Alternde Gebäude

Alternde Gebäude als Risiko: ETEK fordert nationale Strategie für regelmäßige Kontrollen und Erdbebensicherheit in Zypern

  • ETEK warnt, dass die Alterung des Gebäudebestands eine der größten Herausforderungen Zyperns ist und die Erdbebensicherheit stärker in den Fokus rücken muss.
  • Gebäude nach 2012 bieten laut Platonas Stylianou hohen seismischen Schutz; Gebäude von 1994 bis 2011 sind deutlich sicherer als ältere Bauten vor 1994.
  • Besonders gefährdet sind ältere Gebäude, die nicht nach modernen seismischen Standards geplant wurden, sowie Bauten mit Korrosion, Meersalzschäden, unsachgemäßen Umbauten oder mangelhafter Wartung.
  • ETEK fordert eine nationale Politik für regelmäßige Inspektion, Bewertung und Wartung von Gebäuden in ganz Zypern.
  • Priorität sollen öffentliche Gebäude, Schulen, Krankenhäuser, Apartmentblocks und andere stark genutzte Strukturen erhalten, um Menschenleben bei künftigen Erdbeben besser zu schützen.

Platonas Stylianou warnt vor Verwundbarkeit älterer Bausubstanz – Prävention, wissenschaftliche Bewertung und Wartung sollen Zyperns Widerstandsfähigkeit gegen Erdbeben stärken

Die Alterung des Gebäudebestands in Zypern zählt zu den größten Herausforderungen des Landes. Darauf weist Platonas Stylianou, Erster Vizepräsident der Cyprus Scientific and Technical Chamber, ETEK, und Präsident des European Council of Civil Engineers, ECCE, hin. In Aussagen gegenüber der Cyprus News Agency forderte er eine nationale Politik für die regelmäßige Inspektion, Bewertung und Wartung von Gebäuden. Ziel müsse es sein, die Widerstandsfähigkeit Zyperns gegenüber Erdbeben zu stärken und das Risiko für Menschenleben deutlich zu reduzieren.

Stylianou verwies dabei auf die jüngsten verheerenden Erdbeben in Venezuela. Diese hätten erneut gezeigt, dass seismische Sicherheit für alle Länder in erdbebengefährdeten Regionen ein zentrales Thema bleibe. Besonders wichtig sei dabei die Erkenntnis, dass große Verluste an Menschenleben häufig nicht allein durch das Erdbeben selbst verursacht würden, sondern durch die Verwundbarkeit von Gebäuden.

Diese Aussage ist für Zypern von erheblicher Bedeutung. Die Insel liegt in einer seismisch aktiven Region. Erdbeben sind zwar nicht täglich spürbar, gehören aber zur geologischen Realität des Landes. Gleichzeitig verfügt Zypern über einen sehr gemischten Gebäudebestand: moderne Neubauten mit aktuellen Standards, Gebäude aus den vergangenen Jahrzehnten, ältere Wohnhäuser, Apartmentblocks, öffentliche Gebäude, Schulen, Krankenhäuser und Strukturen, die nie für heutige Anforderungen ausgelegt wurden.

Stylianou machte deutlich, dass Gebäude, die nach 2012 errichtet wurden, ein hohes Maß an seismischem Schutz bieten. Gebäude aus den Jahren 1994 bis 2011 hätten im Vergleich zu Bauwerken vor 1994 eine deutlich verbesserte seismische Leistungsfähigkeit. Besondere Aufmerksamkeit müsse jedoch jenen Gebäuden gelten, die nicht nach modernen seismischen Normen entworfen wurden.

Erdbeben töten nicht allein – Gebäudeversagen ist entscheidend

Eine der wichtigsten Aussagen Stylianous lautet: Große Verluste an Menschenleben entstehen nicht nur durch Erdbeben, sondern durch die Verwundbarkeit von Gebäuden. Diese Erkenntnis ist international gut bekannt und dennoch politisch oft schwer umzusetzen. Ein Erdbeben ist ein Naturereignis. Der Einsturz eines schlecht gewarteten oder unzureichend konstruierten Gebäudes ist dagegen häufig das Ergebnis menschlicher Entscheidungen, alter Standards, mangelnder Kontrolle oder versäumter Wartung.

