„Connectivity ist unsere Lebensader“: Zypern setzt in Genf auf resiliente, multimodale Verbindungen

„Connectivity ist unsere Lebensader“: Zypern setzt in Genf auf resiliente, multimodale Verbindungen

Für ein Land wie Zypern ist „Connectivity“ keine hübsche Formulierung in einem Strategiepapier, sondern eine Frage des täglichen Funktionierens. Genau das brachte Marina Ioannou Hasapi, Permanent Secretary des zypriotischen Ministeriums für Verkehr, Kommunikation und öffentliche Arbeiten, bei der 88. Jahressitzung des Inland Transport Committee (ITC 88) der UNECE in Genf auf den Punkt: „Connectivity is not a policy slogan; it is our lifeline.“

Der Satz wirkt so klar, weil er die geographische und infrastrukturelle Realität Zyperns ungeschminkt beschreibt: ein Inselstaat in der EU, ohne Eisenbahnnetz und ohne Landverbindungen zu Nachbarländern. Wenn Verbindungen funktionieren, läuft der Staat. Wenn sie schwächeln, wird aus Logistik schnell Politik – und aus Politik schnell Alltag: Preise, Versorgung, Mobilität, Wettbewerbsfähigkeit.

Ioannou Hasapi vertrat Zypern bei den Sitzungen in Genf vom 17. bis 20. Februar 2026. Sie nahm sowohl an der „Governments-only Restricted Session“ der UNECE-Mitgliedstaaten als auch am High-Level Segment im Palais des Nations teil.


Warum Genf für Zypern mehr ist als Konferenz-Tourismus

Die UNECE (UN Economic Commission for Europe) ist nicht irgendein Forum, sondern eine der zentralen Plattformen für internationale Verkehrsregeln, Standards und Konventionen, die den grenzüberschreitenden Transport überhaupt erst kompatibel und sicher machen. Die Jahressitzung des Inland Transport Committee bündelt dabei Themen, die vom „Backbone“ globaler Lieferketten bis zu Innovation, Daten und Regulierungsfragen reichen.

Gerade für Zypern ist das wichtig: Wenn man nicht „mal eben über Land“ ausweichen kann, werden Seeverbindungen, Luftkorridore, Hafen- und Flughafenkapazitäten sowie reibungslose Zoll- und Standardprozesse zum wirtschaftlichen Nervensystem. Connectivity ist hier weniger „nice to have“ und mehr „ohne das wird es teuer“.


Ministerial Panel III: Connectivity, Mobility and Trade – und der zypriotische Blick

Ioannou Hasapi sprach im Rahmen von Ministerial Panel III zu Connectivity, Mobility and Trade.
Ihre Botschaft ist doppelt codiert:

  1. Resilienz statt Schönwetter-Optimierung: Verbindungen müssen auch unter Stress funktionieren – geopolitisch, energetisch, logistisch.

  2. Multimodal statt eindimensional: Für Inselstaaten heißt das: See + Luft + digitale Prozesse + interoperable Regeln.

Das Ministerium betonte, dass Zyperns kommende EU-Ratspräsidentschaft eine strategische Agenda „fest“ vorantreibt – mit Fokus auf resiliente und multimodale Konnektivität, regulatorische Kohärenz und die Stärkung der geopolitischen Dimension von Transportpolitik.

Der Begriff „geopolitische Dimension“ ist hier mehr als Modewort. Seit der Pandemie und den folgenden Lieferkettenstörungen ist sichtbar geworden, dass Transport nicht nur Infrastruktur ist, sondern Souveränität: Wer Korridore, Regeln und Standards mitgestaltet, gestaltet Handelsfähigkeit, Krisenreaktion und strategische Autonomie.


„So schnell wie möglich“ reicht nicht – es braucht Regeln, Vertrauen und Interoperabilität

Die Genfer Debatte zeigt: Connectivity ist heute nicht mehr nur ein Thema von Asphalt, Hafenbecken oder Slot-Kapazitäten. Es geht um Regelwerke, Datenflüsse und Interoperabilität. Dass das High-Level Segment unter dem Thema „Driving Innovation for the Future of Inland Transport“ stand, ist kein Zufall.

Dazu passt auch, dass die Programmpunkte explizit Panels zu Infrastructure, Data and Digitalization sowie zu Connectivity, Mobility and Trade vorsehen.
Für Zypern lässt sich das so übersetzen: Selbst wenn man keine Schienen über Grenzen legt, muss man in digitale Korridore investieren – und in die Fähigkeit, sich nahtlos in europäische und internationale Systeme einzuklinken.


