Warum das neue Steuersystem bereits wirkt – und langfristig den Standort stärkt
Die zypriotische Steuerreform zeigt schneller Wirkung als viele erwartet hatten. Bereits einen Monat nach Inkrafttreten der neuen Regelungen profitieren breite Teile der Bevölkerung ganz konkret: Rund 200.000 Steuerpflichtige haben mit dem Januar-Gehalt ein höheres Nettoeinkommen erhalten, während etwa 30.000 Personen im Jahr 2026 überhaupt keine Einkommensteuer mehr zahlen werden.
Diese Einschätzung stammt von Sotiris Markides, dem zypriotischen Steuerkommissar, der im Gespräch mit der Cyprus News Agency (CNA) von einer „holistischen Reform mit ausschließlich positiven Effekten“ sprach. Ziel sei es, Haushalte zu entlasten, die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen zu erhöhen und gleichzeitig die Steuermoral sowie die Einnahmenbasis des Staates nachhaltig zu stärken.
1. Eine Reform mit System – nicht nur eine Anpassung von Steuersätzen
Im Gegensatz zu vielen punktuellen Steueränderungen der Vergangenheit handelt es sich bei der Reform um einen grundlegenden Umbau des Steuersystems. Sie greift gleichzeitig auf drei Ebenen:
Private Haushalte erhalten spürbar mehr Netto vom Brutto.
Unternehmen, insbesondere KMU und Familienbetriebe, werden strukturell entlastet.
Der Staat verbessert Transparenz, Compliance und Planungssicherheit.
Markides bezeichnet die Reform daher als Meilenstein, der nicht nur kurzfristige Entlastung bringt, sondern Zypern langfristig als Wohn- und Wirtschaftsstandort stärkt.
2. Höhere Freibeträge: Mehr Kaufkraft für Arbeitnehmer
Anhebung der Steuerfreigrenze
Kernstück der Reform für Privatpersonen ist die Anhebung des steuerfreien Einkommens von 19.500 Euro auf 22.000 Euro pro Jahr. Diese Maßnahme allein sorgt dafür, dass hunderttausende Arbeitnehmer weniger oder gar keine Einkommensteuer zahlen.
Besonders bemerkenswert:
Selbst ohne jegliche Abzüge – etwa bei jungen Berufseinsteigern ohne Familie – fällt Einkommensteuer erst ab einem Bruttomonatseinkommen von rund 2.100 Euro (auf 12 Monate gerechnet) an.
Nach Angaben von Markides ist Zypern damit das einzige Land Europas, das eine derart hohe effektive Steuerfreigrenze bietet.
3. Neue Abzüge: Familien, Wohnen und grüne Investitionen im Fokus
Steuerliche Entlastung nach Lebensrealität
Über die reine Erhöhung der Freibeträge hinaus wurden neue persönliche Abzüge eingeführt, die sich an der familiären Situation und den tatsächlichen Lebenshaltungskosten orientieren.
Dazu zählen insbesondere:
Abzüge für unterhaltsberechtigte Kinder, abhängig vom Familieneinkommen
Abzüge für Wohnkosten, entweder
Miete der Hauptwohnung oder
Zinsen auf einen bedienten Immobilienkredit
Förderung der grünen Transformation, etwa für
energetische Sanierungen
Photovoltaik
Elektrofahrzeuge
Zusätzlich – ohne Einkommensgrenzen – können folgende Versicherungen steuermindernd geltend gemacht werden:
Wohngebäudeversicherung gegen Naturkatastrophen
Versicherungen gegen dauerhafte oder temporäre Invalidität
Damit wird nicht nur die Steuerlast gesenkt, sondern auch verantwortungsbewusstes Verhalten gefördert – ein Ansatz, der fiskalische Logik mit gesellschaftlicher Zielsetzung verbindet.
4. Konkrete Effekte: Wer profitiert – und wie stark?
Schon nach wenigen Wochen zeigen sich messbare Ergebnisse:
200.000 Arbeitnehmer haben seit Januar mehr Netto
30.000 Steuerpflichtige zahlen 2026 gar keine Einkommensteuer
Familien mit mittleren Einkommen gehören zu den größten Gewinnern
Junge Arbeitnehmer profitieren bereits beim Berufseinstieg
In Zeiten steigender Lebenshaltungskosten ist dies kein theoretischer Vorteil, sondern direkt spürbare Kaufkraft – ein nicht zu unterschätzender Faktor für Konsum, Binnenwirtschaft und soziale Stabilität.