In erdbebengefährdeten Regionen ist daher nicht allein die Stärke eines Bebens entscheidend. Entscheidend ist auch, wie Gebäude darauf reagieren. Ein moderner, gut geplanter und regelmäßig gewarteter Bau kann erhebliche seismische Belastungen besser überstehen. Ein altes, geschwächtes oder baulich verändertes Gebäude kann dagegen bereits bei geringeren Belastungen gefährlich werden.

Für Zypern bedeutet dies: Erdbebenschutz ist nicht nur eine Frage des Katastrophenschutzes, sondern eine Frage der Baupolitik, Stadtplanung, öffentlichen Sicherheit, Ingenieurwissenschaft und Verwaltung. Wer erst nach einem schweren Beben über Gebäudezustand, Statik und Wartung spricht, kommt zu spät.

Prävention ist daher der Kern der Forderung von ETEK. Regelmäßige Inspektionen, fachliche Bewertungen und ordnungsgemäße Wartung können Risiken früh erkennen, bevor sie im Ernstfall zu Tragödien werden.

Der Gebäudebestand altert – und mit ihm die Risiken

Zyperns Gebäudebestand ist über viele Jahrzehnte gewachsen. Viele Häuser, Apartmentblocks und öffentliche Gebäude stammen aus Zeiten, in denen andere Bauvorschriften galten oder seismische Risiken weniger streng berücksichtigt wurden. Andere Gebäude wurden zwar nach besseren Standards errichtet, sind aber inzwischen durch Alterung, Umwelteinflüsse oder Veränderungen geschwächt.

Stylianou nennt mehrere Faktoren, die die Widerstandsfähigkeit bestehender Strukturen erheblich reduzieren können: der Lauf der Zeit, Korrosion, Umwelteinflüsse, insbesondere in Küstenstädten durch Meersalz, bauliche Veränderungen ohne angemessene ingenieurtechnische Studien sowie unzureichende Wartung.

Diese Faktoren wirken oft schleichend. Ein Gebäude sieht von außen vielleicht solide aus, während im Inneren Beton, Bewehrung, Tragstrukturen oder Verbindungen bereits geschwächt sind. Gerade Korrosion ist gefährlich, weil sie lange unsichtbar bleiben kann. Wenn Stahlbewehrung im Beton rostet, verliert sie an Tragfähigkeit und kann den Beton sprengen. In Küstennähe beschleunigt salzhaltige Luft solche Prozesse.

Zypern hat viele Küstenstädte und Küstengemeinden. Limassol, Larnaka, Paphos, Paralimni, Ayia Napa und andere Orte liegen in unmittelbarer Nähe zum Meer. Dort sind Gebäude stärker salzhaltiger Luft, Feuchtigkeit und Umwelteinflüssen ausgesetzt. Das mediterrane Klima ist schön fürs Leben, aber nicht immer freundlich zur Bausubstanz.

Moderne Standards seit 2012 bieten hohen Schutz

Stylianou erklärte, Gebäude, die nach 2012 gebaut wurden, böten ein hohes Maß an seismischem Schutz. Diese Einschätzung ist beruhigend für neuere Bauwerke. Moderne Standards berücksichtigen seismische Belastungen deutlich stärker als ältere Regelwerke. Bauingenieure, Statiker und Behörden verfügen heute über bessere Kenntnisse, bessere Normen und bessere Berechnungsmethoden.

Das bedeutet jedoch nicht, dass neue Gebäude niemals geprüft oder gewartet werden müssen. Auch moderne Bauwerke können durch schlechte Ausführung, spätere Veränderungen, Umwelteinflüsse oder mangelhafte Wartung geschwächt werden. Stylianou betonte ausdrücklich, dass Widerstandsfähigkeit unabhängig vom Baujahr durch Zeit, Korrosion, unsachgemäße Änderungen und fehlende Pflege reduziert werden kann.

