Die zypriotische Regierung hat am 4. Februar 2026 einen wichtigen Meilenstein in der Migrations- und Integrationspolitik gesetzt. Der Ministerrat verabschiedete auf Vorschlag des Stellvertretenden Ministeriums für Migration und internationalen Schutz die Nationale Strategie zur Integration von Migranten 2026–2029. Es handelt sich dabei um die erste umfassende, staatlich koordinierte Integrationsstrategie der Republik Zypern für rechtmäßig aufhältige Migrantinnen und Migranten.
Damit verlässt Zypern erstmals den Modus punktueller Einzelmaßnahmen und schafft einen kohärenten, messbaren und langfristig angelegten politischen Rahmen, der sowohl die Interessen der zypriotischen Gesellschaft als auch jene der Migranten berücksichtigt.
Integration als strategische Investition
In der offiziellen Mitteilung wird Integration ausdrücklich als Investition in das Humankapital des Landes bezeichnet. Ziel ist es, soziale Kohäsion zu sichern, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu stärken und langfristig stabile gesellschaftliche Strukturen zu fördern.
Bemerkenswert ist der Grundansatz der Strategie: Integration wird als dynamischer Zwei-Wege-Prozess verstanden, der sowohl Pflichten als auch Rechte umfasst. Migranten sollen aktiv an der Gesellschaft teilhaben – gleichzeitig wird von ihnen erwartet, die institutionellen, rechtlichen und kulturellen Rahmenbedingungen des Landes zu respektieren.
Zu den Grundvoraussetzungen nachhaltiger Integration zählen laut Strategie:
ausreichende Kenntnisse der griechischen Sprache,
legale und stabile Beschäftigung,
ein fundiertes Verständnis des institutionellen Systems Zyperns.
Vier strategische Kernziele
Die Nationale Integrationsstrategie 2026–2029 basiert auf vier zentralen strategischen Säulen, die alle wesentlichen Lebensbereiche abdecken.
1. Sozioökonomische Integration
Der erste und umfassendste Schwerpunkt betrifft die soziale und wirtschaftliche Eingliederung. Im Mittelpunkt stehen:
systematische Sprachförderung in Griechisch,
Arbeitsmarktintegration und Qualifikationsanerkennung,
Zugang zu Bildung und Weiterbildung,
Förderung von Schlüsselkompetenzen,
verbesserter Zugang zu sozialen Dienstleistungen,
aktive Teilnahme am Gemeinschaftsleben in Städten und Gemeinden.
Ziel ist es, Migranten nicht nur als Arbeitskräfte, sondern als vollwertige gesellschaftliche Akteure zu integrieren.
2. Sensibilisierung der Öffentlichkeit und Abbau von Stereotypen
Ein zweiter zentraler Pfeiler ist die gesellschaftliche Dimension der Integration. Die Strategie erkennt ausdrücklich an, dass Integration nicht allein durch Migranten gelingen kann, sondern auch Akzeptanz und Offenheit in der Mehrheitsgesellschaft erfordert.
Geplant sind Maßnahmen zur:
Förderung öffentlicher Aufklärung,
Bekämpfung von Vorurteilen und Stereotypen,
Stärkung des interkulturellen Dialogs.
Damit soll Polarisierung entgegengewirkt und das Vertrauen zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen gestärkt werden.
3. Zugang zum Gesundheitssystem
Ein dritter Schwerpunkt betrifft den gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen. Hier geht es nicht nur um medizinische Versorgung, sondern auch um:
präventive Gesundheitsmaßnahmen,
Information über das Gesundheitssystem,
Abbau administrativer und sprachlicher Hürden.
Gesundheit wird dabei als zentrale Voraussetzung erfolgreicher Integration verstanden – sowohl aus individueller als auch aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive.
4. Rechtliche und politische Kohärenz
Der vierte strategische Pfeiler stellt sicher, dass alle Integrationsmaßnahmen im Einklang mit bestehenden Gesetzen und Politiken stehen. Neue Initiativen sollen keine rechtlichen Widersprüche erzeugen, sondern bestehende Strukturen sinnvoll ergänzen.
Damit reagiert die Regierung auf frühere Koordinationsdefizite zwischen Behörden, die Integration in der Praxis oft erschwert haben.
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Mehr InformationenFokus auf den Alltag: Wohnen, Mobilität, Kultur
Über die strategischen Kernziele hinaus legt die Strategie besonderen Wert auf alltagsnahe Integrationsfelder, darunter:
Wohnraum und räumliche Durchmischung,
Mobilität und Zugang zu Infrastruktur,
kulturelle Aktivitäten,
Sport und Vereinsleben.
Sowohl frühzeitige Integrationsmaßnahmen als auch langfristige Begleitstrukturen sind vorgesehen. Ein explizit benanntes Problem ist die Überkonzentration von Migranten in bestimmten Stadtvierteln („Ghettoisierung“), der gezielt entgegengewirkt werden soll.
Monitoring, Kennzahlen und Evaluierung
Ein wesentliches Novum der Strategie ist ihr systematischer Evaluationsansatz. Die Umsetzung wird anhand klar definierter Key Performance Indicators (KPIs) überwacht. Standardisierte Berichtsmechanismen sollen:
verlässliche Daten liefern,
Wirksamkeit einzelner Maßnahmen messen,
evidenzbasierte politische Anpassungen ermöglichen.
Zusätzlich wird ein Beratender Ausschuss eingerichtet, dem Vertreter von:
zuständigen Behörden,
unabhängigen Kontrollstellen,
Wissenschaft,
internationalen Organisationen,
Zivilgesellschaft
angehören. Der Ausschuss steht unter dem Vorsitz des Generaldirektors des Migrationsministeriums und soll regelmäßig Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Strategie vorlegen.
Politische Einordnung
Mit der Nationalen Strategie zur Integration von Migranten 2026–2029 positioniert sich Zypern klar: Integration wird nicht als kurzfristige Sozialmaßnahme, sondern als strukturpolitisches Instrument verstanden. In Zeiten von Arbeitskräftemangel, demografischem Wandel und gesellschaftlicher Fragmentierung ist dieser Ansatz auch wirtschaftspolitisch relevant.
Nüchtern betrachtet geht es weniger um Symbolik als um Funktionsfähigkeit des Staates: Wer legal im Land lebt und arbeitet, soll produktiv beitragen können – und dafür die notwendigen Rahmenbedingungen vorfinden.
Oder anders formuliert: Ordnungspolitik und Integrationspolitik werden erstmals systematisch zusammengedacht.
Quelle: Cyprus News Agency (CNA)
