Die zypriotische Wirtschaft zeigt sich auch in den kommenden Jahren bemerkenswert widerstandsfähig. Nach aktuellen Einschätzungen des Economic Research Centre (ERC) der Universität Zypern wird das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2026 um 3,5 % und im Jahr 2027 um 3,4 % wachsen. Damit setzt sich ein stabiler Wachstumspfad fort, der Zypern im europäischen Vergleich weiterhin überdurchschnittlich positioniert – trotz eines geopolitisch und wirtschaftlich anspruchsvollen internationalen Umfelds.
Diese Prognosen unterstreichen, dass sich Zypern zunehmend als robuste, gut diversifizierte Volkswirtschaft etabliert hat, deren Wachstum nicht mehr ausschließlich von einzelnen Sektoren abhängt, sondern von einer soliden Kombination aus Binnenwirtschaft, Investitionen, Dienstleistungssektor und internationaler Vernetzung.
1. Rückblick: Vom Aufholprozess zur Stabilisierung
Ein Blick zurück verdeutlicht die Entwicklung:
Nach einem sehr starken Wachstum von 3,9 % im Jahr 2024 verlangsamte sich das Wirtschaftswachstum im Jahr 2025 auf rund 3,5 %. Diese Abschwächung ist jedoch nicht als Schwäche zu interpretieren, sondern vielmehr als Normalisierung auf hohem Niveau.
Zypern befand sich in den Jahren nach der Pandemie in einem ausgeprägten Aufholprozess. Dieser Übergang in eine Phase stabilen, nachhaltigen Wachstums ist aus makroökonomischer Sicht sogar wünschenswert, da er Überhitzungstendenzen vermeidet und die langfristige Planbarkeit verbessert.
Bemerkenswert ist zudem die hohe Prognosestabilität:
Die Wachstumserwartungen für 2025 und 2026 wurden im Vergleich zur Oktober-Prognose des ERC nicht revidiert. Das deutet auf ein gefestigtes wirtschaftliches Fundament und eine gute Datenlage hin – ein nicht zu unterschätzender Vertrauensfaktor für Investoren, Unternehmen und Finanzmärkte.
2. Ausblick bis 2027: Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau
Für die Jahre 2026 und 2027 erwarten die Ökonomen des ERC eine Seitwärtsbewegung auf hohem Wachstumsniveau. Wachstumsraten von 3,4–3,5 % gelten in reifen Volkswirtschaften als deutlich überdurchschnittlich, insbesondere im Vergleich zu vielen anderen EU-Mitgliedstaaten, deren Wachstumsperspektiven teils unter 2 % liegen.
Diese Entwicklung spricht für:
eine funktionierende wirtschaftliche Struktur,
eine vergleichsweise hohe Anpassungsfähigkeit,
sowie eine effektive wirtschaftspolitische Steuerung.
Zypern profitiert dabei von seiner Rolle als Dienstleistungs-, Investitions- und Finanzstandort, aber auch von einer zunehmend diversifizierten Wirtschaftsstruktur.
3. Zentrale Wachstumstreiber: Die Stärke der Binnenwirtschaft
Der wichtigste Wachstumsmotor bleibt die Binnenwirtschaft. Mehrere Faktoren wirken hier gleichzeitig stabilisierend:
Angespannter Arbeitsmarkt und hohe Beschäftigung
Zypern verzeichnet weiterhin einen engen Arbeitsmarkt mit niedriger Arbeitslosigkeit. Eine hohe Beschäftigungsquote stärkt die Kaufkraft der Haushalte und sorgt für stabile Konsumnachfrage – ein zentraler Pfeiler des Wirtschaftswachstums.
Disinflation und sinkender Preisdruck
Nach den inflationsbedingten Belastungen der vergangenen Jahre hat sich der Preisdruck deutlich entspannt. Diese Disinflation wirkt wie ein realer Einkommenszuwachs für Haushalte und erhöht den finanziellen Spielraum für Konsum und Investitionen.
Hohes wirtschaftliches Vertrauen
Sowohl Verbraucher- als auch Unternehmensindikatoren zeigen ein hohes Maß an Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung. Dieses Vertrauen ist entscheidend für Investitionsentscheidungen, Neueinstellungen und langfristige Projekte.
Kreditwachstum bei sinkenden Zinsen
Ein weiterer Impuls geht vom kräftigen Wachstum neuer Kredite aus. Sinkende Zinsen erleichtern die Finanzierung von:
Unternehmensinvestitionen,
Immobilienprojekten,
Infrastrukturmaßnahmen,
sowie privaten Konsumvorhaben.