Dennoch ist die Unterscheidung nach Bauperioden wichtig. Sie hilft, Prioritäten zu setzen. Gebäude nach 2012 haben im Allgemeinen ein höheres Sicherheitsniveau. Gebäude zwischen 1994 und 2011 sind deutlich besser als ältere Bauwerke, aber möglicherweise nicht auf dem Niveau neuester Standards. Gebäude vor 1994 benötigen besondere Aufmerksamkeit, vor allem wenn sie nie umfassend überprüft, verstärkt oder fachgerecht gewartet wurden.

Gebäude vor 1994 im besonderen Fokus

Besondere Sorge gilt den Strukturen, die vor 1994 errichtet wurden oder nicht nach modernen seismischen Standards geplant wurden. In vielen Ländern markieren neue Bauvorschriften oder seismische Normen wichtige Wendepunkte. Gebäude, die davor gebaut wurden, entsprechen oft nicht den Anforderungen, die heute als notwendig gelten.

Das bedeutet nicht automatisch, dass jedes ältere Gebäude gefährlich ist. Viele ältere Gebäude können solide sein, wenn sie gut gebaut, gut erhalten und nicht ungünstig verändert wurden. Doch ohne Inspektion lässt sich das nicht sicher beurteilen. Genau deshalb fordert ETEK eine nationale Politik für regelmäßige Inspektion und Bewertung.

Ein besonderes Problem sind ältere Apartmentblocks. Viele Menschen wohnen in Mehrfamilienhäusern, die Jahrzehnte alt sind. Eigentumsstrukturen sind oft komplex. Entscheidungen über Wartung, Reparaturen oder Verstärkungen müssen zwischen vielen Eigentümern abgestimmt werden. Dadurch werden notwendige Maßnahmen manchmal verschoben.

Auch öffentliche Gebäude, Schulen und Krankenhäuser verdienen besondere Aufmerksamkeit. Dort halten sich viele Menschen auf, und ihre Funktionsfähigkeit ist im Krisenfall entscheidend. Ein Krankenhaus muss nach einem Erdbeben nicht nur stehen bleiben, sondern weiter arbeiten können. Eine Schule muss Kinder schützen. Ein öffentliches Gebäude darf nicht selbst zum Risiko werden.

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Küstenkorrosion als unterschätzte Gefahr

Ein besonders wichtiger Punkt in Stylianous Aussagen betrifft Küstenstädte. Gebäude in Küstennähe sind durch Meersalz stärker belastet. Salz kann in Beton eindringen, die Stahlbewehrung angreifen und Korrosion beschleunigen. Dies ist ein langsamer, aber gefährlicher Prozess.

Für eine Insel wie Zypern ist das Thema zentral. Viele Menschen leben an oder nahe der Küste. Viele Immobilien wurden in Küstenlagen errichtet, oft mit Blick auf Meer, Tourismus, Wohnqualität und Investitionsattraktivität. Doch die Nähe zum Meer bringt technische Herausforderungen mit sich.

Regelmäßige Inspektionen könnten hier besonders wichtig sein. Sie können Anzeichen von Korrosion, Rissen, Abplatzungen, Feuchtigkeitsschäden oder strukturellen Schwächen früh erkennen. Werden solche Probleme rechtzeitig behandelt, lassen sich größere Schäden und hohe Kosten vermeiden.

Vernachlässigte Wartung kann dagegen teuer und gefährlich werden. Kleine Risse werden größer. Feuchtigkeit dringt ein. Stahl rostet. Beton verliert Halt. Am Ende steht eine Sanierung, die viel teurer ist als frühzeitige Pflege – oder im schlimmsten Fall ein Sicherheitsrisiko.

Unsachgemäße Umbauten schwächen Strukturen

Stylianou warnte auch vor Veränderungen, die ohne ordnungsgemäße ingenieurtechnische Studien vorgenommen wurden. Das ist ein besonders praktisches Problem. In vielen Gebäuden werden im Laufe der Jahre Wände entfernt, Balkone geschlossen, Geschäfte umgebaut, zusätzliche Lasten eingebracht, Öffnungen geschaffen oder technische Installationen verändert.

Nicht jede Veränderung ist gefährlich. Aber Eingriffe in tragende Strukturen können erhebliche Folgen haben, wenn sie nicht von Fachleuten geprüft werden. Eine Wand, die für einen Eigentümer nur im Weg steht, kann statisch wichtig sein. Ein Durchbruch, der optisch harmlos wirkt, kann die Lastverteilung verändern. Eine zusätzliche Konstruktion auf dem Dach kann die Belastung erhöhen.

