Höhere Importe überwiegen Exportzuwächse – strukturelle Abhängigkeiten bleiben sichtbar
Der zypriotische Außenhandel zeigt in den ersten elf Monaten des Jahres 2025 ein gemischtes Bild. Zwar konnten die Warenexporte zulegen, doch der stärkere Anstieg der Importe führte zu einer Ausweitung des Handelsdefizits. Nach Angaben der Cyprus Statistical Service belief sich das Defizit im Zeitraum Januar–November 2025 auf 7,284 Mrd. Euro, nach 6,385 Mrd. Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Damit erhöhte sich das Handelsbilanzdefizit um rund 900 Mio. Euro – ein Befund, der die strukturellen Besonderheiten der zypriotischen Volkswirtschaft widerspiegelt.
1. Gesamtüberblick Januar–November 2025
Im Zeitraum Januar bis November 2025 entwickelten sich die Außenhandelsströme wie folgt:
Gesamtimporte:
12,309,7 Mio. Euro
(+9,9 % gegenüber 2024)Gesamtexporte:
5,025,4 Mio. Euro
(+4,5 % gegenüber 2024)Handelsdefizit:
7,284,3 Mio. Euro
(2024: 6,385,1 Mio. Euro)
Der stärkere Importanstieg im Vergleich zu den Exporten erklärt die deutliche Ausweitung des Defizits.
2. November 2025: Vorläufige Daten mit gegensätzlichen Bewegungen
2.1 Importe: Spürbarer Rückgang
Die Gesamtimporte von Waren beliefen sich im November 2025 auf 1,038,4 Mio. Euro, gegenüber 1,161,4 Mio. Euro im November 2024 – ein Rückgang von 10,6 %.
Aufgeschlüsselt nach Herkunft:
EU-Mitgliedstaaten:
595,7 Mio. Euro (2024: 657,5 Mio. Euro)Drittländer:
442,7 Mio. Euro (2024: 503,9 Mio. Euro)
Die Novemberzahlen enthalten zudem Übertragungen des wirtschaftlichen Eigentums an Schiffen im Wert von 10,0 Mio. Euro, nach 138,7 Mio. Euro im Vorjahresmonat – ein wesentlicher Faktor für den starken Rückgang.
2.2 Exporte: Moderates Wachstum
Die Gesamtexporte von Waren erreichten im November 2025 407,1 Mio. Euro, gegenüber 382,9 Mio. Euro im November 2024 – ein Anstieg von 6,3 %.
Exporte in die EU:
106,5 Mio. Euro (2024: 83,1 Mio. Euro)Exporte in Drittländer:
300,6 Mio. Euro (2024: 299,8 Mio. Euro)
Auch hier spielten Schiffstransaktionen eine Rolle: Der Wert der übertragenen wirtschaftlichen Eigentumsrechte an Schiffen belief sich auf 42,6 Mio. Euro, nach 55,5 Mio. Euro im November 2024.
3. Oktober 2025: Endgültige Daten bestätigen Abschwächung
3.1 Importe
Im Oktober 2025 lagen die Warenimporte bei 1,153,8 Mio. Euro, verglichen mit 1,266,5 Mio. Euro im Oktober 2024 – ein Rückgang von 8,9 %.
3.2 Exporte inländischer Produkte
Die Exporte inländisch erzeugter Produkte (inkl. Bordvorräte für Schiffe und Flugzeuge) beliefen sich auf:
247,7 Mio. Euro im Oktober 2025
296,4 Mio. Euro im Oktober 2024
Dies entspricht einem Rückgang von 16,4 %.
Ohne Bordvorräte:
Industrieprodukte:
238,7 Mio. Euro (2024: 289,0 Mio. Euro)Agrarprodukte:
7,8 Mio. Euro (2024: 6,1 Mio. Euro)
3.3 Exporte ausländischer Produkte
Die Exporte ausländischer Produkte (inkl. Bordvorräte) lagen bei:
143,3 Mio. Euro im Oktober 2025
150,4 Mio. Euro im Oktober 2024
Dies entspricht einem Rückgang von 4,7 %.
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Mehr Informationen4. Wichtigste Exportgüter: Struktur der zypriotischen Ausfuhren
Für den Zeitraum Januar–Oktober 2025 (ohne Bordvorräte) identifiziert die Statistikbehörde folgende Hauptkategorien inländischer Exporte:
Mineralische Brennstoffe und Öle:
2.000,8 Mio. EuroHalloumi-Käse:
309,7 Mio. EuroPharmazeutische Produkte:
289,7 Mio. Euro
Diese Zusammensetzung zeigt eine starke Konzentration auf wenige, teils volatile Exportsegmente.
5. Einordnung: Wachsendes Defizit trotz solider Exporte
Die Zahlen verdeutlichen eine bekannte strukturelle Herausforderung der zypriotischen Wirtschaft:
hohe Importabhängigkeit
begrenzte industrielle Exportbasis
starke Einmaleffekte durch Schiffstransaktionen
Zwar entwickeln sich die Exporte insgesamt positiv, sie reichen jedoch nicht aus, um das steigende Importvolumen zu kompensieren – insbesondere in einer Phase robuster Binnenkonjunktur und hoher Investitionstätigkeit.
Schlussbetrachtung
Der Anstieg des Handelsdefizits im Jahr 2025 ist weniger Ausdruck einer Schwäche der Exportwirtschaft als vielmehr das Resultat struktureller Rahmenbedingungen und einer lebhaften inländischen Nachfrage. Kurzfristige Schwankungen – etwa durch Schiffstransfers – verstärken diesen Effekt statistisch.
Oder nüchtern formuliert:
Zypern exportiert mehr, importiert aber noch schneller – und bezahlt damit den Preis einer offenen, konsum- und importabhängigen Volkswirtschaft.
Quelle: Cyprus News Agency (CNA)