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Mehr Informationen5. Unternehmen im Fokus: Mehr Wettbewerbsfähigkeit trotz höherer Körperschaftsteuer
15 % Körperschaftsteuer – aber weniger Gesamtbelastung
Auf den ersten Blick wirkt die Anhebung der Körperschaftsteuer von 12,5 % auf 15 % wie eine Verschlechterung. Laut Markides ist jedoch das Gegenteil der Fall, insbesondere für zypriotische Unternehmer.
Denn parallel wurden entscheidende Belastungen abgeschafft oder gesenkt:
Abschaffung der „Deemed Dividend Distribution“
Senkung der Sonderverteidigungsabgabe (SDC) auf Dividenden von 17 % auf 5 %
Verlängerung des Verlustvortrags von 5 auf 7 Jahre
Diese Kombination führt dazu, dass die Gesamtsteuerbelastung vieler Unternehmen deutlich sinkt, obwohl der nominelle Körperschaftsteuersatz steigt.
6. Rechenbeispiel: Familienbetrieb mit 100.000 Euro Gewinn
Markides nennt ein konkretes Beispiel:
Familienunternehmen, steuerpflichtiger Gewinn: 100.000 Euro
Altes System (mit vollständiger Dividendenausschüttung):
Gesamtsteuerbelastung: 27.375 Euro
Neues System:
Steuerersparnis: 8.125 Euro pro Jahr
Über einen Zeitraum von zehn Jahren bedeutet dies mehr als 80.000 Euro zusätzliches Einkommen für die Gesellschafter.
Mehr als 30.000 kleine und mittlere Familienbetriebe in Zypern sollen laut Steuerbehörde von diesen Änderungen profitieren – ein erheblicher Impuls für Investitionen, Eigenkapitalbildung und Unternehmensnachfolge.
7. Bürokratieabbau und Rechtssicherheit für Unternehmen
Neben der Steuerlast selbst adressiert die Reform auch administrative Hürden:
Abschaffung der Stempelsteuer
Höhere Schwellenwerte für Verrechnungspreisdokumentation, was vor allem kleinere Unternehmen entlastet
Klarere Regeln für Mitarbeiterbeteiligungen (Share Options)
Erstmals explizite Regelungen zur Besteuerung von Krypto-Assets
Zudem erhalten Non-Dom-Steuerpflichtige die Möglichkeit, ihren Status freiwillig zu verlängern, was die Planungssicherheit für internationale Fachkräfte und Investoren deutlich erhöht.
8. Mehr Durchsetzung – aber mit Augenmaß
Ein weiterer Bestandteil der Reform ist die Stärkung der Steuerdurchsetzung. Neue Instrumente umfassen unter anderem:
Temporäre Versiegelung von Geschäftsräumen bei hartnäckiger Nichtzahlung
Sperrung von Gesellschaftsanteilen, wenn Steuerschulden über 100.000 Euro liegen
Zugriff auf inländische Bankkontodaten
Markides betont jedoch ausdrücklich, dass diese Maßnahmen mit Zurückhaltung eingesetzt werden sollen. Ziel seien gezielte Maßnahmen gegen systematische Verweigerer, nicht die Bestrafung von Unternehmen, die sich um ordnungsgemäße Erfüllung bemühen.
9. Begleitende Informationsoffensive
Um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen, führt die Steuerbehörde eine umfangreiche Informations- und Schulungskampagne durch:
Über 10.000 Teilnehmer an Informationsseminaren bis Ende Februar
Davon mehr als 3.000 Steuerberater, Anwälte und Wirtschaftsprüfer
Diese Begleitmaßnahmen unterstreichen, dass die Reform nicht nur beschlossen, sondern aktiv umgesetzt und erklärt wird – ein entscheidender Faktor für Akzeptanz und Compliance.
10. Einordnung: Mehr als nur Steuerpolitik
Nüchtern betrachtet ist die zypriotische Steuerreform mehr als ein fiskalisches Update. Sie ist:
ein wirtschaftspolitisches Signal an Haushalte und Unternehmen,
ein Standortargument im europäischen Wettbewerb,
und ein Instrument zur sozial ausgewogenen Entlastung, ohne die Staatsfinanzen zu gefährden.
Oder anders gesagt:
Während andere Länder Entlastung ankündigen, liefert Zypern sie bereits aus – sichtbar auf dem Gehaltszettel, spürbar in der Unternehmensrechnung und strukturell im Steuersystem.
Quelle: Cyprus News Agency (CNA)
