Die Abgabe der jährlichen Einkommenssteuererklärungen ist für jeden Steuerstaat ein Barometer dafür, wie effizient Verwaltung, Digitalisierung und steuerliches Bewusstsein in der Gesellschaft ineinandergreifen. In Zypern zeigt sich 2025 ein auffälliges Bild: Nur etwa die Hälfte der Steuerzahler hat bis Ende August ihre Einkommenssteuererklärung für das Steuerjahr 2024 eingereicht. Damit liegt die Zahl deutlich unter dem Vorjahresniveau.
Dies teilte Steuerkommissar Sotiris Markides der Cyprus News Agency (CNA) mit. Während bis zum 29. August 2024 bereits mehr als 320.000 Steuererklärungen bearbeitet worden waren, sind es 2025 zum gleichen Stichtag lediglich rund 182.000. Die Regierung hat deshalb die Frist zur Abgabe bis zum 30. September 2025 verlängert.
1. Die Zahlen im Überblick
a) Deutlicher Rückgang gegenüber 2024
Laut Markides wurden bis zum Morgen des 29. August 2025 rund 182.000 Einkommenssteuererklärungen (Formular TF1, ohne Kontenführungspflicht) bearbeitet. Dies entspricht nur 56 % des Niveaus vom Vorjahr.
Von diesen Erklärungen sind etwa 162.000 „offiziell eingereicht“, was 51 % der endgültig bestätigten Steuererklärungen zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr entspricht. Rund 20.000 befinden sich noch im Status der „vorläufigen Eingangsbestätigung“.
b) Vergleichszahlen 2024
Zum Stichtag des Vorjahres (2024) lag die Zahl der bearbeiteten Erklärungen bereits bei über 322.000. Davon waren rund 317.400 endgültig eingereicht.
c) Abgabefrist 2025
Per Kabinettsbeschluss vom 20. Juni 2025 wurde die Abgabefrist für die Einkommenssteuererklärungen ohne Kontenführungspflicht – inklusive der Zahlung etwaiger Steuerschulden – bis zum 30. September 2025 verlängert.
2. Wer ist abgabepflichtig?
Die Pflicht zur Abgabe betrifft insbesondere:
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
Rentnerinnen und Rentner
Selbständige ohne Buchführungspflicht
Voraussetzung ist, dass das gesamte Bruttoeinkommen im Steuerjahr 2024 über 19.500 Euro lag.
Die Einreichung erfolgt ausschließlich über das digitale System TaxisNet, das seit Jahren das zentrale Online-Portal für Steuerpflichtige in Zypern ist.
3. Gründe für die Verzögerungen
Dass 2025 bislang deutlich weniger Steuerpflichtige ihre Erklärung abgegeben haben, kann mehrere Ursachen haben:
Fristverlängerung: Viele Steuerzahler nutzen erfahrungsgemäß die verlängerte Abgabefrist und reichen ihre Erklärung erst kurz vor dem Stichtag ein.
Komplexität der Abrechnung: Gerade Selbständige oder Rentner mit Zusatzeinkünften benötigen oft mehr Zeit, ihre Unterlagen zusammenzustellen.
Technische Hürden: Obwohl TaxisNet grundsätzlich funktioniert, klagen Nutzer regelmäßig über technische Probleme, insbesondere bei Spitzenlasten kurz vor Ablauf der Frist.
Steuermentalität: In vielen Fällen spielt auch eine gewisse Gelassenheit im Umgang mit Fristen eine Rolle – ein kulturelles Phänomen, das in Zypern nicht unbekannt ist.
Markides betonte, dass die Steuerverwaltung laufend Maßnahmen ergreife, um die Effizienz des Systems zu verbessern und die Bürger frühzeitig an ihre Verpflichtungen zu erinnern.
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Mehr Informationen4. Bedeutung für den Staatshaushalt
Die rechtzeitige Abgabe der Steuererklärungen ist nicht nur eine Frage der Ordnung, sondern auch von hoher fiskalischer Bedeutung:
Liquiditätsplanung: Der Staat benötigt verlässliche Daten über Einnahmen, um Ausgaben wie Gehälter, Sozialleistungen oder Investitionen zu planen.
Haushaltsprognosen: Steuererklärungen liefern eine wichtige Grundlage für die Anpassung von Wirtschaftsprognosen.
Kontrolle und Transparenz: Je früher Erklärungen vorliegen, desto besser lassen sich Abweichungen oder Missbrauch erkennen.
Dass 2025 bislang nur etwa die Hälfte der erwarteten Erklärungen eingegangen ist, stellt somit auch eine Herausforderung für die kurzfristige Haushaltssteuerung dar.
5. Digitalisierung und TaxisNet: Fortschritt mit Kinderkrankheiten
Die verpflichtende Abgabe über TaxisNet gilt als Meilenstein in der Digitalisierung der zyprischen Steuerverwaltung. Das System ermöglicht den papierlosen Austausch und eine direkte Verarbeitung von Daten.
Allerdings zeigen sich in der Praxis Schwächen:
Die Benutzerfreundlichkeit ist für viele Steuerzahler unzureichend.
Gerade ältere Bürger haben Schwierigkeiten mit der digitalen Einreichung.
Hohe Zugriffszahlen kurz vor Fristende führen regelmäßig zu Systemüberlastungen.
Die Steuerkommission arbeitet daran, die Plattform weiter zu verbessern. Denkbar sind mobile Anwendungen, eine Ausweitung des Kundensupports sowie zusätzliche Erinnerungsmechanismen (z. B. per SMS oder App-Benachrichtigung).
6. Steuerpolitik im Kontext: Die 19.500-Euro-Grenze
Die Pflicht zur Abgabe ab einem Bruttojahreseinkommen von 19.500 Euro ist ein zentraler Baustein des zyprischen Steuerrechts.
Zum Vergleich:
In Deutschland liegt die Freigrenze für Steuererklärungen bei Arbeitnehmern, deren Einkommen ausschließlich aus Lohn besteht, faktisch höher, da die Steuer durch den Lohnsteuerabzug bereits abgeführt wird.
In Zypern hingegen setzt der Staat stärker auf die Selbstveranlagung, was das System insgesamt komplexer macht, aber auch flexibler gestaltet.
Die Grenze von 19.500 Euro ist so gewählt, dass eine große Zahl von Bürgern steuerlich erfasst wird, während sehr niedrige Einkommen von der Pflicht verschont bleiben.
7. Fazit: Ein Wettlauf gegen die Zeit
Bis zum 30. September 2025 haben Zyperns Steuerzahler noch Zeit, ihre Erklärung einzureichen. Die bisher niedrigen Zahlen deuten darauf hin, dass in den kommenden Wochen ein deutlicher Anstieg zu erwarten ist – mit entsprechend hoher Belastung für das TaxisNet-System.
Steuerkommissar Markides rief alle Bürger dazu auf, ihre Verpflichtungen rechtzeitig zu erfüllen, um technische Engpässe und mögliche Strafzuschläge zu vermeiden.
Die Entwicklung zeigt: Auch wenn Zypern bei der Digitalisierung seiner Steuerverwaltung Fortschritte gemacht hat, bleibt die rechtzeitige Erfüllung steuerlicher Pflichten eine gemeinsame Aufgabe von Staat und Bürgern.
Quelle: Cyprus News Agency (CNA)