Kultur als Motor regionaler Erneuerung

Kultur als Motor regionaler Erneuerung

Wie Zypern mit kulturellem Erbe Städte, Dörfer und Bergregionen stärkt

Die Diskussion über wirtschaftliche Entwicklung wird in Europa häufig auf harte Faktoren reduziert: Infrastruktur, Steuern, Investitionen, Arbeitsmärkte. Doch immer deutlicher zeigt sich, dass Kultur weit mehr ist als ein weicher Standortfaktor. Sie kann – richtig eingesetzt – wirtschaftliche Impulse auslösen, gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und Regionen revitalisieren, die abseits der urbanen Zentren liegen. Genau diese Perspektive stellte die stellvertretende Kulturministerin Vasiliki Kassianidou in den Mittelpunkt einer Veranstaltung der Troodos Mountain Communities Culture Foundation, die am Samstag unter der Schirmherrschaft der First Lady stattfand.

Ihre zentrale Botschaft war klar: Kultur ist kein Luxus, sondern ein strategisches Instrument für Bildung, Tourismus, regionale Entwicklung – und letztlich für die Zukunftsfähigkeit des Landes.


1. Kulturpolitik mit strategischem Anspruch

In ihrer Rede betonte Kassianidou, dass Kultur bei richtiger Nutzung eine multiplikative Wirkung entfalten könne. Sie trage nicht nur zur Stärkung von Bildung und Identität bei, sondern wirke auch als Katalysator für wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere in Verbindung mit Tourismus, Kreativwirtschaft und lokalen Wertschöpfungsketten.

Dabei ging sie bewusst über klassische Kulturförderung hinaus. Kultur solle nicht isoliert betrachtet werden, sondern integriert in Entwicklungsstrategien, die:

  • lokale Wirtschaftskreisläufe stärken,

  • Beschäftigung schaffen,

  • junge Menschen in den Regionen halten,

  • und den sozialen Zusammenhalt fördern.

Gerade in einem Land wie Zypern, dessen Identität stark von Geschichte, Tradition und regionaler Vielfalt geprägt ist, liege hierin ein enormes, bislang nicht vollständig ausgeschöpftes Potenzial.


2. Mehr als Städte: Der Fokus auf ländliche und bergige Regionen

Ein zentraler Punkt der Rede war die klare Abkehr von einer rein urbanen Kulturpolitik. Kassianidou machte deutlich, dass kulturelle Entwicklung nicht auf Städte beschränkt sein dürfe. Im Gegenteil: Gerade ländliche und bergige Regionen könnten besonders stark profitieren, wenn kulturelles Erbe gezielt sichtbar gemacht und genutzt werde.

„Wenn Kultur richtig eingesetzt wird, kann sie nicht nur urbane Zentren, sondern auch ländliche und bergige Gebiete revitalisieren“, so die stellvertretende Ministerin.

Diese Aussage ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels besonders relevant. Viele Bergregionen Zyperns – insbesondere im Troodos-Gebiet – sind mit:

  • Abwanderung,

  • Überalterung,

  • sinkender wirtschaftlicher Aktivität

konfrontiert. Kultur kann hier eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft schlagen.


3. Troodos als kultureller und identitätsstiftender Raum

Die Troodos-Region nimmt in der zypriotischen Kultur eine besondere Stellung ein. Sie ist nicht nur landschaftlich prägend, sondern auch ein Träger jahrhundertealter Traditionen, von Architektur über Handwerk bis hin zu Musik, religiösem Brauchtum und Alltagskultur.

Kassianidou würdigte in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Arbeit der Troodos Mountain Communities Culture Foundation, die sie als wichtigsten Partner des Kulturministeriums in den Bergregionen bezeichnete. Die Stiftung leiste einen entscheidenden Beitrag dazu, das kulturelle Potenzial der Region systematisch zu erfassen, zu bewahren und sichtbar zu machen.

4. Die Rolle der Troodos Mountain Communities Culture Foundation

Die Ziele der Stiftung sind bewusst breit angelegt und verbinden Kulturpflege mit Regionalentwicklung. Zu ihren Kernaufgaben zählen:

  • Forschung und Dokumentation des kulturellen Erbes von Troodos,

  • Schutz historischer Bausubstanz, Traditionen und immateriellen Kulturguts,

  • Sichtbarmachung kultureller Ressourcen durch Veranstaltungen, Bildungsprogramme und Kooperationen,

  • Integration von Geschichte und Kultur in lokale Aktivitäten,

  • Stärkung der lokalen Wirtschaft durch kulturbasierte Initiativen.

Kassianidou betonte, dass es dabei nicht um museale Bewahrung gehe, sondern um lebendige Kultur, die Teil des Alltags bleibt und wirtschaftlich wirksam wird.



