Am Sonntag, 15. Februar 2026, hat Präsident Nikos Christodoulides bei den Feierlichkeiten zum Fest des heiligen Maron in der maronitischen Kathedrale in Nikosia eine klare Botschaft gesendet: Die Regierung stehe „unerschütterlich“ an der Seite der maronitischen Gemeinschaft Zyperns – nicht nur symbolisch, sondern mit einem Bündel konkreter Schritte, die den Alltag der Enklavierten und der wiederangesiedelten Maroniten in den besetzten Gebieten spürbar verbessern sollen.
Christodoulides bezeichnete seine Teilnahme an der jährlichen Feier als „kleinen, aber greifbaren“ Ausdruck der staatlichen Wertschätzung. Die Maroniten seien ein „untrennbarer Teil unseres Volkes“ und hätten einen „besonders entscheidenden Beitrag“ im jahrhundertelangen Ringen um Überleben, Wohlstand und Zukunft geleistet.
Diese Formulierung ist nicht zufällig gewählt: Sie verknüpft Identitätspolitik, historische Kontinuität und den politischen Auftrag der Gegenwart – und macht zugleich deutlich, dass die Regierung das Thema Enklavierung, Rückkehr und Unterstützung der maronitischen Dörfer nicht als Randnotiz behandelt.
GeSY als nächster Schritt: volle Gesundheitsversorgung für wiederangesiedelte Maroniten
Eine der wichtigsten Ankündigungen war sozialpolitisch sehr konkret: Christodoulides sagte, kurzfristig werde ein Vorschlag dem Ministerrat vorgelegt, damit wiederangesiedelte Maroniten über das staatliche Gesundheitssystem GeSY eine volle Abdeckung der Gesundheitsversorgung erhalten. Dies sei Teil der generellen Regierungsanstrengung, die Lebensqualität der enklavierten Bürgerinnen und Bürger zu verbessern.
Gerade in Gemeinschaften, die durch Enklavierung, begrenzte Infrastruktur, Mobilitätshemmnisse und schwierige Versorgungslagen geprägt sind, ist Gesundheitsversorgung mehr als eine „Leistung“ – sie ist eine praktische Voraussetzung dafür, dass Menschen überhaupt dauerhaft in ihren Dörfern leben können. Wer Rückkehr und Wiederansiedlung will, muss die Basics absichern: Arztzugang, Medikamente, Notfalllogistik, Prävention. Die GeSY-Ankündigung ist daher politisch ein starkes Signal: Die Regierung versucht, strukturelle Hürden zu senken, statt lediglich Appelle an „Tradition“ und „Durchhaltewillen“ zu richten.
„Ganz oben auf der Agenda“: Maronitische Anliegen in Gesprächen mit UN und Erhürman
Christodoulides machte außerdem deutlich, dass die Fragen der Enklavierten regelmäßig in seinen Kontakten auf höchster diplomatischer Ebene präsent seien. Themen, die die Enklavierten betreffen, stünden „hoch auf der Agenda“ seiner Treffen sowohl mit dem UN-Generalsekretär als auch mit dem türkisch-zypriotischen Führer Tufan Erhürman.
Bemerkenswert ist dabei der konkrete Zeitbezug: Der Präsident sagte, er habe die spezifischen Anliegen der Maroniten „so wie sie mir übermittelt wurden“ zuletzt mit Erhürman angesprochen und hoffe auf positive Antworten bis zum nächsten Treffen am 24. Februar 2026.
Das ist politisch heikel und zugleich wichtig. Heikel, weil jeder Fortschritt in Fragen der Enklaven schnell in die Gesamtdynamik des Zypernproblems hineinzieht. Wichtig, weil gerade konkrete Alltagsthemen (Bewegungsfreiheit, Instandhaltung von Gebäuden, Zugang zu Diensten, religiöse Rechte) oft der einzige Bereich sind, in dem kurzfristig Verbesserungen erzielt werden können, selbst wenn die große politische Lösung nicht unmittelbar greifbar ist.
