Zypern dreht an mehreren Stellschrauben gleichzeitig: mehr Liquidität, besserer Zugang zu Finanzierung und eine gezielte Förderung von Investitionen, die Unternehmen zukunftsfähiger machen sollen. Genau diesen Kurs umriss Energieminister (Ministry of Energy, Commerce and Industry) Michalis Damianos am Mittwoch bei der Preisverleihung des Cyprus Entrepreneurship Competition 2025 der Universität Zypern – eingebettet in das 10. Annual Innovation and Entrepreneurship Forum im Council/Senate Building in Nikosia.
Die Botschaft war klar: Die Regierung setzt nicht auf ein einzelnes Förderprogramm, sondern auf ein „umfassendes Netzwerk gezielter Grant Schemes“, das Unternehmen finanziell entlasten, Investitionen beschleunigen und damit den Standort stärken soll. Das Ziel ist ausdrücklich wirtschaftspolitisch: Business in Cyprus boosten – und zwar nicht nur in der Theorie, sondern über konkrete Budgets, Programme und Förderfenster.
Ein Förderpaket in drei Zahlen: 363 Mio. € Gesamtbudget, davon 226 Mio. € THALIA und 137 Mio. € RRF/REPowerEU
Damianos nannte die Eckdaten ungewöhnlich präzise: Aktuell seien Projekte mit einem Gesamtbudget von 363 Mio. € in Umsetzung. Davon entfallen 226 Mio. € auf das Programm „THALIA“ (Programmperiode 2021–2027). Die übrigen 137 Mio. € stammen aus der Recovery and Resilience Facility (RRF) sowie aus dem REPowerEU-Plan der EU.
Das ist mehr als nur ein „Finanztopf“. Es ist eine klare Struktur:
THALIA 2021–2027 ist das zentrale zypriotische Kohäsionsprogramm, das u. a. Forschung/Innovation und das Wachstum von KMU unterstützen soll, eingebettet in die EU-Kohäsionspolitik.
Die Recovery and Resilience Plan-Schiene wiederum ist – typisch für RRF-Programme – stärker auf die Umsetzung bis 2026, Reformen und Investitionen ausgerichtet, inklusive zahlreicher Grant Schemes für Unternehmen.
REPowerEU ergänzt diese Logik mit energiepolitischen Zielen (Energieeinsparung, Diversifizierung, Beschleunigung der Energiewende) und fließt in aktualisierte nationale RRF-Pläne ein.
Kurz: Hier wird nicht „irgendwo“ Geld verteilt, sondern Budgets werden entlang einer wirtschaftspolitischen Priorität gebündelt: Wettbewerbsfähigkeit, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Resilienz.
Was soll das konkret bewirken? Liquidität und Finanzierung als „Betriebsmittel“ für Wachstum
Die Formulierung „Strengthen business liquidity and expand access to financing“ trifft einen Nerv, den viele Unternehmer sofort spüren: Es geht nicht nur um Investitionszuschüsse, sondern um das, was oft darüber entscheidet, ob ein Projekt überhaupt startet – Liquidität und Finanzierbarkeit.
Gerade in kleineren Märkten ist das entscheidend. Wenn ein Unternehmen zwar Ideen hat, aber im Cash-Flow hängt, bleiben Investitionen liegen: neue Systeme, Maschinen, Energie-Upgrades, digitale Tools, Internationalisierung. Förderprogramme, die Liquiditätsdruck senken oder Finanzierung leichter zugänglich machen, wirken dann wie ein Beschleuniger – vorausgesetzt, sie sind praktikabel gestaltet.
Dass Damianos von einem „comprehensive network“ spricht, deutet auf ein bewusstes Set-up hin: mehrere Programme, unterschiedliche Zielgruppen, verschiedene Investitionsfelder – statt einer One-Size-Fits-All-Schiene.
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Mehr InformationenDie drei strategischen Pfeiler: Technologie, nachhaltige Modelle, digitale Transformation
Inhaltlich ordnete Damianos das Fördernetz in ein klares Transformationsdreieck ein:
Einsatz von Technologie
Übergang zu nachhaltigeren Betriebsmodellen
Beschleunigung der digitalen Transformation
Diese drei Punkte sind bemerkenswert konsistent mit der Ausrichtung von THALIA: Das EU-Programmprofil betont ausdrücklich Unterstützung für Forschung/Innovation und das Wachstum von KMU, und hebt zugleich Felder hervor, in denen Wirtschaft und Gesellschaft modernisiert werden sollen – von ICT bis zu nachhaltigen Strukturen.
Auch die RRF-Programmlogik passt dazu: Der zypriotische Recovery and Resilience Plan umfasst Investitionen und Reformen bis 2026, darunter zahlreiche Förderinstrumente, die sich an Unternehmen richten – also genau dort, wo Digitalisierung und grüne Transition operativ passieren müssen.
Und REPowerEU setzt, je nach Maßnahme, zusätzliche Impulse für Energieeffizienz und Energiewende. Ein Beispiel: Förderprogramme zur Energie-Aufrüstung und Wettbewerbsstärkung, die explizit aus dem RRF-Rahmen und teilweise aus REPowerEU-Mitteln gespeist werden.