Gerade bei älteren Gebäuden ist Vorsicht geboten. Wenn ursprüngliche Pläne fehlen oder frühere Änderungen nicht dokumentiert sind, wird die Bewertung schwieriger. Deshalb sind professionelle Inspektionen und ingenieurtechnische Studien entscheidend.

Bauen ist eben nicht nur Geschmackssache. Manchmal entscheidet nicht die schönere offene Küche, sondern die Frage, ob die darüberliegenden Stockwerke auch weiterhin dort bleiben, wo sie hingehören.

Wartung als Sicherheitsfrage

Wartung wird oft als lästige Kostenposition betrachtet. Doch bei Gebäuden ist Wartung eine Sicherheitsfrage. Dächer, Fassaden, tragende Elemente, Beton, Stahl, Fundamente, Feuchtigkeitsschutz, Entwässerung und technische Anlagen müssen regelmäßig überprüft werden.

Unzureichende Wartung kann die Lebensdauer eines Gebäudes verkürzen und seine Widerstandsfähigkeit reduzieren. Bei Erdbeben kann dies entscheidend sein. Ein gut gewartetes Gebäude hat bessere Chancen, Belastungen zu überstehen. Ein vernachlässigtes Gebäude kann im Ernstfall versagen.

ETEKs Forderung nach einer nationalen Politik für Inspektion, Bewertung und Wartung zielt genau darauf ab, Wartung nicht länger dem Zufall oder der individuellen Zahlungsbereitschaft zu überlassen. Sie soll systematisiert werden.

Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass jedes Gebäude sofort teuer saniert werden muss. Zunächst geht es um Wissen: In welchem Zustand ist das Gebäude? Wo bestehen Risiken? Welche Maßnahmen sind dringend? Welche können geplant werden? Welche Gebäude haben Priorität?

Ohne regelmäßige Bewertung bleibt vieles unsichtbar.

Nationale Politik statt Einzelreaktionen

Stylianou fordert eine nationale Politik. Das ist entscheidend. Einzelne Eigentümer, Gemeinden oder Behörden können zwar Maßnahmen ergreifen, doch die Herausforderung betrifft das ganze Land. Ein nationaler Rahmen könnte Standards festlegen, Prioritäten definieren, Zuständigkeiten klären und langfristige Programme ermöglichen.

Eine solche Politik könnte mehrere Elemente enthalten: regelmäßige technische Inspektionen, Risikoklassifizierung von Gebäuden, Priorisierung kritischer Infrastruktur, Förderprogramme für Sanierungen, Vorgaben für Apartmentblocks, digitale Gebäuderegister, Schulung von Fachleuten, Informationskampagnen und klare Regeln für bauliche Veränderungen.

Ziel müsste sein, vom reaktiven zum präventiven Modell zu wechseln. Nicht erst handeln, wenn Schäden sichtbar sind oder ein Erdbeben stattgefunden hat, sondern Risiken vorher erkennen und reduzieren.

Internationale Erfahrung zeigt, dass Prävention wirksamer und langfristig günstiger ist als Katastrophenbewältigung. Nach einem schweren Erdbeben sind Kosten, Leid und Wiederaufbau enorm. Vorbeugung ist weniger sichtbar, aber viel wirkungsvoller.

Priorität für öffentliche Gebäude, Schulen und Krankenhäuser

ETEK fordert, dass öffentliche Gebäude, Schulen, Krankenhäuser, Apartmentblocks und andere Strukturen mit vielen Menschen Priorität erhalten. Diese Priorisierung ist sinnvoll.

Öffentliche Gebäude werden täglich von Bürgern genutzt. Schulen beherbergen Kinder und Lehrpersonal. Krankenhäuser sind im Katastrophenfall unverzichtbar. Apartmentblocks können bei einem Einsturz viele Menschen gleichzeitig gefährden. Gebäude mit hoher Belegung müssen daher besonders sorgfältig bewertet werden.

