Beendigung des Asset Protection Scheme entlastet Staat und Steuerzahler nachhaltig
Mit der Abwicklung der Vereinbarungen zwischen der Cyprus Asset Management Company Ltd (KEDIPES) und Eurobank Limited ist Zypern ein entscheidender Schritt gelungen, um eines der komplexesten Kapitel der Finanz- und Bankenkrise endgültig zu schließen. Das Ministry of Finance begrüßte den Abschluss der Vereinbarungen ausdrücklich und hob hervor, dass damit staatliche Garantien von über einer Milliarde Euro aufgehoben sowie die Gesamtkosten des Asset Protection Scheme (APS) auf ein deutlich niedrigeres Niveau als ursprünglich befürchtet begrenzt werden konnten.
Die Einigung markiert nicht nur das Ende eines langjährigen und technisch anspruchsvollen Prozesses, sondern ist auch ein wichtiges Signal für die finanzielle Stabilität, Glaubwürdigkeit und fiskalische Handlungsfähigkeit der Republik Zypern.
1. Ausgangspunkt: Die Altlasten der Bankenkrise
Die Wurzeln der aktuellen Entwicklung reichen zurück ins Jahr 2018, als der zypriotische Staat im Zuge der Restrukturierung des damaligen Cooperative Cyprus Bank-Sektors umfangreiche Maßnahmen ergriff, um das Finanzsystem zu stabilisieren. Ein zentraler Bestandteil dieser Maßnahmen war die Übertragung problematischer Vermögenswerte an die staatliche Abwicklungsgesellschaft Cyprus Asset Management Company Ltd (KEDIPES).
Im Rahmen dieser Transaktion wurden mit der damaligen Hellenic Bank – deren Aktivitäten später von Eurobank Limited übernommen wurden – Vereinbarungen geschlossen, die unter anderem ein Asset Protection Scheme (APS) beinhalteten. Dieses sollte mögliche Verluste aus einem umfangreichen Kreditportfolio absichern.
2. Das Asset Protection Scheme: Umfang und Risiken
Die ursprünglichen Vereinbarungen aus dem Jahr 2018 sahen vor, dass die Republik Zypern umfangreiche staatliche Garantien bereitstellt. Besonders relevant war das Loan Guarantee Scheme, das potenzielle Verluste auf Kredite im Umfang von 2,6 Milliarden Euro absicherte.
Aus damaliger Sicht war dieses Instrument notwendig, um:
Vertrauen in den Bankensektor wiederherzustellen,
die Stabilität der Hellenic Bank zu sichern,
und eine systemische Eskalation zu verhindern.
Gleichzeitig bedeutete das APS jedoch ein erhebliches fiskalisches Risiko. Die ursprünglichen Kostenabschätzungen aus dem Jahr 2018 lagen deutlich höher als das nun realisierte Ergebnis, und die staatlichen Garantien stellten ein dauerhaftes Risiko für den Steuerzahler dar.
3. Der Wendepunkt: Abschluss der Vereinbarungen im Januar 2026
Am 30. Januar 2026 gab KEDIPES im Rahmen einer Pressekonferenz zu den Finanzergebnissen des zweiten Halbjahres 2025 bekannt, dass die Vereinbarungen mit Eurobank Limited erfolgreich abgeschlossen wurden.
Diese umfassen:
die Beendigung des Asset Protection Scheme,
den Rückkauf eines Portfolios notleidender Kredite,
sowie die vollständige Regelung aller Verpflichtungen und Garantien, die aus der Vermögensübertragungsvereinbarung von 2018 resultierten.
Nach Angaben von KEDIPES wurde damit ein langer, anspruchsvoller und technisch komplexer Prozess abgeschlossen, der nun eine endgültige Klärung der offenen Risiken ermöglicht.
4. Kosten deutlich unter ursprünglichen Erwartungen
Besonders hervorzuheben ist die finanzielle Dimension des Abschlusses. Laut KEDIPES beläuft sich der Nettokostenaufwand des APS auf lediglich 74 Millionen Euro. Damit liegt er bei etwa der Hälfte der ursprünglichen Basisschätzung von 2018.
Das Finanzministerium betonte in seiner Stellungnahme, dass dieses Ergebnis:
die ursprünglichen Risikobewertungen deutlich unterschreitet,
die fiskalische Belastung für den Staat erheblich reduziert,
und die langfristige Haushaltsstabilität stärkt.
