Zypern setzt wirtschaftspolitische Akzente

Zypern setzt wirtschaftspolitische Akzente

Wettbewerbsfähigkeit, strategische Autonomie und Unterstützung für die Ukraine im Zentrum

Mit einem klaren politischen Signal ist die zypriotische EU-Ratspräsidentschaft in den wirtschafts- und finanzpolitischen Dialog gestartet. Beim ersten Treffen der EU-Finanzminister (ECOFIN) in Brüssel stellte Finanzminister Makis Keravnos das Programm für die kommenden sechs Monate vor und umriss die Leitlinien der Präsidentschaft.

Eine autonome Union, offen für die Welt – das ist das Motto unserer Präsidentschaft“, erklärte Keravnos. Ziel sei es, eine ambitionierte und wirkungsvolle Präsidentschaft zu gestalten und den Weg für ein wettbewerbsfähigeres, widerstandsfähigeres Europa zu ebnen.


1. Präsidentschaft in Zeiten geopolitischer Umbrüche

Keravnos betonte, dass Zypern den Vorsitz in einer Phase internationaler geopolitischer Neuordnungen und hoher Unsicherheit übernimmt. Die Europäische Union stehe gleichzeitig vor sicherheitspolitischen, wirtschaftlichen und institutionellen Herausforderungen.

Im Bereich der Wirtschafts- und Finanzpolitik seien daher zwei Grundprinzipien leitend:

  • Stärkung der wirtschaftlichen Autonomie der EU,

  • Festigung der wirtschaftlichen Rolle Europas auf globaler Ebene.

Dabei komme dem ECOFIN-Rat eine besondere Rolle zu: Finanzminister könnten auf Basis der politischen Leitlinien der Staats- und Regierungschefs konkrete Vorschläge und belastbare Entscheidungen erarbeiten.


2. Zentrale Gesetzgebungsvorhaben: Märkte, Banken, Steuern, Zoll

Zu den legislativen Prioritäten der zypriotischen Präsidentschaft zählen mehrere Schlüsselprojekte:

🔹 Savings and Investments Union (SIU)

Die Präsidentschaft will die Arbeiten an der Spar- und Investitionsunion vorantreiben, um Kapital besser zu mobilisieren und Investitionen in Europa zu erleichtern.

🔹 Capital Markets Union

Besonderes Augenmerk gilt Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Vollendung der Integration des EU-Bankensektors.

🔹 Steuerpolitik

Zypern wird die EU-Initiative zur Vereinfachung der Steuergesetzgebung aktiv unterstützen – als Teil einer breiteren Agenda zur Verbesserung der Standortattraktivität Europas.

🔹 Zollunion

Ein weiteres Ziel ist der Fortschritt hin zu einer modernisierten EU-Zollunion, die den Anforderungen von Digitalisierung, globalem Handel und Sicherheit besser gerecht wird.


3. Klare Priorität: Finanzielle Unterstützung für die Ukraine

Ein zentrales politisches Anliegen der Präsidentschaft bleibt die Unterstützung der Ukraine. Keravnos stellte unmissverständlich klar:

„Die EU muss weiterhin finanzielle Unterstützung für die Ukraine bereitstellen – rechtzeitig, ausreichend und verlässlich.“

Die Unterstützung diene sowohl der Verteidigungsfähigkeit des Landes als auch seiner künftigen Wiederaufbauperspektive.

Der EU-Kommissar für Wirtschaft Valdis Dombrovskis verwies in diesem Zusammenhang auf das geplante Finanzpaket über 90 Milliarden Euro, das die fiskalische Stabilität der Ukraine sichern soll. Die ersten Auszahlungen könnten – vorbehaltlich des Abschlusses des Gesetzgebungsverfahrens – bereits im April erfolgen.

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4. Beschlüsse im ECOFIN: Aufbaupläne, Europäisches Semester, Finnland

Am formellen Sitzungstag billigte der ECOFIN-Rat gezielte technische Anpassungen der nationalen Aufbau- und Resilienzpläne von:

  • Finnland

  • Deutschland

  • Irland

  • Niederlande

  • Spanien

  • Schweden

Ziel ist eine Beschleunigung der Umsetzung.

Im Rahmen des Europäischen Semesters 2026 wurde festgestellt, dass kein Mitgliedstaat derzeit einer vertieften makroökonomischen Überprüfung bedarf. Die EU wird jedoch weiterhin die sieben Länder beobachten, bei denen bereits 2025 makroökonomische Ungleichgewichte festgestellt wurden.

Zudem wurde ein Defizitverfahren gegen Finnland eröffnet. Das öffentliche Defizit überschritt 2024 mit 4,4 % des BIP die Maastricht-Grenze und soll 2025 bei 3,5 % liegen. Finnland muss das übermäßige Defizit bis 2028 korrigieren und halbjährlich Bericht erstatten.


5. Informeller Austausch: Geopolitik, Ukraine, Grönland

Im informellen Teil des Treffens diskutierten die Minister die aktuellen geopolitischen Entwicklungen, darunter auch die Situation rund um Grönland. Keravnos betonte die uneingeschränkte Solidarität der EU mit Dänemark und Grönland sowie die klare Haltung der Union zu territorialer Integrität und staatlicher Souveränität.

Auch hier zeigte sich: Finanzminister spielen eine zentrale Rolle, wenn politische Entwicklungen wirtschaftliche und handelspolitische Konsequenzen haben – etwa im Kontext möglicher Zölle.


6. Positive Signale aus der Kommission

Dombrovskis begrüßte ausdrücklich die Zusammenarbeit mit der zypriotischen Präsidentschaft und hob den Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit, Verteidigung und den digitalen Euro hervor. In Bezug auf die Beziehungen zu den USA betonte er die Notwendigkeit eines geschlossenen, entschlossenen europäischen Auftretens, bei gleichzeitiger Bereitschaft zu konstruktivem Dialog.


Schlussbetrachtung

Mit seinem ersten Auftritt im ECOFIN-Rat hat Makis Keravnos die zypriotische Präsidentschaft klar positioniert: handlungsorientiert, geopolitisch wachsam und wirtschaftlich ambitioniert. In einer Phase rascher globaler Entwicklungen will Zypern nicht verwalten, sondern Tempo machen – und Europa dabei helfen, strategisch selbstbewusster zu agieren.

Oder nüchtern formuliert:
Wenn die Welt unruhiger wird, muss Europa entschlossener handeln – und genau darauf richtet Zypern seine Präsidentschaft aus.

Quelle: Cyprus News Agency (CNA)

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