Schulen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Eltern müssen sicher sein können, dass Kinder in Gebäuden lernen, die überprüft und sicher sind. Krankenhäuser müssen nicht nur Patienten schützen, sondern nach einem Erdbeben weiter funktionieren. Wenn ein Krankenhaus selbst beschädigt wird, verschärft sich die Katastrophe.

Apartmentblocks sind ebenfalls kritisch. In ihnen leben viele Menschen auf engem Raum. Bei älteren Gebäuden können Schäden große Auswirkungen haben. Zudem erschweren gemeinschaftliche Eigentumsstrukturen oft schnelle Entscheidungen. Eine nationale Politik könnte hier helfen, klare Verfahren und Unterstützung zu schaffen.

Resilienz als neues Leitbild

Stylianou spricht von der Stärkung der Resilienz Zyperns gegenüber künftigen Erdbeben. Resilienz bedeutet Widerstandsfähigkeit. Ein resilientes Land kann Schocks besser verkraften, Schäden reduzieren und schneller wieder funktionsfähig werden.

Im Gebäudebereich bedeutet Resilienz nicht, dass keine Schäden entstehen. Es bedeutet, dass Gebäude so geplant, überprüft und gewartet werden, dass Menschenleben geschützt, kritische Funktionen erhalten und Schäden begrenzt werden.

Resilienz ist ein modernes Leitbild der Bau- und Katastrophenschutzpolitik. Es verbindet Ingenieurwissenschaft, Stadtplanung, Verwaltung, Eigentümerverantwortung und öffentliche Sicherheit. Für Zypern sollte es angesichts seismischer Risiken, alternder Gebäude und Küstenbelastung eine zentrale Rolle spielen.

Venezuela als Mahnung

Die Pressemitteilung verweist auf die jüngsten verheerenden Erdbeben in Venezuela. Stylianou sieht darin eine Erinnerung daran, dass seismische Sicherheit für alle erdbebengefährdeten Länder relevant bleibt. Solche Katastrophen zeigen regelmäßig, wie unterschiedlich die Folgen eines Erdbebens ausfallen können – je nach Bauqualität, Vorbereitung und institutioneller Vorsorge.

Ein starkes Beben kann in einem Land viele Gebäude zerstören und zahlreiche Menschenleben kosten, während ein vergleichbares Ereignis in einem besser vorbereiteten Land deutlich geringere Opferzahlen verursacht. Der Unterschied liegt oft in Bauvorschriften, Durchsetzung, Wartung und Vorbereitung.

Für Zypern ist die Lehre klar: Man sollte nicht warten, bis ein lokales Ereignis die Dringlichkeit beweist. Internationale Katastrophen können als Warnsignal dienen. Sie zeigen, was passieren kann, wenn Verwundbarkeiten zu lange ignoriert werden.

Rolle von ETEK und Ingenieurwissenschaft

ETEK, die wissenschaftlich-technische Kammer Zyperns, spielt in dieser Debatte eine wichtige Rolle. Als institutionelle Vertretung technischer Fachberufe kann sie wissenschaftliche Expertise in öffentliche Politik einbringen. Platonas Stylianou spricht nicht nur als ETEK-Vizepräsident, sondern auch als Präsident des European Council of Civil Engineers. Seine Einschätzung hat daher fachliches und europäisches Gewicht.

Bau- und Erdbebensicherheit ist ein Bereich, in dem politische Entscheidungen stark auf technische Expertise angewiesen sind. Ingenieure können Risiken bewerten, Standards entwickeln, Gebäude untersuchen und Sanierungsmaßnahmen planen. Politik muss daraus rechtliche, finanzielle und organisatorische Rahmenbedingungen schaffen.

Die Forderung nach einer nationalen Strategie ist daher nicht nur eine Fachmeinung, sondern ein Aufruf zur Zusammenarbeit zwischen Staat, Kommunen, Eigentümern, Ingenieuren und Gesellschaft.

Eigentümerverantwortung und öffentliche Unterstützung

Eine nationale Politik müsste auch die Rolle von Eigentümern berücksichtigen. Gebäude gehören privaten Eigentümern, Unternehmen, Gemeinden, Staat oder Eigentümergemeinschaften. Sicherheit ist jedoch nicht nur eine private Angelegenheit, wenn bei einem Versagen Menschenleben gefährdet sind oder öffentliche Räume betroffen werden.