Noch wichtiger ist jedoch, dass der Staat nun von Garantien in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro befreit ist – ein Aspekt, der nicht nur bilanziell, sondern auch aus Sicht der Kreditwürdigkeit von zentraler Bedeutung ist.
5. Indirekte Belastung des Steuerzahlers – und deren Ende
Obwohl KEDIPES laut Ministerium sämtliche Verpflichtungen aus den 2018er-Vereinbarungen erfüllt hat, ohne dass die staatliche Garantie tatsächlich in Anspruch genommen werden musste, hatte das APS dennoch einen indirekten Effekt auf die öffentlichen Finanzen.
Konkret:
Die Existenz der Garantien und Vereinbarungen begrenzte die Rückgewinnung der staatlichen Beihilfen, die dem ehemaligen Cooperative Cyprus Bank-Sektor gewährt worden waren.
Damit trug der Steuerzahler mittelbar weiterhin eine finanzielle Last, selbst ohne direkte Auszahlung aus dem Garantieinstrument.
Mit der nun erreichten Beendigung der Vereinbarungen wird diese latente Belastung endgültig beseitigt.
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Mehr Informationen6. Rolle der Europäischen Kommission
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Genehmigung durch die Europäische Kommission. Das Finanzministerium stellte klar, dass der Abschluss der Vereinbarungen nur möglich war, nachdem die zuständigen europäischen Stellen ihre Zustimmung erteilt hatten.
Dies unterstreicht:
die EU-rechtliche Konformität der Lösung,
die Anerkennung der Fortschritte Zyperns im Bereich Bankenrestrukturierung,
sowie die Einhaltung der Regeln zu staatlichen Beihilfen.
Die enge und effektive Zusammenarbeit zwischen KEDIPES, dem Finanzministerium und den europäischen Institutionen wird von allen Beteiligten als entscheidender Erfolgsfaktor hervorgehoben.
7. Anschlussvereinbarung: Management eines Kredit- und Immobilienportfolios
Parallel zu den Hauptvereinbarungen wurde am 30. Januar 2026 ein weiterer wichtiger Schritt gesetzt. Laut einer Pressemitteilung von Themis Portfolio Management Limited wurde eine Vereinbarung über das Management eines Kredit- und Immobilienportfolios im Wert von 361 Millionen Euro unterzeichnet.
Beteiligt sind:
Themis Portfolio Management Limited,
KEDIPES,
sowie Creditum Holdings Ltd.
Die Vereinbarung trat unmittelbar in Kraft, nachdem KEDIPES das entsprechende Portfolio von Eurobank Cyprus Limited über die Zweckgesellschaft Creditum Holdings Ltd übernommen hatte. Ziel ist eine professionelle, marktorientierte Verwaltung und Verwertung der Vermögenswerte.
8. Bedeutung für den Finanzsektor
Die Beendigung des APS und die Neuordnung der Portfolios haben weitreichende Auswirkungen auf den zypriotischen Finanzsektor:
Reduktion systemischer Risiken,
Verbesserung der Staatsbilanz,
Stärkung des Vertrauens von Investoren und Ratingagenturen,
und höhere Transparenz in der Abwicklung notleidender Kredite.
Zypern sendet damit ein klares Signal, dass die Altlasten der Krise nicht nur verwaltet, sondern strukturell und endgültig gelöst werden.
9. Einordnung im internationalen Kontext
Im internationalen Vergleich ist Zyperns Vorgehen bemerkenswert. Viele Länder kämpfen auch Jahre nach der Finanzkrise noch mit:
hohen staatlichen Garantien,
ungelösten NPL-Beständen,
und dauerhaften fiskalischen Risiken.
Zypern hingegen hat es geschafft, mit vergleichsweise begrenzten Kosten und ohne Aktivierung der Garantien einen geordneten Ausstieg aus einem komplexen Schutzmechanismus zu realisieren.
10. Fazit: Ein strategischer Meilenstein für Zypern
Der Abschluss der Vereinbarungen zwischen KEDIPES und Eurobank Limited stellt einen strategischen Meilenstein dar. Er beendet ein zentrales Kapitel der Bankenkrise, reduziert Risiken für den Staat, entlastet den Steuerzahler und stärkt die langfristige finanzielle Stabilität der Republik Zypern.
Oder nüchtern formuliert:
Was 2018 als notwendige Notmaßnahme begann, endet 2026 als kontrollierter, erfolgreicher Rückzug des Staates aus einem milliardenschweren Risiko – ein Ergebnis, das im europäischen Kontext keineswegs selbstverständlich ist.
Quelle: Cyprus News Agency (CNA)