Kormakitis als Beispiel: 367 Wiederansiedlungen und eine „Botschaft der Hoffnung“
Als „Quelle der Zufriedenheit“ hob Christodoulides die erfolgreiche Wiederansiedlung von 367 zypriotischen Maroniten in Kormakitis hervor. Das sei „Belohnung“ für den großen Einsatz – und sende zugleich eine hoffnungsvolle Botschaft für die Zukunft.
Kormakitis ist dabei mehr als ein geografischer Name. In der politischen Erzählung steht das Dorf für die Möglichkeit, dass Rückkehr und Wiederbelebung maronitischer Präsenz in den besetzten Gebieten praktisch organisiert werden kann – sofern finanzielle, infrastrukturelle und administrative Maßnahmen zusammenkommen.
Christodoulides erinnerte zugleich daran, dass mehrere maronitische Dörfer weiterhin unter türkischer Besatzung stünden und die „heldenhaften“ Enklavierten in den maronitischen Dörfern wie auch in anderen besetzten Teilen der Heimat die Pflicht definierten, weiterzuarbeiten „bis zum gesegneten Tag der Befreiung und Wiedervereinigung“.
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Mehr InformationenMaßnahmenpaket für den Alltag: Geld, Infrastruktur, Mobilität und Energie
Der Präsident nannte eine Reihe bereits umgesetzter, sehr konkreter Maßnahmen – ein Mix aus Infrastruktur, sozialer Unterstützung und „praktischer Lebensfähigkeit“ der Dörfer:
€320.000 Zuschuss an den Gemeinderat von Kormakitis für Hochwasserschutzmaßnahmen sowie die Restaurierung des alten Kindergartengebäudes, in dem das Folkloremuseum untergebracht ist.
30 % Erhöhung von Zulagen (Allowance-Anpassung) für die Betroffenen.
€1.200 Zuschuss pro Haushalt für den Austausch eines Solar-Warmwasserbereiters.
Bereitstellung eines neuen Busses für den sicheren Transport von und nach Nikosia.
Wiedereröffnung des Kindergartens von Kormakitis nach 25 Jahren, laut Christodoulides die Erfüllung eines persönlichen Wahlversprechens.
Gerade diese Mischung zeigt, worum es in der Enklavenpolitik praktisch geht: Nicht ein einzelnes „großes Projekt“, sondern viele kleine, teils unspektakuläre Stellschrauben, die in Summe darüber entscheiden, ob eine Gemeinde funktioniert. Ein Bus ist kein geopolitisches Meisterwerk – aber für Familien, ältere Menschen und Bildungsteilnahme ist er schlicht: Lebensrealität.
Kirchen und Kulturerbe: Reparaturen im Norden und Anträge im Süden
Ein weiterer Schwerpunkt war das religiöse und kulturelle Erbe. Christodoulides erklärte, dass im besetzten Norden bereits vier von sieben maronitischen Kirchen über die zuständige Technische Kommission repariert worden seien. Zudem solle die Arbeit an der St.-Johannes-Kirche im historischen maronitischen Dorf Vouni bald beginnen; weitere Bemühungen beträfen die Kirche des Propheten Elias und die St.-Marina-Kirche.
Parallel dazu sei die Regierung „in einem fortgeschrittenen Stadium“ bei der Prüfung von Anträgen der maronitischen Kirche für Reparatur und Instandhaltung von Kirchen in den freien Gebieten.
Damit wird deutlich: Es geht nicht nur um soziale Unterstützung, sondern auch um Kontinuität von Identität. Kirchen sind in Zypern nicht bloß Gebäude, sondern Ankerpunkte von Gemeinschaft, Erinnerung, Sprache, Ritual und Zugehörigkeit – besonders dort, wo das normale Dorfleben durch politische Verhältnisse unterbrochen wurde.
Internationale Beziehungen: Heiliger Stuhl und Libanon als Teil des Rahmens
Christodoulides verwies zudem auf die guten Beziehungen der Republik Zypern zum Heiligen Stuhl und auf die „ausgezeichnete brüderliche Zusammenarbeit“ seiner Regierung mit dem Libanon.
Auch das ist mehr als Diplomatie-Standard. Die Maroniten sind historisch und kirchlich eng mit dem Libanon verbunden; die Erwähnung signalisiert, dass Nikosia diese Verbindung nicht als Fremdkörper sieht, sondern als Teil des zypriotischen Pluralismus – und als Brücke in den östlichen Mittelmeerraum.