Gerade in einer kapitalintensiven Volkswirtschaft wie Zypern ist dieser Faktor von großer Bedeutung.
4. Externe Einflüsse: Kein Rückenwind, aber Stabilität
Trotz globaler Unsicherheiten bleibt das externe Umfeld für Zypern insgesamt tragfähig. Zwar ist kein starker Rückenwind zu erwarten, doch mehrere Faktoren wirken stabilisierend:
Moderate Entwicklung der Handelspartner
Die wichtigsten Handelspartner Zyperns – insbesondere in der EU – zeigen ein stetiges, wenn auch moderates Wachstum. Damit bleiben Exportnachfrage, Tourismusströme und Dienstleistungsumsätze auf solidem Niveau.
Positive Signale von den Finanzmärkten
Die robuste Entwicklung internationaler Aktienmärkte deutet auf eine gewisse Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft hin. Für Zypern als international vernetzten Finanz- und Unternehmensstandort ist dies ein relevanter Vertrauensindikator.
Auch wenn geopolitische Risiken bestehen bleiben, ist das internationale Umfeld derzeit nicht restriktiv genug, um den zypriotischen Wachstumspfad grundlegend zu gefährden.
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Mehr Informationen5. Inflation: Gedämpft, aber allmählich anziehend
Ein zentrales Thema der Prognose ist die Inflationsentwicklung. Das ERC erwartet:
0,1 % Inflation im Jahr 2025,
0,8 % im Jahr 2026,
1,4 % im Jahr 2027.
Damit bleibt die Inflation auch mittelfristig moderat und klar unterhalb kritischer Schwellen.
Besonders hervorzuheben ist, dass die Inflationsprognose für 2026 gegenüber der Oktober-Schätzung um 1,2 Prozentpunkte nach unten korrigiert wurde. Gründe hierfür sind:
zweistellige Rückgänge der internationalen Ölpreise im Jahr 2025,
sinkende globale Lebensmittelpreise im vierten Quartal 2025,
eine Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar, die importierte Inflation dämpft.
Diese Faktoren haben kurzfristig für Entlastung gesorgt und den Preisauftrieb deutlich abgeschwächt.
6. Risiken: Asymmetrisches Bild
Trotz des insgesamt positiven Ausblicks weist das ERC auf eine asymmetrische Risikolage hin:
Wachstumsrisiken – eher nach unten
Die größten Risiken für das Wachstum liegen im externen Umfeld. Eine unerwartete Abschwächung der Handelspartnerökonomien oder neue geopolitische Spannungen könnten:
Exporte belasten,
Investitionen verzögern,
oder den Tourismussektor beeinträchtigen.
Inflationsrisiken – eher nach oben
Auf der Inflationsseite bestehen dagegen Aufwärtsrisiken, insbesondere durch:
eine weiterhin sehr starke Binnenkonjunktur,
den engen Arbeitsmarkt, der Lohnsteigerungen begünstigt.
Sollten diese Effekte dominieren, könnte der Preisauftrieb schneller anziehen als derzeit prognostiziert.
7. Gesamtbewertung: Ein klarer Standortvorteil
In der Gesamtschau ergibt sich ein bemerkenswert stabiles makroökonomisches Bild:
überdurchschnittliches Wirtschaftswachstum,
moderate Inflation,
starke Binnenwirtschaft,
hohe Planungssicherheit.
Gerade im Vergleich zu vielen anderen EU-Staaten ist dies kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis struktureller Anpassungen, wirtschaftspolitischer Stabilität und internationaler Positionierung.
Nüchtern betrachtet stellt diese Kombination einen klaren Standortvorteil dar – für Unternehmen, Investoren, Fachkräfte und langfristige Projekte.
Fazit
Zypern geht mit soliden Fundamenten in die Jahre 2026 und 2027. Das Wachstum bleibt robust, die Inflation kontrolliert, und die Binnenwirtschaft trägt die Hauptlast der Expansion. In einer Zeit globaler Unsicherheit ist diese Stabilität kein Zufall, sondern ein strategischer Vorteil.
Oder anders gesagt:
Während andere Volkswirtschaften noch nach Orientierung suchen, wächst Zypern – ruhig, stetig und bemerkenswert planbar.
Quelle: Cyprus News Agency (CNA)