Abschluss durch EU-Kommissar Tzitzikostas: Korridore als Rückgrat

Das High-Level Segment endete mit Schlussbemerkungen von Apostolos Tzitzikostas, EU-Kommissar für nachhaltigen Verkehr und Tourismus.
In den begleitenden Veröffentlichungen wird betont, dass zuverlässige Transportkorridore das Rückgrat von Handel und Entwicklung sind und dass Konnektivität multilateral gedacht werden muss.

Für Zypern ist diese EU-Perspektive besonders relevant, weil die Insel – anders als kontinentale Staaten – im Zweifel nicht „umrouten“ kann. Die Robustheit von Korridoren ist für sie nicht nur Exportthema, sondern Importthema: Energie, Waren, Konsumgüter, Ersatzteile, Baustoffe – all das hängt an funktionierenden Verbindungen.

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Bilaterales Treffen mit UNECE-Generalsekretärin Molcean: Kooperation als Hebel

Am Rande der Sitzung traf Ioannou Hasapi gemeinsam mit der zypriotischen UN-Botschafterin in Genf, Olympia Neocleous, die UNECE-Exekutivsekretärin Tatiana Molcean. Dabei wurde die Bedeutung einer starken Zypern–UNECE-Kooperation unterstrichen sowie die Perspektive weiterer Zusammenarbeit bei Transportpolitik, internationalen Regulierungsrahmen und nachhaltiger Konnektivität.

Dieses Treffen ist mehr als Protokoll: Für kleinere Staaten ist die Mitarbeit an internationalen Standards ein Weg, Planbarkeit zu gewinnen. Wenn Regeln klar sind, sinken Transaktionskosten. Wenn Standards kompatibel sind, sinken Reibungsverluste. Und wenn Nachhaltigkeit „mitdefiniert“ wird, kann man eigene Prioritäten besser einbringen – etwa in Fragen der maritimen und luftseitigen Anbindung.


Zypern als Inselstaat: Was „Connectivity“ im Alltag tatsächlich bedeutet

Ioannou Hasapis Satz lässt sich in drei sehr praktische Dimensionen übersetzen:

1) Wirtschaftliche Resilienz

Wenn Transportketten stabil sind, bleiben Preise stabiler, Lieferzeiten kalkulierbarer und Unternehmen wettbewerbsfähiger. Für ein Inselökosystem ist das besonders wichtig, weil der Importanteil strukturell hoch ist.

2) Soziale Mobilität

Konnektivität ist nicht nur Güterfluss. Sie ist auch Menschenfluss: Arbeit, Bildung, Medizin, Familienkontakte. Gerade in Zeiten wachsender internationaler Mobilität wird Erreichbarkeit zu einem Standortfaktor.

3) Geopolitische Stabilität

Im östlichen Mittelmeerraum ist Stabilität keine Selbstverständlichkeit. Wer Verbindungen robust hält, reduziert Verwundbarkeit – wirtschaftlich und politisch.


Die Botschaft zwischen den Zeilen: Multimodal heißt auch „realistisch“

„Resiliente und multimodale Konnektivität“ klingt technisch, ist aber im Kern eine pragmatische Philosophie: nicht auf eine einzige Verbindung setzen. Für Zypern bedeutet das typischerweise:

  • Häfen als Lieferknoten (inkl. Hinterlandlogik, Lagerung, Zollprozesse)

  • Flughäfen als Lebensader für Personenverkehr, High-Value-Güter und Zeitkritisches

  • Digitale Systeme, die Verwaltung, Handel und Grenzprozesse beschleunigen

  • Regulatorische Kohärenz, damit die Schnittstellen nicht zum Flaschenhals werden

Das ist keine romantische Vision – eher das Gegenteil: die nüchterne Erkenntnis, dass Inseln nicht über Land ausweichen können. Wer da noch „Connectivity“ als Slogan behandelt, bekommt früher oder später eine sehr reale Rechnung.


Fazit: Zypern macht aus Transportpolitik ein strategisches Thema – zurecht

Die Teilnahme Zyperns am ITC 88 in Genf zeigt eine klare Linie: Die Insel will Connectivity nicht nur „haben“, sondern strategisch gestalten – über internationale Regeln, über Kooperationen und über eine EU-Agenda, die Resilienz, Multimodalität und Geopolitik zusammen denkt.

Dass Ioannou Hasapi den Satz „Connectivity is our lifeline“ so prominent setzt, ist nicht Rhetorik – es ist Standortrealismus. Für Zypern ist Konnektivität kein Extra. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Wirtschaft, Alltag und europäische Integration nicht ins Stocken geraten. Und gerade deshalb wirkt der Satz so überzeugend: Er ist kein PR-Claim – er ist Geografie.

 
Quelle: Cyprus News Agency (CNA)
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