Warum das Forum an der Universität Zypern kein „nettes Event“ ist
Damianos nutzte die Bühne nicht zufällig: Der Cyprus Entrepreneurship Competition (CyEC) 2025 ist ein Format, das Unternehmertum an der Quelle adressiert – bei frühen Teams, Ideen, Prototypen und Gründungsabsichten. Die Universität Zypern beschreibt den Wettbewerb als eine Reise, die Frühphasen-Entrepreneure befähigen soll, global zu konkurrieren und Wirkung zu erzielen.
In der UCY-Mitteilung wird zudem sichtbar, wie eng Wettbewerb und Standortlogik gedacht werden: CyEC 2025 wird u. a. durch das Ministry of Energy, Commerce and Industry unterstützt, und es gibt Partnerschaften, die Gewinnerteams in regionale Innovationsformate und Netzwerke bringen – inklusive Zugang zu Investoren, Mentoren und Innovation-Stakeholdern.
Das ist ein wichtiger Punkt: Ein Fördernetzwerk wirkt nachhaltiger, wenn es nicht nur Geld bereitstellt, sondern Ökosysteme stärkt – also Talent, Mentoring, Sichtbarkeit, Partnerzugänge, Marktkontakte. Geld ist nötig. Aber ohne Netzwerk bleibt es oft nur ein Projekt, nicht ein Wachstumspfad.
Nachwuchs stärken heißt: Orientierung geben – nicht nur „Motivation posten“
Damianos betonte, die Stärkung der jungen Generation im Unternehmertum erfordere vor allem zwei Dinge:
Information über verfügbare Optionen
Guidance, um die richtigen Schritte zu setzen – unabhängig vom Tätigkeitsfeld
Das ist erstaunlich bodenständig formuliert – und genau deshalb richtig. Denn viele junge Gründer scheitern nicht an Ideen, sondern an der Abfolge der Schritte: Rechtsform, Finanzierung, IP-Fragen, Förderfähigkeit, Kundenvalidierung, Budgetierung, Teamrollen. Ein Wettbewerb wie CyEC wirkt in dieser Logik als Katalysator, weil er Kreativität und unternehmerisches Denken strukturiert und zugleich Tools, Skills und Wissen bereitstellt.
Was bedeutet das für Unternehmen auf Zypern?
Aus Sicht der Praxis lassen sich aus der Pressemitteilung vier Wirkungsrichtungen ableiten:
1) Investitionsanreize werden gebündelt
Mit THALIA (2021–2027) und RRF/REPowerEU (bis 2026) stehen parallel laufende Instrumente bereit, die – richtig kombiniert – Investitionen in Technologie, Digitalisierung und Nachhaltigkeit stützen können.
2) Liquidität wird als Wettbewerbsfaktor verstanden
Wenn Förderlogik explizit Liquidität und Zugang zu Finanzierung adressiert, ist das ein Signal: Man will Unternehmen nicht nur „subventionieren“, sondern ihre Investitionsfähigkeit erhöhen.
3) Digitalisierung ist nicht Deko, sondern Kernprogramm
THALIA und viele RRF-Schienen betonen Digital-Upgrades und Integration digitaler Technologien in KMU. Der staatliche Funding-Rahmen zeigt damit, wohin die Reise geht: effizienter, datenfähiger, prozessorientierter.
4) Unternehmernachwuchs wird als Standortpolitik behandelt
Wenn ein Minister in einer Preisverleihung eines Uni-Gründerwettbewerbs über nationale Förderarchitektur spricht, ist das eine bewusste Setzung: Die nächste Wachstumswelle soll nicht nur „importiert“, sondern aufgebaut werden.
Einordnung: Warum 363 Mio. € mehr sind als eine Zahl
Zypern ist klein, aber genau darin liegt ein Vorteil: Programme können – wenn der politische Wille da ist – schneller fokussiert und wirksam umgesetzt werden. Ein Budget von 363 Mio. € für gezielte Förderungen ist für einen Inselstandort kein Randthema, sondern ein potenziell spürbarer Hebel.
Und es passt in einen europäischen Trend: Die EU koppelt Mittel zunehmend an Transformation – digital, grün, resilient. THALIA als Kohäsionsprogramm und RRF/REPowerEU als Krisen- und Transformationsinstrumente sind genau dafür gemacht.
Fazit: Zypern baut an einem „förderfähigen“ Wachstumspfad – mit Unternehmen und mit Talenten
Die Pressemitteilung zeigt ein konsistentes Bild: Das Energieministerium rollt ein breit angelegtes Netz gezielter Grant Schemes aus, um Liquidität, Finanzierung und Investitionsbereitschaft der Unternehmen zu stärken – unterlegt mit 363 Mio. €, davon 226 Mio. € THALIA und 137 Mio. € RRF/REPowerEU.
Gleichzeitig wird Unternehmertum an der Basis gestärkt: Wettbewerbe wie der Cyprus Entrepreneurship Competition 2025 sollen junge Menschen in die Lage versetzen, Ideen in marktfähige Projekte zu übersetzen – mit Skills, Wissen, Tools und Zugang zu Netzwerken.
Wenn man es nüchtern zusammenfasst: Zypern versucht, Wachstum nicht dem Zufall zu überlassen – sondern es förderfähig zu machen. Und das ist, gerade in Zeiten, in denen viele Standorte über Bürokratie stöhnen, ein Ansatz, der sich ziemlich mediterran anfühlt: weniger Jammern, mehr Machen – idealerweise mit Sonne, aber vor allem mit Kapital, Struktur und einem klaren Plan.