Stimme der Kirche: „Kalvarienberg“ von Flucht, Enklavierung und Vertreibung
In einer Grußbotschaft, die durch Bischof Porphyrios von Neapolis verlesen wurde, sagte Erzbischof Georgios, dass man fast 52 Jahre nach der türkischen Invasion „Hand in Hand“ mit den maronitischen Landsleuten als „Mitreisende“ den Kalvarienberg von Flucht, Enklavierung und Vertreibung in der eigenen Heimat gehe.
Er betonte außerdem, dass religiöse Führer aller Gemeinschaften der Insel – orthodox, maronitisch, armenisch, lateinisch und muslimisch – seit 2011 über interreligiösen Dialog zusammenarbeiteten, um Respekt für Menschenrechte und Religionsfreiheit einzufordern.
Das ist ein wichtiges Element im gesellschaftlichen Unterbau: Wenn Religionsgemeinschaften in Zypern gemeinsam auftreten, schaffen sie einen Rahmen, der über parteipolitische Linien hinausreicht – und die Alltagsrechte der Betroffenen als universelles Thema positioniert.
Stimme der Politik: Mousas fordert „Goodwill“ – und nennt die Lösung des Zypernproblems existenziell
Yiannakis Mousas, Vertreter der maronitischen Religionsgruppe im Repräsentantenhaus, dankte dem Präsidenten dafür, dass er der Gemeinschaft „in Taten statt in Worten“ beistehe. Er rief zugleich Erhürman auf, guten Willen zu zeigen, und unterstrich, dass eine Lösung des Zypernproblems eine conditio sine qua non – also eine zwingende Voraussetzung – für das Überleben dieser Gemeinschaft sei.
Das bringt die strategische Spannung auf den Punkt: Kurzfristige Maßnahmen können das Leben erleichtern – aber die langfristige Zukunft (Rückkehr, Sicherheit, Entwicklung, kulturelle Kontinuität) bleibt eng an die politische Gesamtlösung gebunden.
Kontext: Teilung seit 1974, festgefahrene Gespräche seit Crans-Montana 2017
Die Pressemitteilung verortet die Ereignisse in der bekannten historischen Realität: Zypern ist seit 1974 geteilt, nachdem die Türkei einmarschierte und den Norden besetzte. Wiederholte, UN-geführte Verhandlungsrunden brachten bislang keine Lösung; die letzte große Runde endete im Juli 2017 in Crans-Montana ohne Ergebnis.
Gerade vor diesem Hintergrund gewinnen jene „kleinen“ Schritte an Bedeutung, die Christodoulides aufzählte. Denn wenn das große Paket blockiert bleibt, entscheidet sich Würde und Lebensfähigkeit häufig an den Details: Gesundheitsversorgung, Transport, Instandhaltung, Bildungsangebote, Kulturerbe.
Fazit: Symbolik, Diplomatie und konkrete Alltagspolitik – drei Ebenen, ein Ziel
Der Auftritt von Präsident Christodoulides am Festtag des heiligen Maron war mehrschichtig:
Symbolik der Anerkennung („untrennbarer Teil unseres Volkes“).
Diplomatische Einbindung der maronitischen Anliegen in Gespräche mit UN und der türkisch-zypriotischen Führung – mit einem konkreten nächsten Termin am 24. Februar 2026.
Alltagspolitik mit messbaren Maßnahmen: Zuschüsse, Infrastruktur, Mobilität, Energie, Wiedereröffnung eines Kindergartens – und als nächster Schritt die volle GeSY-Abdeckung für wiederangesiedelte Maroniten.
Ob diese Linie in den kommenden Monaten zu weiteren Erleichterungen führt, hängt an konkreten Antworten und Umsetzung – politisch wie administrativ. Aber die Richtung ist klar: Die maronitische Gemeinschaft wird nicht als Folklore verwaltet, sondern als Bürgerinnen und Bürger mit sehr praktischen Rechten und Bedürfnissen. Und das ist, bei allem Pathos des Festtages, wahrscheinlich die nüchternste – und wirkungsvollste – Form von Respekt.
Quelle: Cyprus News Agency (CNA)