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5. Kultur, Bildung und Identität

Ein weiterer Schwerpunkt der Rede lag auf der Verbindung von Kultur und Bildung. Kassianidou unterstrich, dass kulturelle Bildung ein entscheidender Faktor für:

  • kritisches Denken,

  • gesellschaftliche Teilhabe,

  • und Identitätsbildung

sei. Gerade junge Menschen in ländlichen Regionen müssten ihre eigene Geschichte und Kultur nicht als etwas Vergangenes, sondern als Ressource für die Zukunft erleben.

Programme, die lokale Geschichte, Dialekte, Handwerk oder Musik in Schulen und Gemeinschaftsprojekte integrieren, könnten dazu beitragen, Selbstbewusstsein und Verbundenheit zu stärken – ein nicht zu unterschätzender Faktor im Kampf gegen Abwanderung.


6. Kultur und Tourismus: Qualität statt Masse

Kassianidou verwies zudem auf die wachsende Bedeutung von kulturbasiertem Tourismus. Während klassische Tourismusmodelle oft auf Masse und Saisonalität setzen, biete Kultur die Möglichkeit zu:

  • ganzjähriger Nachfrage,

  • höherer Wertschöpfung pro Besucher,

  • und stärkerer regionaler Verteilung der Einnahmen.

Die Bergregionen könnten hiervon besonders profitieren, etwa durch:

  • Kulturwege,

  • lokale Festivals,

  • thematische Museen,

  • Workshops zu traditionellem Handwerk oder Gastronomie.

So entstehe ein Tourismusmodell, das wirtschaftlich tragfähig und kulturell respektvoll sei – und gleichzeitig die Lebensqualität der Einheimischen erhöhe.


7. Staatliche Unterstützung und politische Priorität

Die stellvertretende Ministerin machte deutlich, dass die Regierung diese Entwicklung aktiv unterstützt. Das Kulturministerium sehe sich nicht nur als Fördergeber, sondern als strategischer Partner, der:

  • Initiativen bündelt,

  • Netzwerke aufbaut,

  • und langfristige Konzepte begleitet.

Die Zusammenarbeit mit der Troodos-Stiftung sei hierfür beispielhaft. Ziel sei es, Projekte nicht punktuell, sondern strukturell zu fördern, damit sie dauerhaft Wirkung entfalten.


8. Symbolik und politische Bedeutung der Schirmherrschaft

Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft der First Lady Philippa Karsera Christodoulides. Diese Schirmherrschaft unterstreicht die politische und gesellschaftliche Bedeutung, die dem Thema Kultur inzwischen beigemessen wird.

Sie signalisiert, dass kulturelle Entwicklung nicht als Nischenthema betrachtet wird, sondern als integraler Bestandteil nationaler Strategie – gerade auch im Kontext von sozialem Zusammenhalt und regionaler Balance.


9. Lebensqualität als zentrales Ziel

Ein besonders wichtiger Aspekt der Ausführungen Kassianidous war die Verbesserung der Lebensbedingungen in den Bergregionen. Kulturpolitik solle letztlich den Menschen vor Ort zugutekommen:

  • durch neue wirtschaftliche Perspektiven,

  • durch bessere Infrastruktur,

  • durch soziale und kulturelle Angebote.

Die Integration von Kultur in lokale Entwicklungsmodelle könne dazu beitragen, dass Bergdörfer nicht nur erhalten bleiben, sondern attraktive Lebensräume für kommende Generationen werden.


10. Einordnung: Kultur als unterschätzter Standortfaktor

Die Aussagen der stellvertretenden Kulturministerin fügen sich in einen breiteren internationalen Trend ein. Immer mehr Länder erkennen, dass:

  • kulturelles Erbe,

  • regionale Identität,

  • und kreative Potenziale

entscheidende Faktoren für nachhaltige Entwicklung sind – gerade jenseits der Metropolen.

Zypern hat hier besondere Voraussetzungen: eine reiche Geschichte, klar abgegrenzte Regionen und eine starke lokale Identität. Die Herausforderung besteht darin, dieses Potenzial strategisch, respektvoll und langfristig zu nutzen.


Fazit

Die Rede von Vasiliki Kassianidou macht deutlich: Kultur ist in Zypern längst mehr als Bewahrung der Vergangenheit. Sie wird zunehmend als Werkzeug für Zukunftsgestaltung verstanden – insbesondere für ländliche und bergige Regionen wie Troodos.

Wenn es gelingt, kulturelles Erbe mit Bildung, Tourismus und lokaler Wirtschaft zu verknüpfen, kann daraus ein nachhaltiges Entwicklungsmodell entstehen, das Identität stärkt, Wohlstand schafft und Regionen belebt, die lange am Rand der Aufmerksamkeit standen.

Oder nüchtern formuliert:
Kultur ist kein Kostenfaktor – sie ist eine Investition in die Zukunft des Landes.

Quelle: Cyprus News Agency (CNA)

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