Zypern setzt auf Haushaltsdisziplin, Reformen und Zukunftsinvestitionen
Die Republik Zypern will ihren Kurs einer vorsichtigen, wachstumsorientierten Finanzpolitik konsequent fortsetzen. Das betonte die stellvertretende Ministerin beim Präsidenten, Irene Piki, am Dienstag in ihrer Rede auf der EU IFI Network Thematic Conference 2026 in Nikosia, die vom zypriotischen Fiskalrat organisiert wurde. Im Mittelpunkt der Konferenz stand die Frage, wie eine verantwortungsvolle Fiskalpolitik in Zeiten tiefgreifender Veränderungen gestaltet werden kann – ein Thema, das laut Piki „den Kern dessen trifft, was Bürgerinnen und Bürger von der Politik erwarten: Stabilität, Glaubwürdigkeit und die Sicherheit, dass heutige Entscheidungen den Wohlstand von morgen schützen“.
Wachstum trotz schwieriger globaler Rahmenbedingungen
Trotz eines herausfordernden internationalen Umfelds gehört Zypern weiterhin zu den besser performenden Volkswirtschaften der Europäischen Union. Für das Jahr 2025 wird ein Wirtschaftswachstum von rund 4 % erwartet – eine Fortsetzung eines robusten, mehrjährigen Wachstumstrends. Damit hebt sich das Land positiv von vielen anderen EU-Staaten ab, die unter schwächerem Wachstum, strukturellen Problemen oder hoher Verschuldung leiden.
Besonders bemerkenswert ist laut Piki die Entwicklung am Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosigkeit befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit 2008. Dies sei Ausdruck eines dynamischen Arbeitsmarktes und neuer Chancen für die Bevölkerung. In nüchternen Zahlen übersetzt heißt das: Wachstum ist in Zypern nicht nur statistisch sichtbar, sondern schlägt sich zunehmend in Beschäftigung und Einkommen nieder.
Öffentliche Finanzen auf solidem Fundament
Ein zentrales Thema der Rede war der Zustand der öffentlichen Finanzen. Piki bezeichnete diese als „grundsätzlich gesund“. Hohe Primärüberschüsse und kontinuierliches Wachstum sorgten dafür, dass die Staatsverschuldung auf einem klaren Abwärtspfad sei. Nach aktuellen Schätzungen dürfte die Schuldenquote bis Ende 2026 knapp über 50 % des Bruttoinlandsprodukts liegen.
Diese Entwicklung wird auch durch Daten von Eurostat bestätigt. Demnach rangiert Zypern auf Platz drei innerhalb der EU, was den Rückgang der öffentlichen Verschuldung betrifft. Besonders hervorzuheben ist dabei, dass dieser Schuldenabbau von einem bereits vergleichsweise niedrigen Ausgangsniveau aus erfolgt. Das stärkt die fiskalische Glaubwürdigkeit des Landes und hebt Zypern innerhalb der Eurozone positiv hervor.
Kein Zufall, sondern Ergebnis konsequenter Politik
Diese Ergebnisse seien, so Piki, keineswegs zufällig. Sie seien vielmehr das Resultat einer disziplinierten Haushaltsführung, rechtzeitig umgesetzter Reformen und eines klaren Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Resilienz. Diese Politik werde auch international anerkannt: Alle großen Ratingagenturen haben Zypern mittlerweile in die Ratingkategorie A hochgestuft.
Erst kürzlich habe auch die Ratingagentur Scope Ratings die Bonität des Landes erneut verbessert – von A- auf A. Solche Aufwertungen sind mehr als symbolische Erfolge: Sie senken die Finanzierungskosten des Staates, erhöhen das Vertrauen internationaler Investoren und schaffen zusätzlichen fiskalischen Spielraum.
Neues EU-Governance-Rahmenwerk als Chance
Piki verwies zudem auf das neue wirtschaftspolitische Steuerungsrahmenwerk der EU, das Zypern helfe, diesen Kurs beizubehalten. Die neuen Regeln seien klarer und realistischer, da sie stärker auf Schuldentragfähigkeit und beherrschbare Defizite abstellten. Gleichzeitig gäben sie den Mitgliedstaaten mehr Verantwortung für ihre eigenen mittelfristigen Finanzpläne.
