ohne die Stadt für Jahrzehnte an ein möglicherweise falsches Layout zu ketten. In der politischen Realität passt das zu Vafeades’ Ziel „schnell umsetzen“ – und zur Einschätzung des Bürgermeisters, dass man ohnehin selten seriös über mehr als 20 Jahre im Detail planen könne.
Der Bürgermeister: „Das ist kein Thema des Bürgermeisters – das ist ein Thema der ganzen Stadt“
Larnacas Bürgermeister Andreas Vyras begrüßte, dass verschiedene Vorschläge auf dem Tisch liegen, machte aber gleichzeitig deutlich: Entscheidend ist die öffentliche Einbindung. Es soll eine Frage-Antwort-Runde geben, man werde „den Menschen zuhören“. Er schlug zudem eine Gemeindeversammlung und eine weitere Sitzung des Entwicklungs-Komitees vor, bei der alle vertretenen Stellen ihre Positionen schriftlich einreichen.
Inhaltlich setzte Vyras seinen Schwerpunkt klar: Landflächen („land area“) und Entwicklung jenseits des reinen Hafenbetriebs. Beim Hafen sieht er die Vorschläge „in die richtige Richtung“ gehen, doch bei Marina und Landfrage müsse man noch genauer klären, „was wir mehr erwarten“.
Auf die Frage nach der zeitlichen Reichweite – Hafen bis 2055, Marina je nach Interpretation nur wenige Jahre – meinte er, ein 20-Jahres-Projekt sei in der Praxis das Maximum. Er persönlich fokussiere aber vor allem die Landthematik.
Der entscheidende Punkt: Ausschreibung schnell, rechtssicher – und mit minimaler Verzögerung
Ein zentrales Kriterium der Expertenempfehlung ist laut Ministerium: Ein legaler Tendering-Prozess mit möglichst wenig Zeitverlust. Gerade nach einem Vertragsende und mehreren Anläufen ist das ein Schlüsselsatz, denn jede neue Ausschreibung kann – wenn schlecht vorbereitet – wieder jahrelang in Einsprüchen, Nachverhandlungen und Finanzierungsdiskussionen verschwinden.
Vafeades’ Linie: Risiko reduzieren heißt auch, die Umsetzung steuerbar machen. Deshalb die Entscheidung, dass die Ports Authority als staatliches Instrument die Entwicklung führen soll.
Einordnung: Warum „getrennte Entwicklung“ in Larnaca plausibel ist
Die Trennung von Hafen und Marina ist nicht nur eine technische Frage, sondern eine wirtschaftliche:
Hafen ist Logistik, Versorgung, maritime Dienstleistung, industrielle und kommerzielle Nutzung – stark abhängig von Tiefgang, Ausrüstung, Lieferkettenanbindung.
Marina ist Freizeitwirtschaft, Tourismus, Stadtbild, Hospitality – stark abhängig von Aufenthaltsqualität, Kapazität, Services und städtischer Integration.
Wenn beides in einem „One-size-fits-all“-Deal zusammengebunden wird, entstehen zwangsläufig Zielkonflikte bei Rendite, Zeitplan und Prioritäten. Genau deshalb argumentiert die Superfund-Seite seit Längerem gegen eine einzige, „unified“ Entwicklung und für eigenständige wirtschaftliche Tragfähigkeit.
Fazit: Larnaca soll liefern – nicht mehr nur verhandeln
Die Pressemitteilung und die begleitenden Berichte zeigen: Die Regierung versucht, aus zwei Jahrzehnten Projektfrust eine neue Logik abzuleiten: weniger Abhängigkeit von externen Geldquellen, mehr staatliche Steuerbarkeit, schnelle Ausschreibung, Option-2-Verbesserungen als pragmatischer Start – und ein klarer Fokus auf Risikominimierung.
Gleichzeitig wird in Larnaca selbst deutlich: Die Stadt akzeptiert technische Notwendigkeiten – will aber, dass die Landflächen und die Waterfront-Entwicklung nicht wieder zur Fußnote werden. Mit öffentlichen Q&A-Formaten und schriftlichen Vorschlägen soll der Prozess politisch breiter verankert werden.
Wenn das gelingt, könnte Larnaca endlich das bekommen, was jede Hafenstadt braucht: funktionierende Infrastruktur – und einen Hafen, der nicht nur Schiffe abfertigt, sondern der Stadt langfristig Nutzen bringt. Und nach 20 Jahren „nächstes Jahr ganz sicher“ wäre es tatsächlich eine wohltuende Abwechslung, wenn in Larnaca einmal etwas wirklich pünktlich fertig wird.
Quelle: Cyprus News Agency (CNA)