Bei privaten Gebäuden stellt sich die Frage, wie Inspektionen organisiert und finanziert werden. Bei älteren Apartmentblocks kann dies besonders kompliziert sein. Einige Eigentümer verfügen möglicherweise nicht über ausreichende Mittel für umfassende Sanierungen. Andere wohnen nicht im Gebäude oder sind schwer erreichbar.

Deshalb könnten Förderinstrumente, zinsgünstige Programme oder steuerliche Anreize eine Rolle spielen. Der Staat muss nicht alles bezahlen, aber er kann Rahmenbedingungen schaffen, die Sicherheitsmaßnahmen erleichtern.

Gleichzeitig sollte klar sein: Dauerhaftes Nichtstun ist keine Option. Wenn ein Gebäude viele Menschen gefährdet, muss es Verfahren geben, um Risiken zu reduzieren.

Gebäuderegister und digitale Bewertung

Eine moderne nationale Strategie könnte auch digitale Werkzeuge nutzen. Ein zentrales Gebäuderegister mit Informationen zu Baujahr, Strukturtyp, Nutzung, Inspektionsstatus und Risikokategorie könnte helfen, Prioritäten zu setzen. Solche Daten wären für Behörden, Ingenieure und Katastrophenschutz wertvoll.

Zypern könnte schrittweise erfassen, welche Gebäude besonders kritisch sind: Schulen, Krankenhäuser, öffentliche Gebäude, ältere Apartmentblocks, Gebäude in Küstenzonen, Strukturen mit vielen Nutzern. Daraus könnte ein Inspektionsplan entstehen.

Digitale Systeme ersetzen keine technische Prüfung vor Ort. Aber sie können Transparenz schaffen und verhindern, dass Risiken unbekannt bleiben. Gerade in kleinen Ländern kann eine gut organisierte Datenbasis große Wirkung entfalten.

Sanierung als wirtschaftliche Chance

Die Verbesserung der Gebäudesicherheit ist nicht nur eine Kostenfrage, sondern auch eine wirtschaftliche Chance. Inspektion, Wartung, Sanierung und Verstärkung schaffen Arbeit für Ingenieure, Bauunternehmen, Handwerker, Materiallieferanten und technische Dienstleister.

Wenn Zypern ein nationales Programm für Gebäudebewertung und Instandhaltung entwickelt, kann dies zugleich die Bauwirtschaft in eine qualitativ hochwertige Richtung lenken. Statt nur Neubau zu fördern, würde auch die Pflege und Modernisierung bestehender Bausubstanz an Bedeutung gewinnen.

Das ist auch nachhaltig. Bestehende Gebäude zu erhalten und sicherer zu machen, kann ressourcenschonender sein als Abriss und Neubau. Natürlich hängt dies vom Einzelfall ab. Aber systematische Instandhaltung ist ein wichtiger Bestandteil nachhaltiger Baupolitik.

Zusammenhang mit Klimarisiken

Auch wenn die Pressemitteilung den Fokus auf Erdbeben legt, ist die Alterung von Gebäuden auch im Zusammenhang mit anderen Risiken relevant. Hitze, Feuchtigkeit, Starkregen, Küstenumwelt, Brände und extreme Wetterereignisse können Bausubstanz belasten. Ein Gebäude, das gut gewartet ist, ist nicht nur gegen Erdbeben besser vorbereitet, sondern häufig auch gegen andere Belastungen.

Resilienz sollte daher breit gedacht werden. Erdbebensicherheit ist ein zentraler Aspekt, aber nicht der einzige. Eine nationale Inspektionspolitik könnte langfristig auch andere Sicherheits- und Nachhaltigkeitsthemen berücksichtigen.

Bewusstsein in der Bevölkerung stärken

Technische Politik braucht gesellschaftliche Akzeptanz. Viele Menschen denken erst über Gebäudesicherheit nach, wenn Risse sichtbar werden oder ein Erdbeben stattgefunden hat. Prävention ist schwer zu vermitteln, weil ihr Erfolg darin besteht, dass nichts passiert.