Für Zypern bedeute dies vor allem:
glaubwürdige mehrjährige Haushaltsplanung,
planbare und verlässliche Wirtschaftspolitik,
fiskalischer Spielraum, der durch Reformen verdient und nicht durch neue Schulden erkauft wird.
„So halten wir das Vertrauen von Haushalten, Unternehmen und Investoren hoch“, betonte Piki.
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Mehr InformationenFiskalische Vorsicht und Reformen als Doppelstrategie
Der mittelfristige Ausblick für Zypern bleibt laut der stellvertretenden Ministerin positiv – auch wenn Risiken bestehen bleiben. Gerade deshalb müsse Haushaltsdisziplin Hand in Hand mit Reformen gehen. Jeder Euro, der durch Effizienzsteigerungen eingespart werde, könne in Menschen und Zukunft investiert werden.
Diese Logik sei einfach, aber wirkungsvoll: Verantwortung zieht Investitionen an, und Investitionen wiederum stärken die Verantwortung – durch höheres Wachstum, steigende Staatseinnahmen und geringere Risikoprämien. Auf diese Weise lasse sich in bessere Schulen und Universitäten, eine schnellere Digitalisierung, saubere Energie, widerstandsfähige Infrastruktur und eine wirksame Sozialpolitik investieren.
Rolle des Fiskalrats und institutionelle Qualität
Besondere Bedeutung maß Piki den unabhängigen fiskalischen Institutionen bei. Die Einschätzungen und Empfehlungen des zypriotischen Fiskalrats würden ernst genommen und flössen in politische Entscheidungen ein. Solche Institutionen leisteten mehr als bloße Kontrolle der Regelkonformität: Sie erklärten fiskalische Entscheidungen verständlich und trügen so zur Vertrauensbildung in der Gesellschaft bei.
Gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheit, klimatischer Herausforderungen und demografischer Veränderungen sei die Qualität der Institutionen entscheidend. Konsistente Regeln, transparente Entscheidungsprozesse und kontinuierliche Evaluierung seien keine technokratischen Details, sondern zentrale Voraussetzungen für wirtschaftliche Stabilität.
Zyperns EU-Ratspräsidentschaft: Verantwortung über die Landesgrenzen hinaus
Mit Blick auf die aktuelle Ratspräsidentschaft unterstrich Piki, dass Zypern entschlossen sei, eine konstruktive und zukunftsorientierte Agenda voranzubringen. Ziel sei es, fiskalische Stabilität zu stärken und nachhaltiges Wachstum in der gesamten EU zu fördern.
Die Präsidentschaft biete die Gelegenheit, sich für Politiken einzusetzen, die wirtschaftliche Resilienz erhöhen, die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten vertiefen und sicherstellen, dass fiskalische Verantwortung konkrete Vorteile für die Bürgerinnen und Bürger in ganz Europa bringt.
Investitionen in die langfristigen Wachstumstreiber
Abschließend bekräftigte Piki, dass Zypern seinen Kurs beibehalten werde: vorsichtige, wachstumsfreundliche Finanzpolitik, Schuldenabbau, Aufbau von Puffern für zukünftige Schocks und ein offener, transparenter Umgang mit den Empfehlungen des Fiskalrats – auch dann, wenn diese unbequem seien.
Gleichzeitig werde das Land weiter in die Treiber des langfristigen Wohlstands investieren:
Bildung und Qualifikation,
Forschung und Innovation,
grüne und digitale Transformation,
moderne, leistungsfähige öffentliche Dienstleistungen.
So sollen die Früchte des Wachstums breit in der Gesellschaft ankommen und Zypern seine Rolle als stabiler, glaubwürdiger Akteur in der Region weiter festigen.
Einordnung
Nüchtern betrachtet zeichnet Pikis Rede das Bild eines kleinen EU-Staates, der aus früheren Krisen gelernt hat. Zypern setzt nicht auf kurzfristige fiskalische Experimente, sondern auf institutionelle Stärke, Haushaltsdisziplin und strategische Investitionen. In einer Zeit, in der viele Länder zwischen Sparzwang und Ausgabenpolitik schwanken, wirkt dieser Ansatz unspektakulär – aber gerade darin liegt seine Stärke.
Quelle: Cyprus News Agency (CNA)