Deshalb braucht es Aufklärung. Eigentümer, Mieter, Schulen, Gemeinden und Unternehmen sollten wissen, warum Inspektionen wichtig sind, welche Warnzeichen ernst genommen werden müssen und warum unsachgemäße Umbauten gefährlich sein können.

Ein besseres Bewusstsein kann dazu führen, dass Menschen Wartung nicht als unnötige Ausgabe betrachten, sondern als Schutz ihres Eigentums und ihrer Familie.

Von der Warnung zur Umsetzung

Stylianous Aussagen sind klar: Zypern braucht regelmäßige Inspektion, Bewertung und Wartung von Gebäuden. Die Frage ist nun, wie daraus konkrete Politik wird. Forderungen nach Prävention sind wichtig, aber sie müssen in Gesetze, Programme, Budgets und Verwaltungsprozesse übersetzt werden.

Eine Umsetzung könnte schrittweise erfolgen. Zuerst könnten besonders kritische Gebäudegruppen erfasst werden: Schulen, Krankenhäuser, öffentliche Gebäude und ältere Apartmentblocks. Danach könnten Inspektionspflichten und Bewertungsstandards eingeführt werden. Parallel könnten Fördermechanismen für notwendige Verstärkungen entwickelt werden.

Wichtig ist, dass eine solche Politik nicht als Panikreaktion kommuniziert wird. Es geht nicht darum, Angst zu erzeugen. Es geht darum, nüchtern und wissenschaftlich Risiken zu reduzieren.

Fazit: Gebäudesicherheit muss zur nationalen Priorität werden

Die Warnung von Platonas Stylianou, Erstem Vizepräsidenten von ETEK und Präsidenten des European Council of Civil Engineers, ist deutlich: Die Alterung des Gebäudebestands gehört zu den größten Herausforderungen Zyperns. In einem erdbebengefährdeten Land reicht es nicht, auf moderne Neubauten zu vertrauen. Auch bestehende Gebäude müssen regelmäßig überprüft, bewertet und gewartet werden.

Gebäude nach 2012 bieten nach Stylianous Einschätzung ein hohes Maß an seismischem Schutz. Gebäude aus den Jahren 1994 bis 2011 weisen eine deutlich verbesserte seismische Leistungsfähigkeit gegenüber Strukturen vor 1994 auf. Besondere Aufmerksamkeit benötigen jedoch ältere Gebäude und solche, die nicht nach modernen seismischen Standards entworfen wurden.

Darüber hinaus können Zeit, Korrosion, Umwelteinflüsse, Meersalz in Küstenstädten, unsachgemäße Umbauten und mangelhafte Wartung die Widerstandsfähigkeit jedes Gebäudes verringern – unabhängig vom Baujahr. Genau deshalb fordert ETEK eine nationale Politik für regelmäßige Inspektion, Bewertung und Instandhaltung.

Priorität sollten öffentliche Gebäude, Schulen, Krankenhäuser, Apartmentblocks und andere stark genutzte Strukturen erhalten. Internationale Erfahrungen, zuletzt auch die verheerenden Erdbeben in Venezuela, zeigen, dass große Verluste an Menschenleben häufig nicht allein durch Erdbeben verursacht werden, sondern durch die Verwundbarkeit der Gebäude.

Die zentrale Botschaft lautet: Erdbebensicherheit beginnt lange vor dem Erdbeben. Sie beginnt bei Planung, Kontrolle, Wartung, Fachwissen und politischer Verantwortung. Prävention, wissenschaftliche Bewertung, regelmäßige Inspektionen und ordnungsgemäße Instandhaltung sind die wirksamsten Mittel, um Zyperns Widerstandsfähigkeit gegen künftige Erdbeben zu stärken.

Für Zypern ist dies nicht nur eine technische Frage. Es ist eine Frage öffentlicher Sicherheit, gesellschaftlicher Verantwortung und nationaler Resilienz. Denn im Ernstfall entscheidet nicht nur die Stärke des Bebens, sondern die Stärke der Gebäude, in denen Menschen leben, lernen, arbeiten und behandelt werden.

Quelle: CYPRUS NEWS AGENCY (CNA)

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